18. März 2020, 12:48

Nachhaltige Schulmensa in Donauwörth

Auf der Suche nach einem Projekt, das ihre Schule noch nachhaltiger machen könnte, haben Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Donauwörth den Mensabetrieb ins Visier genommen. Bild: stratum GmBH
Auf der Suche nach einem Projekt, das ihre Schule noch nachhaltiger machen könnte, haben Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Donauwörth den Mensabetrieb ins Visier genommen. Mit einem neuen Konzept wollen sie die Qualität und die Klimabilanz des Mensaessens gleichzeitig verbessern. Landrat Stefan Rößle hat seine Unterstützung zugesagt und sich jetzt die konkreten Ideen der Schüler und die Ergebnisse einer Umfrage am Gymnasium erläutern lassen.

Um sich nicht alleine auf ihre eigenen Beobachtungen und subjektiven Einschätzungen verlassen zu müssen, haben die zwölf Schülerinnen und Schüler aus der elften Klassenstufe, die an einem berufsvorbereitenden sogenannten P-Seminar teilnehmen, eine Umfrage gestartet. Sie wollten damit herausfinden, woran es liegt, dass die Schulmensa wenig frequentiert wird, und wo man ansetzen könnte, das zu ändern. Über 800 Schülerinnen und Schüler haben an der Befragung teilgenommen. Einbezogen waren die 5. bis 10. Klassenstufe. 

Nun hat die Schülergruppe, die ihr Projekt „time4action“ nennt und auch eine gleichlautende Website betreibt, die Ergebnisse der Befragung veröffentlicht. Das sind die wesentlichen Punkte, wie sie der Schüler Talha Kulak bei einem Termin im Landratsamt jetzt erläuterte:

  • Der am häufigsten genannte Grund, nicht in der Mensa zu essen, ist „Meine Freunde essen auch außerhalb“. 340 Schülerinnen und Schüler waren dieser Meinung. Man trifft sich also eher am Kiosk oder der Food-Theke, weil es dort geselliger zugeht. 
  • Auch der (zu hohe) Preis spielt für über 250 Schülerinnen und Schüler eine Rolle. Wo die Schmerzgrenze hier liegt, wurde nicht erhoben.
  • Vergleichsweise weniger wurden die geringe Größe der Portionen, zu lange Wartezeiten und die „schlechte Atmosphäre“ bemängelt, jeweils 100 bis 120 Stimmen gab es dafür.

Ein Ergebnis, das die Initiatoren der Umfrage in dieser Deutlichkeit überrascht hat, betraf die Frage, ob Qualität oder Preis entscheidender sind bei der Nutzung des Mensa-Angebots. Zehnmal so viele Schülerinnen und Schüler halten die Qualität des Mensa-Angebots für ausschlaggebend. Dieses Ergebnis wird durch die Auswertung der Frage nach der Bedeutsamkeit von „gesundem“ Essen noch unterstützt. Als „sehr wichtig“ oder „wichtig“ bezeichnen 410 der Gymnasiasten den Gesundheitsaspekt beim Mensaessen.

Die Schülergruppe von „time4action“ zieht daraus den Schluss, dass eine Qualitätsoffensive, gekoppelt mit Klima- und Umweltargumenten, eine gute Chance hätte, die Mensa im Gymnasium wiederzubeleben und auch gegen das Konkurrenzangebot im Schulumfeld zu bestehen. Sie wollen deshalb mit dem Landratsamt darüber sprechen, welche Qualitäts- und Nachhaltigkeits-Kriterien bei künftigen Ausschreibungen des Mensabetriebs neben der Wirtschaftlichkeit eine stärkere Rolle spielen sollen.

Daneben müsse jedoch auch auf Nebenbedingungen des Mensabetriebs geachtet werden, um das Nutzerverhalten positiv zu beeinflussen, betonen die Schüler von „time4action“. So sei die Organisation verbesserungswürdig, denn derzeit haben die Schüler einen viel zu kleinen zeitlichen Korridor, um sich für den Tag spontan ein Ticket für die Mensa zu holen. Mit einer App ließe sich das vielleicht optimieren, so der Vorschlag der Schülerinitiative.

Außerdem sollte es mehr kleinere Sachen, Snacks und Fingerfood geben statt ganzer Menüs, das dann aber gerne in Bio-Qualität. Die Konzentration auf die klassische Mittagessen-Portion könnte einer der Gründe sein, dass Schülerinnen und Schüler sich lieber bei den Anbietern rund um die Schule versorgen. Die Verbindung des Pausenverkaufs in der Schule mit dem Mensabetrieb würde sich in diesem Zusammenhang anbieten, meinte Projektsprecher Hagen Hammer.

Die Ideen für eine neue Mensa wurden allerdings in der Zwischenzeit von der Realität eingeholt. Da der jetzige Mensabetreiber nur als Interimslösung gedacht war, musste jetzt rasch ein neuer Betreiber für das kommende Schuljahr gefunden werden. Um die Hürden nicht zu hoch zu legen, verzichtete man seitens des Landratsamts zunächst darauf, dem potenziellen neuen Betreiber auch noch die erhöhten Anforderungen abzuverlangen, die sich aus den Vorschlägen der Schülergruppe ergeben. Bei der Zusammenkunft zwischen den Schülern und Landrat Stefan Rößle am 9. März gab es aber gute Nachrichten. Zwei ernsthafte Angebote liegen auf dem Tisch. Sobald eines den Zuschlag bekommen hat, will das Landratsamt die Schülerinitiative in die Ausgestaltung mit einbeziehen. Schulleiter Karl Auinger bestätigte für beide Anbieter, dass die Bereitschaft bestehe, sich mit der Schülergruppe an einen Tisch zu setzen. Auinger möchte sogar noch weiter gehen und auch die Schülermitverantwortung (SMV) in den Prozess einbinden. 

Wieviel Prozent des künftigen Mensaangebots dann gleich aus Bio-Produktion kommen sollen, dürfte dabei wohl nicht zum Streitpunkt werden. Die Lehrerin Petra Schuster-Klante, die als Lehrkraft die Schülerinitiative begleitet, betonte, dass die Schüler des P-Seminars in erster Linie wieder mehr Mitschüler – inklusive sich selbst – motivieren wollen, die Schulmensa zu nutzen. Das sei ja schon einmal ein Ziel, das die Schüler und der künftige Mensa-Betreiber gemeinsam haben, fügte die Mensa-Beauftragte Sabine Guggenmoos hinzu. Die Lehrerin und Mitarbeiterin der Schulleitung unterstützt die Initiative deshalb auch und fragte die Schüler, welche Ideen sie denn hätten, um die Atmosphäre in der neuen Mensa attraktiver zu machen.

Rückenwind signalisierte Landrat Stefan Rößle dem Projekt auch durch den Hinweis, dass für die Gemeinschaftsverpflegung auf Landkreisebene, also in Seniorenheimen, Kantinen, Krankenhäusern etc., inzwischen eine Quote von 50% Rohwaren aus biologischer oder regionaler Erzeugung vereinbart ist. Die Nachhaltigkeitsbeauftragte im Landratsamt, Heike Burkhardt, regte an, eine erweiterte Befragung zum Thema Mensaessen, Gesundheit und Nachhaltigkeit an allen Schulen im Landkreis zu veranstalten. Das Interesse an dem Donauwörther Modell reicht inzwischen auch bereits über die Kreisstadt hinaus. Petra Schuster-Klante berichtete bereits von Anfragen weiterer Interessenten.

Derart ermutigt wollen die Schüler des P-Seminars sich jetzt auf die Gespräche und Verhandlungen mit dem künftigen Mensabetreiber ihres Gymnasiums vorbereiten und eine schülergetragene Imagekampagne für ihre neue, nachhaltige Mensa auf die Beine stellen. (pm)