Von der alten Bastei auf die ganz große Bühne

Szene aus der ZDF-Serie „Tschappel“: Comme (Gerhard Jilka) und Tante Gabi (Nina Grädig) geben Carlo (Jeremias Meyer) Beziehungstipps. Bild: ZDF
Vom Baum in der Grundschule bis zu Hollywood-Synchronrollen – Gerhard Jilka blickt auf ein halbes Jahrhundert voller Leidenschaft für Schauspiel und Synchronsprechen zurück.

Als Synchronsprecher und Schauspieler konnte sich Gerhard Jilka in den vergangenen Jahrzehnten fest in der deutschen Kulturlandschaft etablieren. Seine ersten Schritte auf der Bühne machte er allerdings in der „Alten Bastei“ in Nördlingen.

Was mit einem Casting für das Versandhaus Otto begann, wurde für Gerhard Jilka schnell zum Durchbruch. Damals verkörperte der gebürtige Nördlinger den abgehalfterten Schlagerstar Ricardo. Das Interesse an der Kunstfigur und dem Song „Weißer Stern von Alcunar“ ging so weit, dass Jilka in mehrere Talkshows eingeladen wurde und seinen Hit schließlich auf zahlreichen Bühnen performte. 

Fast zehn Jahre später denkt er gerne an diese Zeit zurück – vor allem, weil ihm die Rolle endgültig die Tür in die Schauspielwelt öffnete. „Plötzlich ka men zahlreiche Agenturen auf mich zu und wollten mich unter Vertrag nehmen. Das war schon sehr speziell“, erinnert er sich.

Erst mit 29 Jahren an die Schauspielschule

Heute zählt Jilka zu den wenigen Schauspielern im deutschsprachigen Raum, die tatsächlich gut von ihrem Beruf – einer Mischung aus Film- und Fernsehschauspiel, Synchronarbeit und Theater – leben können, natürlich abseits der ganz großen Stars. Angefangen hat für ihn jedoch alles recht unspektakulär in seiner Heimatstadt Nördlingen. 

Bereits als Kind stand er in der Grundschule auf der Bühne, zunächst in einer Nebenrolle als Baum, später dann in der Alten Bastei. „Erst vor wenigen Tagen wurde mir bewusst, dass ich 2026 bereits mein 50-jähriges Bühnenjubiläum feiern werde“, erzählt er. Wer jedoch denkt, dass sein Karriereweg stets geradlinig verlief, irrt. Nach dem Schulabschluss arbeitete Jilka zunächst als Bus- und Taxifahrer – die Schauspielerei blieb zunächst nur ein Hobby. Erst mit 29 Jahren bewarb er sich an einer Schauspielschule in München und wurde angenommen. 

„Ich habe alles auf eine Karte gesetzt, bin nach München gezogen und habe dort mein Studium absolviert. Ich hatte schon damals einen sehr starken Willen. Vielleicht ist das mein Erfolgsrezept: Ich habe immer an mich geglaubt und mich nie abbringen lassen. Das würde ich auch allen Nachwuchskünstlern raten, die noch ganz am Anfang stehen.“

Synchronsprecher aus Leidenschaft

Bild: unit I one agentur christian kemme

Wie prägend diese Lebensphase war, zeigt ein Blick auf sein Werk. In jener Zeit übernahm Jilka seine ersten Synchronrollen und ging mit dem „Brandner Kasper“ auf Tournee. Bis heute ist das Synchron- sprechen seine wichtigste Einnahmequelle und zugleich seine größte Leidenschaft. Schon früh begeisterte er sich für Sprache und Dialektik und beschäftigte sich noch vor dem Studium intensiv mit Sprachtheorie. 

„Dieses Wissen kam mir sehr zugute – nahm aber zwischenzeitlich fast fanatische Züge an“, gibt er zu. So habe er sogar Zutatenlisten im Supermarkt linguistisch analysiert, um Sprachmuster für seine Arbeit nutzbar zu machen. Als Synchronsprecher ist Gerhard Jilka Teil einer Branche, die hierzu lande auf eine lange Tradition zurückblicken kann. Deutschland gehörte demnach zu den ersten Ländern Europas, die ausländische Produktionen systematisch synchronisierten – entsprechend gut ist auch der internationale Ruf. Während manche Sprecher über Jahr zehnte einzelnen Hollywoodstars ihre Stimme leihen, verfolgt Jilka einen anderen Ansatz: Er spricht viele kleine Rollen statt weniger großer. 

„Ich bin nicht darauf angewiesen, dass ein Hollywoodstar einmal im Jahr einen Film veröffentlicht.“ Teilweise arbeite er an zwei bis drei Projekten am Tag. Zu seinen bekanntesten Synchron arbeiten gehören unter anderem Der Herr der Ringe, Harry Potter, Fantastische Tierwesen, Die Simpsons, One Piece und Pokémon.

,,Mein Erfolg ist auf keinen Fall selbstverständlich"

Spätestens seit seinem Erfolg als Schlagerstar Ricardo ist Jilka auch regelmäßig in Film und Fernsehen zu sehen – darunter im Tatort, den Rosenheim-Cops, Polizeiruf 110, Der Bergdoktor und Tschappel. Letztgenannte Serie war erst vor Kurzem für den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Beste Comedy-Serie“ nominiert. Jilka hat sich durch harte Arbeit in einer faszinierenden, aber auch erbarmungslosen Branche etabliert. 

Dass dies alles andere als selbstverständlich ist, betont er selbst: „Ich kenne viele langjährige Weggefährten, die nicht von ihren Engagements leben können und nach dem Dreh im Supermarkt Regale auffüllen.“ Umso dankbarer sei er für jede Chance, die er ergreifen durfte. Sein Fazit: „Mein Erfolg ist auf keinen Fall selbstverständlich.“ (dra)

Diese Artikel ist bereits im blättle (Ausgabe 66 Januar/Februar 2026) erschienen. Hier E-Paper lesen: Zum Webkiosk

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