6. Dezember 2019, 09:00

Im Land der Aromen

Der Destillateurmeister Norbert Schretzmeier und Matthias Stark. Bild: Mara Kutzner
Kaum einen Geruch verbinden wir mehr mit der Weihnachtszeit, als den herrlich intensiven Duft von heißem Glühwein. Doch woher kommt dieses Aroma? Und wie wird es hergestellt? Das hat sich Matthias Stark bei der Firma Destilla in Nördlingen angesehen.

Im Nördlinger Ortsteil Kleinerdlingen wurde die Firma Destilla im Jahr 1969 gegründet. Dort befi ndet sich das Unternehmen auch heute noch. Mittlerweile wurde aber auch im neuen Gewerbegebiet am Steinernen Mann ein Betrieb errichtet. Am Eingang treffe ich auf Michael Feil. Der gebürtige Nördlinger ist für das Marketing in dem Nördlinger Betrieb tätig. „Herzlich Willkommen bei Destilla“, begrüßt er mich und führt mich in den 2. Stock des Firmengebäudes. Dort werde ich für meinen Besuch in der Produktion eingekleidet. „Wir sind ein Lebensmittelbetrieb und müssen deshalb strenge Hygienerichtlinien einhalten“, erklärt mir Michael Feil. Ausgestattet mit Sicherheitsschuhen, einem Mantel und einer Mütze mit Bart- und Haarnetz geht es los.„Unser erster Weg führt uns in unser Drogenlager“, lacht Michael Feil, der meine fragende Blicke zu spüren scheint.

Höchste Ansprüche an die Naturrohstoffe

Durch ein großes Tor betreten wir die große Lagerhalle des Unternehmens. Hier stapeln sich in den bis zur Decke reichenden Regalen hunderte verschiedene Naturrohstoffe für die Aromaherstellung. „Das ist unser sogenanntes Drogenlager“, erzählt mir Michael Feil. „Der Name stammt noch aus den Anfängen der Firma. Der Gründer Franz Latka war Drogist und Destillateur. Und die Naturrohstoffe, die ein Drogist nutzte, werden auch heute noch als Drogen bezeichnet“, erklärt Feil weiter. „Dabei stammt das Wort Droge aus dem Niederländischen und bedeutet trocken.

In einem Drogenlager wie hier, lagern also vor allem getrocknete Waren.“ In Fässern, Tonnen und Kanistern befinden sich hier mitunter die edelsten Gewürze der Welt. Darunter Vanille, Safran und echter Zimt. „Qualität ist für uns entscheidend. Deshalb haben wir sehr hohe Ansprüche an die Naturrohstoffe. Wir verwenden nur die besten Ausgangsstoffe und zunehmend auch Bioqualität“, erklärt Michael Feil. Aus dem Lager begleitet uns unter anderem jede Menge Zimtduft in die angrenzende Produktionshalle. Dort wartet bereits Destillateurmeister Norbert Schretzmeier auf uns.

Bild: Destilla

Alle Rezepte sind streng geheim

Gemeinsam machen wir uns auf den Weg zur Produktion des Glühweinaromas. „Wir haben über hundert verschiedene Rezepte für Glühweinaromen in unserem Fundus. Diese werden entweder von uns oder auf Kundenvorgabe entwickelt“, so der Experte. Gemeinsam mit dem Destillateur befülle ich den Extraktor mit den Naturrohstoffen. Dabei handelt es sich um eine Art großen Kochtopf mit einem Fassungsvermögen von bis zu 1000 Litern. Die genaue Zusammensetzung ist geheim. Lediglich den Zimt geben wir noch zu der Mischung.

„Natürlich sind alle unsere Rezepte streng geheim und nur sehr wenigen Personen bekannt. Das soll auch so bleiben“, schmunzelt Norbert Schretzmeier. Kurz nachdem wir alle Zutaten in den Bottich gegeben haben, öffnet Schretzmeier einen Hahn. „Wir haben große Tanks für Flüssigkeiten. In einem Tank lagern wir immer den entsprechenden Wein für das Rezept. In der Regel stimmen wir uns mit dem Kunden ab, damit wir für die Produktion der Aromastoffe den gleichen Wein, wie bei der abschließenden Produktion verwenden. Somit sind die Flüssigkeiten identisch und das Ergebnis besser“, so der Destillateur. Nachdem die Mischung im Extraktor ausgekocht wurde, schaufeln wir gemeinsam die Restmasse in verschiedene Metallwannen und bringen diese in einen weiteren Raum. Hier befindet sich eine sogenannte Trommelpresse. „Damit gewinnen wir die letzte Flüssigkeit aus der Masse. Wir wollen nichts verschwenden und in der Masse befinden sich noch rund 15 Prozent an Flüssigkeit, die wir natürlich auch noch gewinnen wollen. Im Anschluss wird die Masse – es handelt sich ausschließlich um Kräuter, Gewürze und Pflanzenteile – kompostiert. So fällt kein Abfall an“, erklärt Destillateurmeister Schretzmeier.

Aus 1 mach 1000

Am Ende ist ein Grundstoff entstanden, der so intensiv ist, dass aus einem Liter Extrakt rund 1000 Liter Glühwein produziert werden können. Bevor die Ware jedoch zum Kunden kommt, muss diese in die Qualitätskontrolle. Diese befindet sich im ältesten Teil des Firmenareals, um welches nach und nach die Firmengebäude wuchsen. Eine weitere Qualitätskontollstelle befindet sich im neuen Werk zwei. „Wir verkosten immer unsere Produkte, da die Qualität maßgeblich für den Geschäftserfolg verantwortlich ist“, erklärt Michael Feil. Hierbei werden Proben aus verschiedenen Stadien der Produktion entnommen, um eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten. „Nur die besten Produkte verlassen unser Haus“, versichert Michael Feil abschließend.

Mein Besuch bei der Nördlinger Firma Destilla neigt sich dem Ende zu. Mit vielen neuen Eindrücken, und vor allem einer ordentlichen Portion neuen Gerüchen in der Nase, verabschiede ich mich und mache mich zurück auf den Weg nach Harburg.