Über die Straßen im Landkreis fahren und nach Verkehrssündern Ausschau halten: Für die Polizeibeamten der Donauwörther Verkehrspolizei gehört das zur Alltagsroutine. Für mich war der 25. November allerdings kein Tag wie jeder andere. Ich hatte die Möglichkeit, der Polizei bei ihrem Einsatz von der Rückbank über die Schulter zu schauen.
Zusammen mit Polizeihauptkommissar Oberfrank, seines Zeichens auch stellvertretender Dienststellenleiter, sowie Polizeioberkommissar Schwegler ging es mit dem PROVIDA-Fahrzeug, einer Zivilstreife, auf die Straße. Beide sind bereits 24 Jahre im Dienst. Oberfrank ist seit zwei Jahren bei der Verkehrspolizei, zuvor war er bei der Kriminalpolizei. Schwegler verrichtet schon vier Jahre seinen Dienst bei der Verkehrspolizei. Zuvor war er 14 Jahre im Schichtdienst bei der PI Donauwörth. „Die Nachtschichten sind auf Dauer körperlich und mental sehr belastend. Bei der Verkehrspolizei sind die Dienstzeiten etwas geregelter, zudem interessierte mich der Bereich Verkehr schon immer“, erklärt er seinen Wechsel.
Die Verkehrspolizei als mentale Herausforderung
Überhaupt erzählen die Beamten sehr offen von ihrer Arbeit und den Herausforderungen, die der Job mit sich bringt. Es herrsche vor allem eine falsche Sichtweise in der Bevölkerung vor. Oft falle der Begriff Wegelagerei. Auch Radarfalle sei irreführend, betont Oberfrank: „Wir stellen niemandem eine Falle, wir wollen für mehr Sicherheit für alle sorgen.“ Dieselbe Erfahrung hat Polizeioberkommissar Heinle gemacht, der später für Oberfrank ins Auto steigt. In der Verkehrspolizei sei man immer derjenige, der den anderen auf die Finger schaue. „Man muss klarkommen mit der Aufpasserrolle.“
Und der Begriff Aufpasserrolle trifft es, wie ich schnell feststelle. Bereits bei der Auffahrt auf die B 25 fällt der erste Lkw mit erhöhter Geschwindigkeit auf. Der scheint das Zivilfahrzeug jedoch zu erkennen und bremst ab. „Bei den Lkw-Fahrern von hier sind wir schon bekannt“, erklärt Schwegler.
Die erste Kontrolle lässt auch nicht lange auf sich warten. Um 10:34 Uhr wenden wir auf der B 25, da im Gegenverkehr ein Fahrzeug ohne Nummernschild bemerkt wurde. Das Fahrzeug wird bei Ebermergen auf den Parkplatz geleitet. Der Fahrer ist einsichtig und erklärt, dass er vor rund sechs Wochen einen Wildunfall gehabt habe und das Kennzeichen hinter der Windschutzscheibe liege. Für Polizeihauptkommissar Oberfrank ein klarer Fall: „Wäre der Unfall heute oder gestern passiert, hätten wir ihn nur darauf hingewiesen, das Kennzeichen schleunigst wieder zu montieren.“ So sei der Vorfall aber zu lange her und der Fahrer hätte längst Abhilfe schaffen können. Ein Bußgeld in Höhe von 60 Euro ist die Konsequenz.
Bei jeder Maßnahme ist mehr Verkehrssicherheit das Ziel
Es geht zurück auf die B 25. Es kommt wieder zu Verdachtsfällen und Kontrollen. Um 12:20 Uhr bemerkt Polizeihauptkommissar Schwegler im Gegenverkehr einen Lkw-Fahrer mit Handy am Ohr. Zum wiederholten Male wenden wir und folgen einem Fahrzeug. In Harburg wird der Lkw herausgelotst. Der Fahrer gibt den Verstoß sofort zu. Ein freiwilliger Drogentest verläuft negativ. Den Fahrer erwartet nun ein Bußgeld von 128,50 Euro: 100 Euro Strafe, 25 Euro Bearbeitungsgebühr, 3,50 Euro Porto. Dazu kommt noch ein Punkt in Flensburg.
Gegen 12:35 Uhr machen wir uns auf den Rückweg. Polizeioberkommissar Heinle fasst seinen Dienst so in Worte: „Ich versuche, aus meiner Sicht, die Straße sauber zu halten.“
Um 12:50 Uhr sind wir wieder in der Verkehrspolizeiinspektion Donauwörth angekommen. Die Streife ist für mich beendet. In den knapp drei Stunden wurden allein durch dieses Fahrzeug zwischen Donauwörth und Harburg zahlreiche Kontrollen durchgeführt und mehrere Bußgelder verhängt. Damit haben die drei Polizeibeamten dafür gesorgt, dass die B 25 in dieser Zeit etwas sicherer geworden ist.
Geduld und Gelassenheit ist auf einer Streifenfahrt gefragt
In der Folge pendeln wir immer wieder zwischen Donauwörth und Harburg hin und her. Unter anderem wird noch ein Pkw mit abgelaufenem TÜV herausgezogen. Der Fahrer reagiert anfangs verärgert mit einem Vorwurf an die Polizei: „Warum fahrt ihr so schnell?“ Mit der Zeit zeigt sich der Fahrer jedoch einsichtiger – zumal auch die Winterreifen von 2011 schon weit über die eigentliche Nutzungszeit hinaus sind. Für diese bekommt er eine Kontrollaufforderung, der abgelaufene TÜV zieht eine Verwarnung über 15 Euro nach sich.
Um 11:20 Uhr kehren wir zur Dienststelle zurück und Polizeihauptkommissar Oberfrank zieht ein erstes Fazit seines Einsatzes: „Wir konnten durchgängig unsere Arbeit machen. Das ist wichtig. Die Zahlen sind nicht ausschlaggebend. Wichtig ist es, dass wir unsere Arbeitszeit für mehr Sicherheit nutzen konnten. Nach der Kontrolle ist der Fahrer hoffentlich bald mit neuen Winterreifen und TÜV unterwegs. Das sorgt für mehr Sicherheit auf der Straße.“
Polizeioberkommissar Heinle steigt nun ins Auto ein. Er ist seit 2011 Polizist und vor elf Jahren zur Verkehrspolizei gekommen. Davor war er acht Jahre bei der Autobahnpolizei und ist mittlerweile auch in der Motorradkontrollgruppe mit einem PROVIDA-Motorrad unterwegs. „Das Fahrverhalten zu früher hat sich verändert. Viele Verkehrsteilnehmer beherrschen in meinen Augen ihre Fahrzeuge nicht mehr so gut wie früher“, schätzt er die heutige Situation auf der Straße ein.
Diese Artikel ist bereits im blättle (Ausgabe 66 Januar/Februar 2026) erschienen. Hier E-Paper lesen: Zum Webkiosk