Es ist eine Rekordjagd der traurigen Art: Bereits zum siebten Mal in Folge verzeichnete der Landkreis mehr als 1 000 Wildunfälle pro Jahr. Schon im Jahr 2024 wurde mit 1 306 bei der Polizei angezeigten Wildunfällen ein Allzeithoch erreicht. Auch das Jahr 2025 sorgte für einen neuen, besorgniserregenden Rekordwert. Am 22. September kam es bei Wemding zum 1 000. Wildunfall des Jahres.
Nie zuvor wurde diese Marke so früh geknackt wie in der abgelaufenen Kalenderperiode. „Es geht so weiter wie die Jahre zuvor und wir steigern uns erneut. Wir müssen nicht mehr von der magischen 1 000er-Grenze reden. Die wird fraglos überschritten“, malte Polizeihauptkommissar Stephan Roßmanith bereits im Juli 2025 ein düsteres Bild.
Erschreckende Zahlen im Landkreis
Mit diesen schockierenden Zahlen setzt sich ein Trend fort, der vor allem das Donau-Ries betrifft. Im Zehnjahreszeitraum von 2015 bis 2024 haben sich die Wildunfälle im Landkreis von 865 auf 1 306 erhöht, was einem Anstieg von 51 Prozent entspricht.
Im Vergleich zu den Nachbarlandkreisen ist dieser Wert besonders besorgniserregend: In der Stadt Augsburg, die zugegebenermaßen wenig Wild hat, stiegen die Zahlen im gleichen Zeitraum um 8,3 Prozent, im Landkreis Augsburg um 4,9 Prozent und im Landkreis Aichach-Friedberg gerade einmal um 2,6 Prozent. Nur der Nachbarlandkreis Dillingen verzeichnete ebenfalls einen zweistelligen Zuwachs von 31 Prozent, mit einem Anstieg von 510 auf 670 Wildunfällen jedoch auf deutlich niedrigerem Niveau.
Das generelle Problem der steigenden Unfallzahlen sieht Polizeihauptkommissar Stephan Roßmanith im Fahrverhalten der Verkehrsteilnehmer. Vor allem in der Dämmerungs- und Nachtzeit, in der Wildunfälle fast ausschließlich passieren, sollten Autofahrer ihre Geschwindigkeit anpassen. „Das A und O ist langsam fahren“, erinnert Roßmanith und rät dazu, Tempolimits nicht auszureizen. Auch wenn Tempo 100 erlaubt sei, sei es ratsam, in diesen Situationen auch mal nur 50 km/h zu fahren.
Die Zeche zahlen alle Autofahrer im Landkreis
Die Zeche für die steigenden Unfallzahlen zahlen letztlich alle Autofahrer im Landkreis. Allein schon aus Eigennutz, denn die zunehmenden Wildunfälle schlagen sich auch im Geldbeutel nieder. Neben den Unfallschäden steigen auch die Regionalklassen bei der Kfz-Versicherung, die jährlich vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft neu berechnet werden und die Höhe der Versicherungsprämie im folgenden Jahr bestimmen.
Für Wildunfälle zuständig ist die Teilkasko (Klassen 1 bis 16), in der das Donau-Ries 2026 in Klasse 11 eingestuft wird. Kommt es zu keinem Umdenken auf den Straßen, werden die Zahlen der Wildunfälle wohl auch in den kommenden Jahren weiter steigen – ebenso wie die Einstufung in der Teilkasko. Die Polizei versucht dies durch ständige Aufklärung zu verhindern, ändern können es jedoch nur die Autofahrer. Oder wie Stephan Roßmanith bereits im Juli aus Polizeisicht ausdrückte: „Wir wissen nicht, was wir noch tun sollen.“
Diese Artikel ist bereits im blättle (Ausgabe 66 Januar/Februar 2026) erschienen. Hier E-Paper lesen: Zum Webkiosk