7. August 2021, 08:00
Pianist Antscho

Musik ist seine Lebensaufgabe

In Antschos Videos sind hauptsächlich seine Hände zu sehen, wie sie über die Klaviatur gleiten – immer in schwarz-weiß und mit seiner Armbanduhr an der rechten Hand. Bild: Antscho
Er will der erste Nördlinger mit einem goldenen YouTube Play Button sein: Pianist Antscho startet mit seiner Musik, die in keine Schublade passt, im Internet richtig durch. Seine Videos erreichen schon jetzt ein Millionenpublikum.

Do not go Ameli, La Vie Ne Ment Past, Balkan Piano, Kamavor: Das sind die Namen einiger von Antschos beliebtesten Videos auf YouTube, mit Millionen von Aufrufen. Zu sehen sind meist nur die Hände des Künstlers, aufgenommen in schwarz-weiß, wie sie elegant über die Klaviatur gleiten. Am rechten Handgelenk ist stets Antschos Markenzeichen zu sehen: Eine analoge Armbanduhr mit seinem Namen und Händen an einer Klaviatur, von ihm selbst designt.

Sein Stil ist vielfältig: Antscho spielt Weltmusik ohne eine bestimmte Richtung, einige Stücke sind entspannend, andere zum Tanzen, es gibt afrikanische Einflüsse, genauso wie chinesische und osteuropäische. 115 000 Abonnent*innen zählt sein YouTube-Kanal demnächst, die Videos wurden insgesamt über 53 Millionen Mal aufgerufen.

Musiker mit Leib und Seele

Musik ist für ihn die Aufgabe seines Lebens. Bild: Antscho

Antschos Liebe zur Musik begann in seinem fünften Lebensjahr, als er das alte Klavier in seinem Elternhaus für sich entdeckte. Das faszinierende Instrument wurde sein Spielzeug, er brachte sich selbst das Spielen bei, wobei ihn seine Künstler-Familie immer unterstützte. Eine Musikschule hat er nie besucht. Seinen YouTube-Kanal richtete Antscho bereits 2009 ein, 2016 begann er, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Großen Wert legt er auf die Authentizität seiner Musik: Antscho spielt all seine Lieder live in seinem heimischen Studio ein, er benutzt kein Sampling, keine Bearbeitungsprogramme. Wenn er einen Fehler macht, fängt er von vorne an, bis die Aufnahme passt. Auch alles weitere übernimmt er selbst, wie das Schneiden der Videos, das Aufzeichnen und Fotos machen.

Unterstützung bekommt Antscho aber auch manchmal, z.B. von befreundeten Fotograf*innen, von Familie, Freund*innen, Kolleg*innen und seinem Arbeitgeber. Denn noch kann er sich nicht allein über die Musik finanzieren, auch wenn das sein Langzeitziel ist.

Für Antscho kommt Musik vor den Noten

Seine Songs komponiert der Nördlinger selbst, das geht ihm leicht von der Hand. Etwa zwei neue veröffentlicht er pro Woche im Internet.Antscho spielt komplett nach Gehör, auf Noten verlässt er sich nicht. „Noten sind schön, aber was kam vorher, die Musik oder die Noten? – Die Musik! Musiker*innen bringen ihre Kreativität selbst ein“, meint der Pianist.

Seine wachsende Hörerschaft sieht er als Herausforderung an, sich immer wieder neu zu erfinden, sich Gedanken zu machen und kreativer zu werden. Ein neues Projekt, das er in Planung hat, sind Einschlaflieder für kleine Kinder. „Musik ist vielseitig einsetzbar“, sagt Antscho, sie sei wie Medizin.

Eigentlich steht er nicht gern im Mittelpunkt

Um seine Person macht Antscho kein großes Aufheben. So wie er sich in seinen Videos optisch zurückhält, so zögerlich ist er auch, wenn es um Werbeanfragen geht, die häufiger bei ihm ankommen. Ihn interessiert eben die Musik und für andere Leute zu spielen. Seine Mitmenschen sind ihm allgemein wichtig: Vor der Pandemie genoss er es zum Beispiel, sich in einer Hotellobby an das Klavier zu setzen und spontan loszuspielen, was immer für Begeisterung sorgte. An einem Nördlinger Wochenmarkt im vergangenen April konnte man Antscho dabei begegnen, wie er Rosen an ältere Passantinnen verschenkte. 

Wenn Corona es wieder zulässt, wird man den Nördlinger Pianisten wieder in seiner Heimatstadt sehen und hören können, bei regulären Auftritten und auch mit Straßenmusik, aber für den Moment bleibt der Fokus auf dem YouTube-Kanal. Mit dem will Antscho in jedem Fall einmal den Goldenen YouTube Play Button verdienen, den es für eine Million Abonnenten gibt. Die will er erreichen, indem er einfach das tut, was ihm am meisten gefällt: Musik zu machen. 

„Man hat immer eine Aufgabe im Leben, und meine ist Musik“, so der Künstler.

Antscho aus Nördlingen erreicht mit seinen Songs auf YouTube ein Millionenpublikum. Bild: Foto Hirsch