14. Januar 2021, 11:14

Große Nachfrage nach Tieren im Lockdown

Hündin Coocky ist einer von den Hunden im Tierheim Nördlingen. Sie ist etwas über drei Jahre alt und beißt leider zu, sobald sie angefasst wird. Bild: Tierheim Nördlingen
Der Lockdown sorgt bei vielen Menschen für viel Zeit. Und nicht wenige überlegen sich dabei, ob es nicht die richtige Zeit ist, sich ein Haustier anzuschaffen. Von einer großen Nachfrage und fragwürdigen Anfragen.

"Wir bekommen tagtäglich Anfragen, ob wir im Moment nicht Hundewelpen haben", schildert Manuela Kaußen die aktuelle Situation. "Die Leute rufen an und erzählen, dass sie aufgrund des aktuellen Lockdowns Zeit haben und sich die Langeweile gerne mit einem Hund vertreiben würden." Für die Leiterin des Nördlinger Tierheims ist das nicht verständlich. "Es ist eine Situation, die sich mit Weihnachten vergleichen lässt. Hier wird nur kurzfristig gedacht und eben nicht langfristig. Was ist, wenn der Lockdown vorbei ist," stellt Kaußen die Frage. Grundsätzlich ist der Ansatz allerdings richtig. "Ein Haustier braucht gerade zur Eingewöhnung viel Zeit und Aufmerksamkeit. Gerade Welpen müssen alle paar Stunden raus. Dafür ist die Zeit mit HomeOffice natürlich ideal. Aber ein Hund, vor allem Welpen, braucht nicht nur einen kurzen Blick auf zwei bis drei Monate, sondern auf zehn Jahre oder mehr." 

Im Moment sind im Nördlinger Tierheim nur wenige Hunde, die auf ein Zuhause warten. "Und es sind nicht die klassischen Familienhunde. Sie sind eher schwieriger und brauchen erfahrene Hundehalter. Wir verwehren uns schon seit Jahren gegen das Geschäft mit Welpen, die aus dem Ausland gerettet werden und dann in Deutschland verkauft werden. Das ist ein sehr dunkler Graubereich und in meinen Augen an der Grenze der Legalität angesiedelt," schildert Manu Kaußen weiter.  

Auch Katzen sind begehrt 

Im November lebten im Tierheim in Nördlingen noch mehr als sechzig Katzen im Tierheim. Mittlerweile ist die Zahl auf unter dreißig gesunken. "Auch hier hat die Nachfrage deutlich angezogen", schildert Manu Kaußen. "Hier ist eine Vermittlung auch einfacher und wir sind etwas kulanter. Dennoch prüfen wir auch hier, ob die Tiere gut vermittelt sind." Das funktioniert laut der Schilderung der Tierheimleiterin sehr gut. Vor allem, weil die Katzen nur mit der Auflage der Kastration vermittelt werden. Sind die Tiere ein halbes Jahr alt, müssen die Halter einen Nachweis über die Kastration bringen. Das ist im Normalfall eine Tierarztrechnung. 

Kommt der Rücklauf? 

In vergangenen Jahren war es immer so, dass im Januar und Februar Tiere im Tierheim abgegeben wurden, die als Weihnachtsgeschenke verschenkt wurden. "Leider gibt es hier auch immer wieder unbelehrbare Menschen", erzählt Kaußen. Eine Entwicklung, die mit dem Ende des Lockdowns auch drohen könnte. "Natürlich stellen wir uns dieser Problematik und sind uns dessen auch bewusst, dass es kommen wird. Allerdings gehen wir davon aus, dass die meisten Tierhalter verantwortungsvoll mit den Tieren umgehen und Lösungen finden, die nicht das Tierheim bedeuten", so Kaußen. "Gerade wenn die Tiere aus dubiosen Quellen stammen, gibt es immer wieder gesundheitliche Probleme, und hier sind Besitzer schnell überfordert. Darum muss man auch mit einem gewissen Aufkommen rechnen."