26. Oktober 2017, 07:51

Brilliant gespieltes Theaterstück vom DAS Theater Köln

Gisela Nohl in der Rolle der Tochter . Bild: Rudi Scherer/Stadt Nördlingen
Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe „Wochen der Demenz“ war erstmals in der vierjährigen Geschichte dieser Reihe eine Theateraufführung zu sehen.
Nördlingen - Das Experiment bzw. der Versuch haben sich gelohnt. Die Veranstaltungsreihe, initiiert und organisiert von vielen Gruppen im Stadtgebiet, wie Stadt Nördlingen, Diakonisches Werk Donau-Ries e. V., Liselotte-Nold-Schule, Altenheim St. Vinzenz, Bürgerheim Nördlingen und weitere Gruppen können zufrieden mit der Resonanz der Veranstaltungsreihe sein. Über 170 Besucher waren vom Theaterstück „Du bist meine Mutter“ begeistert, bewegt, fasziniert und unisono der Auffassung, einen grandiosen Theaterabend erlebt zu haben.
Gisela Nohl spielt Mutter und Tochter. Es ist ein leises, ein behutsames Stück, das mit der famosen Schauspielerin Gisela Nohl besetzt ist. Die Tochter fährt jeden Sonntag mit dem Zug ins Pflegeheim zu ihrer Mutter. Schon der Beginn, die Zugfahrt, die Gedanken, die die Tochter bewegen, stimmen auf die spätere Handlung ein. Im Pflegeheim werden Gegenwart und Vergangenheit immer mehr Eins. Berührend und unglaublich einfühlsam spricht die Tochter mit der Mutter, die oftmals Dinge und Sätze wiederholt und damit eindrucksvoll den fortschreitenden Verfall der Mutter skizzieren.
Dieses Doppelporträt auf die Bühne zu bringen, der Wechsel zwischen beiden Rollen in Gestik, Mimik und vor allem im Ton sind famos. Man sieht eine Person auf der Bühne und glaubt zwei Personen live zu erleben. Es sind die leisen Töne und die kleinen Gesten, die Mutter und Tochter unverwechselbar charakterisieren. Es sind die kleinen zum Schmunzeln anregenden Dialoge, über das gelebte Leben der Mutter und das Leben der Tochter, in das die Mutter noch mit ihren Forderungen und ihrer Meinung einwirkt. Es sind vor allem die bewegenden Momente, in denen Gisela Nohl die Mutter spielt, ihre Gebrechlichkeit fast spürbar erlebbar macht, unterstützt mit der behutsam eingesetzten Lichttechnik von Klaus Roth begeistert. Das Anschauen ist manchmal faszinierend komisch, aber immer bedrückend und aber bemitleidenswert – ein Wechselbad der Gefühle.
Eine großartige schauspielerische Leistung, eine unglaubliche Präsenz von Gisela Nohl als Mutter und Tochter, ein anrühriges, famoses Theaterstück das die Besucher pendeln lässt zwischen Zuschauen und dem Wissen, all dies so oder in ähnlicher Form erlebt zu haben bzw. zu erleben. Ein Theaterabend der die Zuschauer in den Bann zieht. 90 Minuten kaum ein Laut im Saal, 90 Minuten gebannte Stille und aufmerksame Zuschauer, die nach einer langen Zeit, an der das Licht zum Ende verlischt, langanhaltenden Beifall spenden. Verdienten Applaus für eine großartige Aufführung! Die Zuschauer sind berührt, fasziniert und fast schon dankbar, ein derartig in sich schlüssiges Theaterstück im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wochen der Demenz“ erlebt zu haben. (pm)