Wegen jeder Schraube oder anderem Heimwerkerbedarf mussten die Oettinger in den letzten Jahren immer weit fahren. Das ist bald vorbei. Die BGU aus Ansbach eröffnet mit dem „Versorgungswerk“ einen kleinen Ableger in Oettingen und gleichzeitig eine Premiere in Bayern.
Jahrelang war Leerstand in der Schloßstraße 48 in Oettingen. Nach dem Auszug und der Insolvenz des Schlecker-Marktes dort war die Fläche den großen Marken zu klein und den kleinen Boutiquen zu groß. In den Räumlichkeiten sind die Handwerker der BGU-Baufachmärkte aus Ansbach und Weißenburg gerade dabei einen Teil des Geschäftes fit für einen Neustart zu machen. Oettingen wird der erste Standort der BGU Marke „Versorgungswerk“, mit der der Ansbacher Baumarkt kleine Orte ohne Baumarkt oder Baudiscount mit den wichtigsten Werkzeugen und Materialen für Haus, Bau und Garten „versorgen“ will.
Smarte Lösung für die Nahversorgung im ländlichen Raum
Auf bis zu 300 Quadratmetern können die Kunden zwischen den wichtigsten Schrauben, Farbe, Werkzeugen, Elektrozubehör, aber auch Lampen, Deko und verschiedenen Saisonartikel wählen. Das Besondere: Der Store ist komplett ohne Personal aufgebaut. Zutritt erhalten die Kunden ohne vorherige Anmeldung über ihren Personalausweis, der an einen Leser gehalten wird. Daraufhin öffnet sich die Türe und die Kunden können die gewünschten Waren selbst aussuchen und an einer sogenannten „Self-Checkout“-Kasse einscannen und mit EC-Karte bezahlen.
Das BGU-Team nutzt dabei eine eigentlich bereits gut funktionierende Technik. „Wir kennen die Smartstores von den Bauernhöfen oder aus anderen Bundesländern von verschiedenen 24/7 Konzepten, die gut funktionieren“, sagt Geschäftsführer Daniel Stiegler. „Bisher gab es noch keine vergleichbaren Projekte mit Baumarktprodukten in Bayern aber wir sind sicher, dass das gerade für den ländlichen Bereich ein wichtiger Schritt für mehr Nahversorgung sein kann.“
Ladenschlussgesetz: Bayern erlaubt nur Sortimente wie in den 80ern
Eigentlich wollte die BGU den Store ebenfalls 24/7 zugänglich machen. Allerdings hat das bayerische Ladenschlussgesetz Baumarktsortimente von der 24/7 Regelung explizit ausgeschlossen. Nur Supermarktsortimente dürfen so angeboten werden, auch wenn diese längst ständig auch Schrauben oder Bohrmaschinen im Angebot haben. Stiegler: „Erlaubt sind nur Sortimente von Supermärkten, die wir als Kinder aus den 80er Jahren kennen“. Somit darf der neue Mini-Baumarkt in Oettingen lediglich von Montag bis Samstag von 6 bis 20 Uhr geöffnet haben.
Außerhalb dieser Öffnungszeiten will die BGU in einem vorderen Bereich dann aber doch noch einen echten 24/7-Store anhängen. Wenn die Schrauben und Farben ab 20 Uhr nicht mehr verkauft werden dürfen, dann trennen Rollläden den Baumarkt von einem kleinen Bereich für Last-Minute- und „Hab ich vergessen“-Lebensmitteln ab, wie Stiegler sie nennt.
Eröffnung Ende Juli geplant
Dazu gehören dann Sortimente wie Nudeln, Getränke aber auch Toilettenpapier oder Hygieneartikel. Die Eröffnung des „Versorgungswerkes“ ist bereits Ende Juli geplant. Sollte 2026 das Projekt erfolgreich sein, werden weitere Standorte folgen. Für den Standort Oettingen sind noch weitere Ausbaustufen möglich – so wäre in den Räumlichkeiten auch ein smarter Geräteverleih oder weitere Sortimente machbar. Und alles, was nicht in den Laden passt, will das Unternehmen an drei Tagen die Woche auch im Raum Oettingen liefern. (dra)