Die Geburt des eigenen Kindes gehört für Eltern zu den prägendsten Momenten in ihrem Leben. Sie steht für einen Neuanfang, für das Entstehen einer Familie. Viele
werdende Eltern wünschen sich deshalb, diesen besonderen Tag möglichst selbstbestimmt und intensiv erleben zu können. Um diesen Wunsch stärker zu berücksichtigen, bietet das Stiftungskrankenhaus Nördlingen seit April 2026 die sogenannte sanfte Kaisergeburt an. Bisher konnten werdende Eltern bei einem
herkömmlichen Kaiserschnitt die ersten Schreie ihres Kindes lediglich hinter dem Tuch wahrnehmen. Über zwei Jahre hinweg hatten Dr. Kiriakos Savvidis, Chefarzt der Nördlinger Frauenklinik, gemeinsam mit Sebastian Hehenberger, Leiter des OP-Pflegedienstes, die Entwicklung eines speziellen Sichttuchs verfolgt. Ihr Ziel: Auch bei einer operativen Geburt für die werdenden Eltern ein möglichst intensives und aktives Geburtserlebnis schaffen.
Aktive und selbstbestimmte Geburt
Der Unterschied zur klassischen Kaiserschnitt-Geburt liegt vor allem im Erleben des Geburtsmoments. Während Eltern bei einem herkömmlichen Kaiserschnitt die Geburt häufig eher passiv wahrnehmen, ermöglicht die sanfte Kaisergeburt eine aktivere Beteiligung. Das neu entwickelte OP-Tuch verfügt über ein Sichtfenster sowie eingearbeitete Ärmel zum Durchgreifen. So können die Eltern die Geburt ihres Kindes sehr viel bewusster mitverfolgen und der OP-Bereich bleibt dennoch steril. Unterstützt durch das medizinische Team im Operationssaal können Eltern auf Wunsch sogar eingebunden werden: Sie haben die Möglichkeit, ihr Baby selbst aus dem Bauch entgegenzunehmen oder die Nabelschnur durchzutrennen. Die Angst davor, bei der Kaisergeburt den geöffneten Bauch zu sehen, kann Dr. Kiriakos Savvidis jedoch nehmen.
Durch das spezielle OP-Tuch werden keine chirurgischen Details sichtbar. Zwar gehören wie auch bei einer natürlichen Geburt Blut und Flüssigkeiten zur Geburt dazu, im Mittelpunkt steht für die Eltern jedoch vor allem der besondere Moment, wenn ihr Kind das Licht der Welt erblickt.
Nördlinger Frauenklinik ist Vorreiter
Am 14. April 2026 wurde diese besondere Form des Kaiserschnitts erstmals in Nördlingen durchgeführt. Damit ist das Stiftungskrankenhaus die erste Klinik in Bayern und erst die zweite in Deutschland, die dieses Verfahren mit einem speziellen OP-Tuch anbietet. „Wir möchten auch bei einer operativen Geburt ein möglichst
intensives Geburtserlebnis schaffen“, sagt Kiriakos Savvidis. Die erste Familie, die sich für eine Kaisergeburt in Nördlingen entschied, blickt laut Savvidis sehr positiv auf die Geburtserfahrung zurück. Auch nach der Geburt stehen die Eltern weiterhin mit dem Chefarzt in Kontakt. Ihre Rückmeldung sei durchweg positiv gewesen. Sie würden sich jederzeit wieder für diese Form der Geburt entscheiden.
„Kaiserschnitte werden, im Gegensatz zu normalen Geburten, oft kaum oder nur passiv von den werdenden Eltern wahrgenommen. Wir wollten es unseren Patientinnen ermöglichen auch bei einem Kaiserschnitt, den Moment der Geburt ihres Kindes, aktiv mitzuerleben. Auf diese Weise kommen wir dem Wunsch vieler Eltern,
nach mehr Nähe und Beteiligung bei operativen Geburten nach“, so Chefarzt K. Savvidis.
Grundsätzlich sollen laut Dr. Kiriakos Savvidis Frauen, die sich für einen Kaiserschnitt entscheiden oder bei denen aus medizinischen Gründen ein Kaiserschnitt notwendig wird, über die Möglichkeit einer Kaisergeburt informiert werden. Allerdings komme diese Form der Geburt nicht in jedem Fall infrage. „Die Sicherheit von Mutter und Kind hat immer oberste Priorität“, sagt der Chefarzt. Ob eine sanfte Kaisergeburt möglich ist, wird deshalb im Rahmen der Geburtsplanung individuell mit den werdenden Eltern besprochen. Für Dr. Savvidis stellt die sanfte Kaisergeburt eine besondere Möglichkeit dar, Eltern ein intensiveres Geburtserlebnis zu ermöglichen. Zudem können Frauen selbstbestimmter die operative Geburt wahrnehmen. Werdende Eltern sollen auch einen Kaiserschnitt als schöne und emotionale Geburt erleben können, die einer natürlichen Geburt in nichts nachstehen muss und ebenso positiv in Erinnerung bleibt.