Handwerk

Licht und Schatten zum Ausbildungsstart im Donau-Ries

Symbolbild. Bild: pixabay
Der Start in das neue Ausbildungsjahr hält für die Handwerkerinnung positive Zahlen bereit. Dennoch stehen Ausbildungsbetriebe vor einer Herausforderung, wie die noch offenen Stellen zeigen.

Am 1. September hat traditionell das neue Ausbildungsjahr begonnen, was für viele Jugendliche im Donau-Ries auch den Start in einen neuen Lebensabschnitt bedeutet. Aber nicht nur für die neuen Auszubildenden hat dieses Datum Bedeutung, auch die Unternehmen selbst müssen die Zukunft planen. „Ausbildung ist für uns weit mehr als der Einstieg ins Berufsleben. Sie ist ein wichtiger Beitrag zur Zukunft unseres Unternehmens und zur Entwicklung junger Menschen in der Region“, betonte Matthias Thienel, Geschäftsführer der Destilla GmbH, bei der Begrüßung der vier neuen Azubis im eigenen Betrieb.

Laut Agentur für Arbeit Donauwörth waren von regionalen Unternehmen 1.703 Ausbildungs- und duale Studienplätze gemeldet worden. Im Zeitraum von Oktober 2025 bis August 2026 hatten sich insgesamt 900 Interessenten für eine Ausbildungsstelle oder einen dualen Studienplatz bei der Berufsberatung beworben. Davon sind noch 62 Interessenten auf der Suche nach einer passenden Stelle. 492 Ausbildungs- und duale Studienplätze sind bei der Agentur für Arbeit noch als frei eingetragen.

Mehr Stellen als Bewerber, aber ein guter Trend

Dass das Angebot die Zahl der potenziellen Azubis im Landkreis übersteigt, weiß auch Christoph Schweyer von der Handwerkerinnung Nordschwaben. Grundsätzlich sei das Handwerk im Donau-Ries als sehr ausbildungsstark einzustufen, zusätzlich werde das Ausbildungsengagement sogar noch ausgebaut. Daher bestehe die Herausforderung nicht darin, „Ausbildungsplätze zu schaffen, sondern Jugendliche für diese Plätze zu gewinnen und beide Seiten passgenau zusammenzubringen“. Denn der daraus folgende Fachkräftemangel kann Auswirkungen auf die Zukunft haben - unter anderem längere Wartezeiten für Kunden und als Hemmnis für die wirtschaftliche Entwicklung.

Aber man ist im Handwerk auf dem richtigen Weg. „Der Aufwärtstrend hält jetzt zum zweiten Mal in Folge an und es haben wieder mehr eine Ausbildung im Handwerk begonnen“, weiß Schweyer zu berichten. Der Abwärtstrend, der bis 2023 angehalten hatte, scheint damit zumindest aktuell gebrochen zu sein. Waren es 2016 noch rund 800 Auszubildende über alle Lehrjahre, ging die Zahl bis 2023 kontinuierlich nach unten. Damals waren es noch 720. „2026 lagen wir dann wieder bei 763 Auszubildenden über alle Lehrjahre.“

Unterschiede in der Berufswahl bei Frauen und Männern

Dennoch betont Schweyer: „Der Bedarf an Nachwuchs im Handwerk ist weiterhin hoch, und das quer durch alle Bereiche.“ Zumal die verschiedenen Branchen mit unterschiedlichem Zuspruch zu kämpfen haben. Laut Handwerksinnung sind Ausbildungen zum Kfz-Mechatroniker, Elektroniker und Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK) die beliebtesten Berufe. Bei der Agentur für Arbeit steht der Medizinische Fachangestellte an Nummer eins, gefolgt von Kaufmann oder Kauffrau für Büromanagement und Industriemechaniker.

Dabei weisen Frauen und Männer jedoch einen deutlichen Unterschied auf. Bei Frauen stehen Medizinische Fachangestellte, Kauffrau für Büromanagement und Industriekauffrau auf dem Podium, während Männer Industriemechaniker, Kfz-Mechatroniker und Fachinformatiker bevorzugen. Bei den Frauen hat damit die Medizinische Fachangestellte die Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement vom Thron gestoßen, bei den Männern hat sich nicht viel geändert. „Kfz war schon immer und bleibt Dauerbrenner“, berichtet auch Schweyer von der Handwerksinnung, weist aber auf eine Veränderung in Wirtschaft und Gesellschaft hin, die sich auch in der Ausbildung niederschlägt. „Elektro und SHK haben durch die Energiewende an Bedeutung gewonnen.“ Und auch regionale Maßnahmen zeigen Wirkungen: „Auch Zimmerer und Schreiner haben durch den Neubau des Holzzentrums in Donauwörth haben an Bedeutung gewonnen.“

Ausbildungsstart auch nach dem 1. September möglich

Auf der anderen Seite der Beliebtheitsskala stehen bei Jugendlichen das Lebensmittelhandwerk, Maurer und Metallbauer. Auch die Agentur für Arbeit weist in diesen Bereichen noch offene Stellen auf. Aber in anderen Bereichen besteht ebenfalls noch die Chance auf einen Ausbildungsplatz. Überhaupt weisen Agentur für Arbeit und Handwerkerinnung darauf hin, dass auch nach dem 1. September weiterhin die Möglichkeit besteht, eine Ausbildung zu beginnen.

Unter anderem bietet die Arbeitsagentur hierfür Beratungsmöglichkeiten an, zudem gibt es die Möglichkeit einer Einstiegsqualifizierung (EQ). Dabei handelt es sich um ein Langzeitpraktikum, das Jugendlichen einen Weg in eine betriebliche Ausbildung bietet.

Ein Weg, der sich laut Christoph Schweyer lohnt: „Ein Start im Oktober oder gegen Ende des Jahres ist problemlos möglich. Und die Karriere- und Zukunftschancen im Handwerk sind besser denn je. Die KI wird kein Handwerk so schnell ersetzen.“

Redakteur. Unterwegs für blättle und online. Geboren in Augsburg ist er über Freiburg, Wien und München endlich im schönen Donau-Ries angekommen. Hier hat er besonders die Themen Kunst, Kultur, Geschichte und Sport im Blick.

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