Alte Apfelsorten richtig lagern

Die Kunst, Äpfel haltbar zu machen

Bild: Jennifer Wimmer
Ernst Christ aus Oettingen beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit alten Apfelsorten. Seine Leidenschaft gilt dabei nicht nur den besonderen Früchten selbst, sondern auch der Frage, wie sie richtig gelagert werden.

Wer alte Apfelsorten bewahren möchte, braucht Zeit, Geduld und manchmal auch ein wenig Tüftelei. Einer, der sich damit bestens auskennt, ist Ernst Christ aus Oettingen. Der 79-Jährige hat sich über viele Jahrzehnte intensiv mit Äpfeln beschäftigt. Mehr als 40 Jahre lang bewirtschaftete er in Oettingen einen Garten mit einem großen Bestand an Apfelbäumen und lernte dabei die unterschiedlichsten alten Sorten kennen. Irgendwann stellte sich für ihn eine entscheidende Frage: Wie lassen sich Äpfel so lagern, dass sie den Winter über haltbar bleiben und genau dann genussreif sind, wenn ihre Zeit gekommen ist?
Die perfekte Lösung dafür hat Christ nicht einfach irgendwo gefunden. Er hat sie sich selbst erarbeitet. Über viele Jahre hinweg tüftelte er an der richtigen Lagerung, probierte verschiedene Möglichkeiten aus und musste dabei auch so manchen Rückschlag verkraften. Mal kamen die Mäuse an seine Äpfel, mal schimmelten die Früchte. Doch Ernst Christ gab nicht auf: Aus jedem Versuch nahm er neue Erkenntnisse mit und entwickelte seine Idee weiter. Schließlich entstand ein eigenes Apfellager, das seinen Vorstellungen von der perfekten Lagerung entspricht.

Der Teufel steckt im Detail

Die Abstände zwischen den Brettern sind beispielsweise so gewählt, dass Mäuse nicht hindurchkommen. Gleichzeitig muss die Luft im Lager zirkulieren können. Dafür sorgen Lüftungslöcher im unteren Bereich des Apfellagers. Auch hier hat Christ vorgesorgt: Die Öffnungen sind mit einem Gitter gesichert, damit keine Tiere von unten an die wertvolle Ernte gelangen.

Nach einem ersten Prototyp baute der pensionierte Lehrer schließlich ein größeres Modell. Und damit ist seine Tüftelei noch nicht beendet: Aktuell entsteht ein weiteres Apfellager, das künftig vor der Montessori-Schule in Oettingen stehen soll. Auf dem Dach sollen sich sogar Solarmodule befinden, die sich automatisch nach der Sonne ausrichten. 

Die Idee hinter seinem Apfellager: Alte Apfelsorten sollen nicht in Vergessenheit geraten, sondern genutzt und wertgeschätzt werden. Denn viele Sorten entfalten ihren besonderen Geschmack erst nach einer gewissen Lagerzeit. Der Boskop-Apfel wird erst ab Januar richtig gut, die Sorte „Brettacher“ sogar erst ab Februar oder März. Wer die Äpfel richtig lagert, kann deshalb weit über die Erntezeit hinaus regionale Früchte genießen. „So habe ich bis Mai Äpfel aus meinem eigenen Garten“, erzählt Christ. Seine wichtigste Erkenntnis aus den vielen Jahren des Ausprobierens: Äpfel mögen es kalt und feucht. Ein gewöhnlicher Keller ist deshalb nicht unbedingt der ideale Ort, da die Luft dort häufig zu trocken ist. Christ stellt daher sein Apfellager an einen geschützten Ort im Garten. Auch ein Platz auf dem Balkon ist möglich. Sinken die Temperaturen unter minus 10 Grad, sollten die Äpfel allerdings ins Haus geholt werden. Bis zu dieser Temperatur können sie gut im Freien gelagert werden. Damit möglichst viele Menschen von seinen Erfahrungen profitieren können, möchte Christ seine Apfellager künftig als Bausätze anbieten. Sein Ziel ist es, sein Wissen um die richtige Lagerung weiterzugeben und damit auch die Wertschätzung für alte Apfelsorten zu stärken. Denn für Christ gehört beides zusammen: Wer weiß, wie eine alte Sorte richtig gelagert wird und welchen Geschmack sie entwickeln kann, lernt sie auch ganz anders zu schätzen. Und natürlich hat der leidenschaftliche Apfelfreund auch eine persönliche Lieblingssorte: die Goldparmäne. Optisch sei sie vielleicht nicht die beeindruckendste, sagt Christ. Dafür überzeugt sie geschmacklich umso mehr: fein, saftig und keinesfalls mehlig.

Redakteurin. Recherchiert und schreibt für online und im blättle. Immer unterwegs, ob bei einer politischen Diskussion, einem Unfall oder im Eins-zu-eins Gespräch mit ihren Interviewpartnern. Zimmerpflanzenbeauftragte im Redaktionsbüro. Steht in ihrer Freizeit auf dem Tennisplatz.
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