Die Sanierung des Gymnasiums Donauwörth wird zur zunehmend zur finanziellen Herausforderung für den Landkreis. Für den fünften Bauabschnitt, den sogenannten gelben Flügel, der direkt an der Ecke "Goethestraße - Adalbert-Stifter-Str." liegt, waren bislang 5,5 Millionen Euro eingeplant. Inzwischen liegen die Kostenschätzungen jedoch deutlich darüber. Grund dafür seien laut Joachim Aurnhammer, Fachleitung des Kommunalen Hochbaus am Landratsamt Donau-Ries, u.a. bauliche Mängel, die im Zuge der vertieften Planung sichtbar wurden. Im Bauausschuss des Kreistags wurde am Montag deshalb eine komplett neue Sanierungsvariante diskutiert.
Untergeschoss als potenzieller Lagerraum
Diese soll rund 7,2 Millionen Euro kosten. Gegenüber der umfassenderen Sanierung ließen sich damit rund 1,5 Millionen Euro einsparen. Zur Wahrheit gehöre laut Aurnhammer allerdings auch, dass es sich dabei um eine „abgespeckte Variante“ handle.
Was das konkret bedeutet: Im Vergleich zum ursprünglichen Planungsentwurf aus dem Jahr 2019 soll das Untergeschoss künftig nur noch eingeschränkt als Lagerfläche dienen. Aufwendige Arbeiten an Böden und Oberflächen entfallen, Leitungen werden teilweise sichtbar verlegt. Auch eine Lüftungsanlage im Keller und im Erdgeschoss ist nicht vorgesehen. Die Zeichensäle würden dadurch ins Erdgeschoss ziehen, Computerräume teilweise in andere Gebäudeflügel verlegt.
„Nach unserer Einschätzung sind diese Einschnitte vertretbar, weil das Gymnasium bereits nahe an der Obergrenze der förderfähigen Fläche liegt“, erklärt Aurnhammer. Offen ist noch, ob auf das geplante barrierefreie WC im Treppenhaus verzichtet werden kann. Dazu steht die Abstimmung mit dem Behindertenbeauftragten aus. Auch der Brandschutznachweis liegt bislang nur auf Konzeptniveau vor.
Kompletter Neubau finanziell kaum umsetzbar
Neben der günstigeren Variante zwei wurde im Vorfeld außerdem die Möglichkeit eines Neubaus untersucht. Die Verwaltung schätzt die Kosten überschlägig auf neun bis zehn Millionen Euro brutto. Hinzu kämen rund 400.000 Euro für bereits angefallene Planungskosten, die nicht weiterverwendet werden könnten. Da die Planungsleistungen neu ausgeschrieben werden müssten, wäre außerdem mit mindestens zwei Jahren Verzögerung zu rechnen.
Damit würde das Projekt in den gleichen Zeitrahmen wie der Ersatzneubau der FOS/BOS und die Generalsanierung der Abt-Ulrich-Schule in Kaisheim fallen. Ein Investitionsvolumen, dass so vom Landkreis kaum darstellbar sei, wie Kreiskämmerer Martin Müller bestätigte. Dabei verwies er auf die schwierigen Rahmenbedingungen für die Haushaltsjahre 2027 und 2028. Jede Maßnahme müsse auf Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit geprüft werden, so Müller.
Unterschiedliche Einschätzungen im Ausschuss
Nördlingens Oberbürgermeister David Wittner unterstützte die Suche nach Einsparmöglichkeiten. „Wenn wir nicht bereit sind, von unseren Standards runterzugehen, dann fehlt mir ein bisschen die Fantasie, wie wir einen vernünftigen und tragfähigen Haushalt hinkriegen wollen“, sagte er mit Blick auf die anstehenden Haushaltsberatungen. Ähnlich bewertete die aktuelle Situation Barbara Wunder (PWG): "Wir sind auf kommunaler Ebene in einer neuen finanziellen Realität angekommen. Darauf müssen wir uns einstellen.“
Andere Ausschussmitglieder - darunter Franz Ost (CSU) und Albert Riedelsheimer (Bündnis 90/Die Grünen) sprachen sich für eine umfassendere Sanierung aus. Sie warnten davor, bei Standards und Energieeffizienz zu große Abstriche zu machen. Landrat Michael Dinkelmeier verwies hingegen auf den konkreten Sanierungsbedarf und die Erwartungen der Schule selbst: Demnach sei es den Verantwortlichen sehr wohl bewusst, dass angesichts der finanziellen Situation nicht alles umgesetzt werden könne, wie zunächst geplant. Entscheidend sei, dass ein funktionales Gebäude entsteht, in dem guter Unterricht möglich ist.
Finanzierung und endgültige Entscheidung noch offen
Bei geschätzten Kosten von rund 7,2 Millionen Euro fehlen gegenüber den bislang eingeplanten 5,5 Millionen Euro weitere 1,7 Millionen Euro. Diese sollen bis 2029 zusätzlich in die Finanzplanung aufgenommen und finanziert werden. Wie die Lücke konkret geschlossen werden kann, soll im Zuge der Haushaltsberatungen geklärt werden.
Ein Baubeginn im Sommer 2027 wäre nach Einschätzung der Verwaltung damit weiterhin möglich. In einer nachfolgenden Abstimmung sprach sich der Bauausschuss mit fünf Gegenstimmen für eine Weiterverfolgung der Variante 2 aus. In einem nächsten Schritt muss jetzt allerdings zunächst die Entwurfsplanung abgeschlossen und eine belastbare Kostenberechnung erstellt werden. Alle weiteren Entscheidungen - darunter die Freigabe der finalen Entwurfsplanung - werden dann in den entsprechenden Kreisgremien getroffen.