Traditionell gilt der südlichere Landkreis Donau-Ries als echte Faschingshochburg. Der CC Bäumenheim, die IFD Donauwörth und die Blaumeisen Huisheim sind nur drei von zahlreichen Faschingsvereinen, die mit ihren Garden auch überregional Erfolge feiern konnten. Was dabei oft unterschlagen wird: Seit vielen Jahren wird auch in und um Nördlingen Fasching gefeiert.
Jüngstes Beispiel: Am 11. November 2025 fand um 17:11 Uhr in Nördlingen zum ersten Mal ein Rathaussturm statt. Die Idee dazu hatte Pfarrer Benjamin Beck. Gemeinsam mit den Organisatoren des Blaulichtballs, der Faschingsgarde Baldonia aus Baldingen, den „Vom Riegelberg Gugga“ sowie Mitgliedern der Kol pingsfamilie wurde die Idee schließlich in die Tat umgesetzt.
Auch Oberbürgermeister David Wittner ließ sich den Spaß nicht nehmen: „Wenn Nördlingen etwas kann, dann Geschichte schreiben – und heute schreiben wir unser erstes närrisches Kapitel.“ Zuvor erinnerte er an alte Nördlinger Bräuche wie das Bärenstechen der Lederer oder das „Verifest“ der Loder, die einst das Faschings treiben der Stadt prägten. Passend dazu legten ihm die Narren eine Wurstkette um den Hals, bevor er den goldenen Rathausschlüssel an „Königin“ Verena Siegel vom Blaulichtball übergab.
Der Blaulichtball feiert sein 40-Jähriges Jubiläum
Was heute kaum mehr jemand weiß: In den 60er- und 70er-Jahren wurde auch in Nördlingen Fasching gefeiert – und zwar recht promi nent. Viele verschiedene Vereine – darunter auch die vier Blaulichtor ganisationen Polizei, Feuerwehr, THW und Rotes Kreuz – veranstalte ten damals ihre eigenen Bälle. Im Jahr 1986 fand dann erstmals der beliebte Blaulichtball statt.
Werner Siegel, der aktuell für die Organisation mitverantwortlich ist, erklärt: „Während zahlreicher gemeinsamer Einsätze wurde die Bindung innerhalb der Blaulichtfamilie immer enger. Schnell war der Gedanke geboren, dass man gemeinsam einen Faschingsball veranstalten könne. Das war quasi die Geburtsstunde des Blaulicht balls.“ 2026 feiert der Ball nun sein 40-jähriges Jubiläum – und ein Blick auf die Ticketnachfrage zeigt deutlich: Der Blaulichtball ist beliebt wie eh und je. „Rund 360 Gäste passen ins Klösterle. Bereits nach gut 24 Stunden waren alle Tickets vergriffen“, bestätigt Siegel.
Fasching aus Nördlingen für Nördlingen
Das Besondere: Das Organisationsteam mit rund 40 Personen ist komplett in Eigenregie für das Programm verantwortlich. Garden und Büttenredner von außerhalb sucht man hier vergebens. Rollen und Texte stammen allesamt aus eigener Feder. Einen zweiten Boden bzw. eine zweite Chance für den ersten Eindruck gibt es beim Blau lichtball nicht. Alles ist live und wird auch nur ein einziges Mal aufgeführt.
Für die Mitglieder wird zwar ein Video vom Abend produ ziert, der Inhalt ist der Öffentlichkeit jedoch nicht zugänglich. Damit scheint auch das Erfolgsgeheimnis schon erklärt: Hier wird Fasching von Nördlingern für Nördlinger gemacht. Lokalpolitiker werden dabei genauso parodiert wie Alltagsszenarien aus der Riesmetropole.
Großer Organisations- und Rechercheaufwand
Weil all das mit viel Zeit und Recherche verbunden ist, wird bereits ab September aktiv mit der Planung begonnen. Die Stoffsammlung läuft das ganze Jahr über. „Wir sichten Social Media, und mein Vater sammelt beispielsweise alle Zeitungsartikel, die irgendwie relevant sein könnten. Letztendlich beginnt alles mit einem leeren Blatt Papier. Das muss erst einmal mit Material gefüllt werden“, so Siegel.
Er selbst ist – wie viele seiner Mitverantwortlichen – im Umfeld des Blaulichtballs groß geworden und war sofort Feuer und Flamme. Seine erste kleine Nebenrolle auf der Bühne spielte er mit 13 Jahren, als ein paar Jungs als Statisten gesucht wurden; mit 18 kam dann die erste Hauptrolle. Da trifft es sich umso besser, dass auch seine Frau Verena seit jeher faschingsbegeistert ist. (dra)
Diese Artikel ist bereits im blättle (Ausgabe 66 Januar/Februar 2026) erschienen. Hier E-Paper lesen: Zum Webkiosk