1. September 2021, 09:00
Interview

Ulrich Lange (CSU) im BundestagsWAHLcheck

Ulrich Lange (CSU) ist seit Herbst 2009 im Bundestag. Auch in diesem Jahr stellt er sich wieder zur Wahl. Bild: Peter Herzig
Ulrich Lange (CSU) gehört seit 2009 dem Deutschen Bundestag an. Auch in diesem Jahr tritt der 52-jährige Nördlinger wieder an. Vor der Wahl stand er uns Rede und Antwort.

Wie würden Sie sich entscheiden? Beantworten Sie uns doch diese entweder/oder-Fragen

1. Lieber die Pkw-Maut für Ausländer einführen oder Markus Söder als Kanzlerkandidat? 

Markus Söder als Kanzlerkandidat 

2. Veganer Brunch mit Annalena Baerbock von den Grünen oder auf ein Bier mit Dietmar Bartsch von den Linken? 

Ich würde den veganen Brunch bevorzugen; ihn schätze ich bunt und spannend ein. 

Keine halben Sätze! Bitte vervollständigen Sie die folgenden Aussagen:

3. In der nächsten Legislaturperiode ist die größte Herausforderung … 

… der Neustart nach der Bewältigung der Pandemie, die Weiterentwicklung wertvoller Erkenntnisse aus der Krise und Perspektiven schaffen für eine gute Zukunft in einem stabilen Deutschland. 

4. Was unser Wahlkreis am meisten braucht, ist … 

... die Sicherstellung der guten medizinischen und pflegerischen Versorgung, vielfältige Familienfreundlichkeit, eine leistungsfähige Digital- und Verkehrsinfrastruktur. Und: mehr interkommunales Miteinander. 

5. Die Union ruft in ihrem Wahlprogramm ein „Modernisierungsjahrzehnt für unser Land“ aus. Gesteht man damit nicht ein, dass verschiedene Entwicklungen in den letzten 16 Jahren unionsgeführter Regierung verpasst wurden? 

Wir stehen vor einer neuen Zeit. Politisch endet mit der Amtszeit von Angela Merkel eine Ära. Wirtschaftlich verändern Klimaschutz, Digitalisierung und Globalisierung grundlegend die gewohnten Voraussetzungen für Wohlstand und Wachstum. Gesellschaftlich erleben wir einen Wandel der Arbeitswelt mit dem Wunsch nach mehr Flexibilität, nach Chancengleichheit von Frauen und Männern sowie nach Verwirklichung möglichst vielfältiger Lebensmodelle. Diese Entwicklungen erfordern Anpassungen, bringen neue Chancen, erzeugen aber auch Spannungsfelder.  

CDU/CSU wollen das 2020er Jahrzehnt prägen und gestalten – mit einer Politik der neuen Balance zwischen Wirtschaftskraft und Klimaschutz, zwischen jetzigen und kommenden Generationen, zwischen Familie und Beruf, zwischen Fortschritt und Tradition, zwischen Globalisierung und Verantwortung, zwischen Migration und Integration. Andere Parteien wollen diese vermeintlichen Gegensätze gegeneinander ausspielen, wir wollen sie verbinden. 

6. Laut Umweltbundesamt halten 65 Prozent der Deutschen den Umwelt- und Klimaschutz für sehr wichtig. Der Klimawandel wurde schon als größte Herausforderung der Menschheitsgeschichte bezeichnet. Warum steht das Thema im Unionsprogramm nicht an erster Stelle? 

Das Thema „Klima“ durchzieht die ersten drei Kapitel des CDU/CSU-Wahlprogramms. Wir wollen den internationalen Klimaschutz vorantreiben, arbeiten weiter an einem nachhaltigen Europa und wollen Deutschland mit nachhaltigem Wachstum zu einem klimaneutralen Industrieland erneuern. Klima, aber auch Umwelt und Nachhaltigkeit sind zudem Querschnittsthemen, die sich in vielen Teilen des Programms wiederfinden. Gleichwohl sind CDU und CSU weder monothematischen Parteien noch nehmen sie Themenpriorisierungen vor. Die Union denkt die großen Zukunftsthemen zusammen. Die Union ist die Partei der neuen Balance. 

7. Das Durchschnittsalter der Unionsmitglieder ist mit 61 das höchste in der deutschen Parteienlandschaft, der größte Teil der Wähler*innen ist 60 Jahre und älter. Warum macht sich die Union nicht attraktiver für junge Menschen? 

Im CSU-Kreisverband Donau-Ries liegt das Durchschnittsalter der Mitglieder bei 58 Jahren. Im Landkreis ist die Junge Union die größte aktive politische Jugendorganisation mit derzeit 17 Ortsverbänden. Erst vor Kurzem gab es Neugründungen in Harburg, Mertingen und der Region Lech-Schmuttertal. Und auch die Aktivitäten der JU sind unübersehbar, wie zuletzt die Pfandring-Aktion der JU Nördlingen. Übrigens hat Ende Juni "Der Spiegel" von einer regelmäßigen „Teengeist“-Umfrage berichtet, wonach aktuell 26 Prozent der befragten jungen Menschen im Alter von 16 bis 24 für die Union stimmen würden. Damit liege CDU/CSU 6 Prozentpunkte vor den Grünen. Unattraktiv sieht anders aus. 

8. CDU und CSU wollen unter anderem mit digitalen Anwendungen den ländlichen Raum smart machen, die Rede ist von „Digitalen Dörfern“: Wie kann man sich das vorstellen, und wie können die Dörfer im Donau-Ries davon profitieren? 

Unser vorrangiges Ziel für die Digitalisierung im ländlichen Raum ist es, eine leistungsfähige Glasfaser- und Mobilfunkinfrastruktur zu errichten. Homeoffice und Homeschooling müssen auch auf dem Land überall unproblematisch möglich sein. Hierzu laufen milliardenschwere Förderprogramme, für die man aber auch in der nächsten Legislaturperiode noch einen langen Atem braucht. Infrastrukturausbau ist kein Sprint auf der Kurzstrecke. Der im Telekommunikationsgesetz geschaffene Rechtsanspruch auf einen Anschluss an schnelles Internet muss nun konsequent umgesetzt werden.  

Neben dem Netzausbau möchten wir mit den „Digitalen Dörfern“ in Modellprojekten digitale Anwendungen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenfassen und vor Ort nutzbar machen. Hierzu gibt es bereits erste Ansätze bspw. der Austausch der Bürger untereinander über lokale Themen, der in einer App der Gemeinde ermöglicht wird. Das soll noch deutlich ausgeweitet werden. 

9. Welche Frage wurden Ihnen hier nicht gestellt, auf die Sie gerne antworten wollen? 

Wo wird ganz praktisch sichtbar, dass der Bund sich auch für unseren ländlich geprägten Wahlkreis einsetzt? Der Bund unterstützt, fördert und bezuschusst mit vielfältigen Programmen unzählige Projekte im gesamten Bundeswahlkreis. Für den Landkreis Donau-Ries nur drei Beispiele: Allein der Bund fördert den Nördlinger Varta-Standort mit rund 70 Millionen Euro. In Donauwörth läuft der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs (43 Millionen Euro), die Gebäudesanierung (4 Millionen Euro) kommt und die Aussichten auf das 10-Millionen-Euro-Projekt „Durchstich zum Airbus-Werk“ sind sehr gut. Und in Oettingen wird die Sanierung des Hotels Krone mit knapp 10 Millionen Euro bezuschusst.

Damit der Bund sich auch künftig für gleichwertige Lebensverhältnisse und wirtschaftliche Entwicklung in Stadt und Land einsetzt, brauchen wir eine unionsgeführte, starke und stabile Bundesregierung mit dem Mut zur Modernisierung.