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Regionalgespräch mit: Eva Lettenbauer
Eva Lettenbauer. (Bild: Leo Simon)

Regionalgespräch mit: Eva Lettenbauer

Wir haben der Kreisvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen Donau-Ries, Spitzenkandidatin der Grünen Jugend Bayern für den Bayerischen Landtag und Grüne Direktkandidatin bei der Landtagswahl für den Wahlkreis Donau-Ries 40 Fragen gestellt. Das Gespräch führte Mara Kutzner.

1. Hallo Eva. Schön, dass du dir Zeit für unser Regionalgespräch nimmst. Du wirst in diesem Jahr 26 Jahre alt, seit wann bist du politisch aktiv?

Eva Lettenbauer: Im Jahr 2011, nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima, fand eine Demo und Mahnwache gegen Atomkraft in Donauwörth statt. Ich war damals 18 Jahre alt und bin einfach hingegangen. Die Grünen haben mich dort angesprochen und zu einem Treffen eingeladen. Aber auch in der Schulzeit haben wir mal eine Demonstration veranstaltet. Ich war der erste G8-Jahrgang und wir haben in Donauwörth protestiert, weil wir neun Jahre zur
Schule gehen wollten. Ich war auch Klassensprecherin und habe oft Aufgaben übernommen – das ist ja auch Politik, aber eben im Kleinen.

2. Warum ist es wichtig, dass junge Leute in die Politik gehen?

E. L.: Nicht andere sollten über uns entscheiden, sondern wir selbst. Wir sind es schließlich, die heutige Entscheidungen der Politik am längsten ausbaden müssen. Es ist deshalb eine Fehlentwicklung, dass der Altersdurchschnitt von Politikern oft sehr hoch ist.

3. Jetzt kandidierst du für den Landtag. Auf deiner Homepage schreibst du, du willst dich für ein ökologisches, weltoffenes, digitales und gerechtes Bayern einsetzen. Lass uns über deine politischen Themen sprechen. Du bist für den Ausstieg aus der Atomenergie. Kann denn unser Strombedarf über erneuerbare Energien gedeckt werden?

E. L.: Für ein ökologisches Bayern ist der Ausstieg aus der Atomenergie völlig richtig. Studien beweisen, dass die Stromversorgung über erneuerbare Energien möglich ist. Wir müssten natürlich die Speicherenergie massiv ausbauen und Strom auch mit anderen Bundesländern austauschen. Die 10-H-Regelung (Anm. d. Red.: Nach der 10H-Regelung müssen Windkraftanlagen einen Mindestabstand vom 10-fachen ihrer Höhe zu geschützten Wohngebäuden einhalten.) in Bayern muss weg, damit die Nutzung von Windkraft nicht mehr länger blockiert ist.

4. Was meinst du mit einem „weltoffenen Bayern“?

E. L.: Das heißt zum Beispiel, dass Bayern endlich eine humane Asylpolitik braucht, die nicht nur darauf abzielt, die Bevölkerung aufzuscheuchen und Angst zu machen. Geflüchteten muss ein schneller Einstieg in Schule und Arbeit ermöglicht werden. Abschiebelager wie in Manching sind dafür der falsche Weg, wir brauchen dezentrale Unterbringungen.

5. Was muss Politik beim Thema „Digitaler Wandel“ gerade für ländliche Regionen erreichen?

E. L.: Die Internetversorgung über Breitband muss endlich auch im ländlichen Bereich ankommen. Der Ausbau muss massiv beschleunigt werden und mit veränderten Ausschreibungskriterien müssen teure Verträge und hohe Eigenbeteiligungen für die Bevölkerung im ländlichen Raum Geschichte werden. Dann würden sich auch mehr Firmen und Industriebetriebe im ländlichen Bereich ansiedeln.

6. Wie könnte die Politik das Leben auf dem Land noch besser machen?

E. L.: Zum Beispiel im Bereich Verkehr. Die Grüne Jugend Donau-Ries hat da vor ein paar Monaten einen Versuch gestartet. Wir wollten an einem Samstag mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Holzheim im Lechgebiet bis nach Ehingen am Ries zu einer Party fahren. Wir mussten um 9:00 Uhr am Morgen losfahren, unzählige Male umsteigen, um dann am Abend anzukommen. Die Verbindungen auf dem Land müssen besser werden. Meist gibt es am Samstag nur eine Verbindung, an Sonn- und Feiertagen oft gar keine.

7. Du gibst auch klare Statements gegen Auftritte der AfD im Kreis. Letztes Jahr hast du bei Kundgebungen in Donauwörth und Nördlingen gesprochen. Wie sehr hat dich das gute AfD-Ergebnis in der Region erschreckt?

E. L.: Es war sehr erschreckend. Wichtig ist natürlich zu fragen, warum so viele Menschen die AfD gewählt haben. Ihnen muss bewusst gemacht werden, dass die Wahl der AfD kein Protest ist, sondern man sich damit nur ins eigene Fleisch schneidet.

8. Während du eine politische Laufbahn weiter verfolgst, hattest du ja auch mit Schule, Studium und Beruf immer alle Hände voll zu tun. Lass uns doch einmal über deine berufliche Situation und Ausbildung sprechen. Die letzten Monate hast du an deiner Masterarbeit gearbeitet. Womit hast du dich da beschäftigt?

E. L.: Das war bei den Stadtwerken Augsburg im Nachhaltigkeitsmanagement. Ich frage mich in meiner Masterarbeit, wie die Stadtwerke Energie einsparen und nachhaltige Energie erzeugen und messen können.

9. Du engagierst dich auch bei Freifunk Donau-Ries e. V. Was ist die Idee dieses Vereines?

E. L.: Freifunk ist ein Initiative, die will, dass es an möglichst vielen Orten freies Internet gibt. Dabei engagiert sich nicht nur der Verein, sondern viele Menschen im Landkreis, die einen Teil ihres Datenvolumens zur Verfügung stellen und so mit ihren Routern oder „Knoten“ das Freifunk-Netz enger spannen.

10. Bei so viel politischem und gesellschaftlichen Engagement sowie Ehrgeiz im Studium darf die Freizeit nicht zu kurz kommen. Wo trifft man dich am Wochenende?

E. L.: Immer unterwegs – sowohl politisch als auch privat. Am Wochenende gehe ich auch gerne mal aus zum Tanzen.

 

 

 

Über Mara Kutzner

Redakteurin für online und blättle. Regionalpolitischen Kontroversen und sozialkritischen Themen geht sie mit Nachdruck auf den Grund. Stellt gerne kritische Fragen. Geht im Landkreis fürs blättle auf die Suche nach tollen Lifestyle Produkten. Ist auch privat sozial engagiert.