11. März 2019, 09:37

Werbung für den Nördlinger Frauenbasketball

Beide brachten reichlich Schwung in die "Bude": die Swinging Jangos mit ihrer Musik und die XCYDE Angels mit ihrem couragierten Auftreten gegen den Tabellenführer Herner TC. Bild: Martin Fürleger
Das Samstag-Abend-Spiel der XCYDE Angels gegen den Herner TC war die reinste Werbe-Veranstaltung für den Frauen-Basketball. Klar, hätten die Gastgeber auch noch gewonnen, wäre die Hermann-Keßler-Halle wohl geplatzt. Aber auch so gingen viele Angels-Fans trotz der 66:73-Niederlage, die sich viel deutlicher anhört als sie war, nicht unzufrieden nach Hause.

Vorletzter Spieltag in der 1. Liga, alle fünf Spiele gleichzeitig Samstag 19:00 Uhr. In vielen Hallen spielte auch die Angst mit, die Angst vor dem drohenden Abstieg in die Zweitklassigkeit. Nicht so in Nördlingen. Die XCYDE Angels hatten das Abstiegsgespenst bereits letzte Woche verabschiedet und konnten locker aufspielen. Auch der Herner TC war befreit von sämtlichen Gedankenspielchen, standen sie doch schon vorher als Tabellenführer der regulären Saison fest.

Zu diesem Setting der Lockerheit fanden erneut erfreulich zahlreiche Zuschauer in die Nördlinger Hermann-Keßler-Halle und genossen nicht nur das Ambiente inklusive Live-Band, sondern auch ein hervorragendes Basketball-Spiel. Von Anfang an bewiesen beide Teams, dass sie erstklassigen Sport zu bieten haben, Hernes Multi-Kulti-Truppe sowieso, aber auch die XCYDE-Mädels lieferten erfrischende Offensiv-Aktionen ab und lagen nach den ersten zehn Minuten zurecht lediglich mit drei Punkten im Rückstand. Coach Bär fand von Anfang an eine gute Rotation seiner Spielerinnen, so dass alle im Rhythmus waren und man so dem Tabellenführer lange Paroli bieten konnte. Beim Stand von 24:26 in der 15.Minute legte Herne noch einmal deutlich zu und dominierte vor allem durch seine körperliche Überlegenheit unter den Körben. Innerhalb zwei Minuten setzte sich der NRW-Club auf 26:35 ab. Doch mit der Einwechslung von Amenze Obanor stabilisierte sich der Nördlinger Rebound wieder und Sami Hill brachte ihr Team zum 32:39-Halbzeitstand immerhin wieder etwas auf Tuchfühlung heran. Das dritte Viertel war schon so häufig der große Schwachpunkt im Spiel der Rieserinnen gewesen. Diesmal wirkten Hill und Co hellwach, verkürzten erst den Rückstand und gingen dank eines 8-Meter-Dreiers der Kanadierin in der 27.Minute mit 48:47 in Führung, ja, richtig gelesen: in Führung. Doch Herne schaute sich das nicht lange an, übernahm wieder das Ruder im Stile eines Topteams. Die US-Stars Sannes und Frericks brachten den Turnclub erneut in Front. Selbst wenn die XCYDE-Abwehr schlechte Herne-Würfe forcierte, schnappten sich die im Schnitt einen Kopf größeren Gäste immer wieder Offensiv-Rebounds und durften noch einmal angreifen. Beim 64:68 zwei Minuten vor dem Ende war die Sensation aber noch immer möglich. Die Angels hatten Ballbesitz und konnten sich in einer Auszeit besprechen. Das für McCray aufgezeichnete Play führte nicht zu einem Korb, ein Pfiff kam auch nicht, dafür traf Herne im Gegenzug einen Verzweiflungsdreier mit Ablauf der Shot-Clock. Statt 66:68 und Spektakulum Mundi jetzt also 64:71 und Game Over. So grausam kann Basketball sein, wobei das Ergebnis letzten Endes keinem Team weh tut. Nördlingen ist zwar um einen Platz in der Tabelle abgerutscht, kann aber mit einem Auswärtssieg nächsten Samstag in Chemnitz wieder Platz sieben erreichen. Damit würde man in den Play-Offs ein erneutes Aufeinandertreffen mit Herne vermeiden und höchstwahrscheinlich auf Keltern treffen, dem amtierenden deutschen Meister. (pm)