Zum Jubiläumsabend am vergangenen Donnerstag waren rund 800 Gäste in die eigens errichtete Festhalle gekommen, um gemeinsam mit der Unternehmerfamilie zu feiern. Zott versteht sich trotz seines weltweiten Erfolges bis heute als Familienunternehmen. Schon zu Beginn machten Videobotschaften von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern deutlich, worum es an diesem Abend gehen sollte: um die Menschen hinter den Produkten. Heute arbeiten Beschäftigte aus 46 Nationen für das Unternehmen – und viele von ihnen verstehen sich längst als Teil der großen Zott-Familie.
Christine Weber: „Das macht mich unendlich dankbar“
Moderatorin Maxi Sarwas führte durch den Abend, bevor Gastgeberin und Inhaberin Christine Weber gemeinsam mit ihrer Familie die Gäste begrüßte. Ohne Zahlen, sondern mit Erinnerungen. „Es ist ein unwahrscheinlich grandioses Gefühl, mit Ihnen 100 Jahre Zott zu feiern“, sagte sie. „Vor 50 Jahren hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich heute gemeinsam mit meinen Kindern und Enkelkindern dieses Jubiläum feiern darf.“ Seit 72 Jahren begleitet Christine Weber die Geschichte des Unternehmens.
Dass Zott heute weltweit bekannt ist, sei alles andere als selbstverständlich. Beim Rückblick auf das 50-jährige Jubiläum geriet sie ins Schmunzeln. Damals wurde mit rund 500 Gästen in einer Reithalle gefeiert. Sie erzählte eine Anekdote, die den Unternehmergeist der Familie eindrucksvoll beschreibt. Die Idee für den heute legendären Zott Sahnejoghurt stammte von ihr selbst. Heimlich ließ sie bereits Becher produzieren und präsentierte das Produkt. Auf den ersten Messen musste damals jeder einzelne Becher noch geöffnet und von Hand umgerührt werden. Seit 2022 ist sie aus dem operativen Geschäft ausgeschieden. Aber sie betont: „Zott und die Marken sind meine Kinder. Welche Mama kann denn schon ihre Kinder loslassen?“
„Milch entsteht nicht im Supermarktregal. Milch entsteht auf den Höfen"
Die Glückwünsche der Bayerischen Staatsregierung überbrachte Staatsministerin Michaela Kaniber in Vertretung von Ministerpräsident Markus Söder. Sie bezeichnete Zott als Paradebeispiel für den bayerischen Mittelstand. „Zott verkörpert das, was Bayern stark macht – die Verbindung aus traditioneller Verantwortung und dem Mut, die Welt zu erobern.“
Besonders hob sie die Verwurzelung des Unternehmens in der Landwirtschaft hervor: „Milch entsteht nicht im Supermarktregal. Milch entsteht auf den Höfen. Dort beginnt die Wertschöpfung, dort beginnt Versorgungssicherheit“, sagte Kaniber. Bayern verfüge mit mehr als 21.700 Milchviehbetrieben über eine starke Milchwirtschaft, die regionale Kreisläufe stärke und den ländlichen Raum präge.
„Bayern ist stolz auf die Molkerei Zott. Dieses Jubiläum ist mehr als ein Rückblick auf 100 Jahre Unternehmensgeschichte. Es zeigt, was wir für die Zukunft brauchen: starke Höfe, starke Verarbeiter, starke Regionen. Wer Ernährungssouveränität will, muss genau diese Strukturen erhalten und stärken“, sagte Kaniber.
Dass das Verständnis von Familie bei Zott weit über das Unternehmen hinausgeht, zeigte die Gründung der Anna-Zott-Stiftung. Simone Mack erinnerte an ihre Großmutter Anna Zott. „Sie war ein tatkräftiger und fürsorglicher Mensch. Die gute Seele der Molkerei. Sie hat die Firma und die Menschen zusammengehalten. Ihr ging es immer um ein größeres Wir.“
Georg Weber erklärte, dass das Jubiläum bewusst als Anlass für diesen Schritt gewählt worden sei. Die Stiftung startet mit einem Vermögen von 500.000 Euro. Außerdem betonte man eine Spende in siebenstelliger Höhe für das Haus der Vereine in Mertingen, die bereits im Rahmen des Jubiläums geflossen ist. „Wir bekennen uns klar zu unserem gesellschaftlichen Engagement“, sagte Simone Mack.