19. September 2017, 10:42

Auf ein Tässchen mit... Ralf "Ralla" Kluge

Ralf Kluge aus Nördlingen in der kleinen Küche seines Cafés Bild: DRA
In jedem blättle führen wir ein Regionalgespräch mit einer Persönlichkeit aus dem Landkreis Donau-Ries. Das Motto lautet "Auf ein Tässchen mit..." und insgesamt werden 50 Fragen gestellt und beantwortet. Online lest ihr 10 von 50 Fragen - das komplette Interview findet ihr im aktuellen blättle (Ausgabe 16).
Ralf "Ralla" Kluge führt das Turmcafé auf dem Berger Tor der Stadtmauer in Nördlingen. Das Mulitalent betreibt auch eine Minigolfanlage, ist selbst amtierender Stadtmeister im Minigolf, ist nach langer Zeit als Haupttürmer derzeit Ersatztürmer auf dem Daniel, kümmert sich im Winter um die Eisbahn, hat eine Münzschneidewerkstatt und ist liebend gerne auch Weltenbummler. Unsere Reporterin Diana Hahn hat ihn in seinem Café getroffen.
Diana Hahn: Was darf es für dich sein? Tässchen Tee oder Tässchen Kaffee?
Ralf Kluge: Kaffee.
Diana Hahn: Du warst hauptamtlicher Türmer und bekleidest aktuell als Ersatztürmer den 'höchsten' Beamtenposten Nördlingens. Wie sieht der Tag im Leben eines Türmers aus?
Ralf Kluge: Morgens geht es hoch auf den Turm. Da musst du dann alles dabei haben, was du brauchst. Essen für dich selbst und auch das Katzenfutter für unsere Turm-Katze. Wenn du oben bist, bist du oben. Da gibt es eine witzige Geschichte: Einmal habe ich aus Versehen den Bedienungsgeldbeutel aus meinem Café mit auf den Turm genommen. Den habe ich dann dem ersten Touristen mit nach unten gegeben. Meine damalige Bedienung musste den dann abholen. Das hat wunderbar funktioniert. Es ist ein toller Job. Du bleibst in Bewegung weil du täglich viermal 350 Stufen steigst und außerdem bist du Ansprechpartner Nummer 1 für die Touristen.
Diana Hahn: Seit wann betreibst du das Café, und vor allem: Warum auf der Stadtmauer?
Ralf Kluge: Mit dem Café bin ich jetzt im zwanzigsten Jahr. 1998 habe ich es eröffnet. Es war das Individuelle, das mich an der Stadtmauer gereizt hat. Ich wusste von Anfang an, dass ich nie einen Ganzjahres-Gastronomiebetrieb haben wollte. Ich wollte mir einfach die Freiheit behalten, im Winter den Dingen nachzugehen, die ich gerne mache.Reisen zum Beispiel. Mein Café lässt mir diese Freiheit. Ich arbeite ein halbes Jahr und im anderen halben Jahr kann ich das machen, worauf ich Lust habe.
Diana Hahn: Du betreibst eine Münzsägewerkstatt. Was genau machst du dort?
Ralf Kluge: Ich nehme Münzen mit schönen Motiven und säge dann Teile der Münzen aus, damit am Ende nur noch das Motiv übrig bleibt. Daraus werden dann Schmuckanhänger. Ich habe das vor 30 Jahren in Thailand von einem Schweden gelernt. Zeitweise hatte ich in Asien sogar drei Sägestühle an schönen Stränden verteilt stehen. Diese habe ich dann immer mal wieder angesteuert und Münzen gesägt. Heute habe ich leider nur noch im Winter Zeit dafür.
Diana Hahn: Reist du noch immer viel, gibt es einen Ort, den du noch gerne bereisen würdest?
Ralf Kluge: Extrem viel. Letzten Winter bin ich sieben Mal verreist. Mittlerweile sind es aber meistens Kurztrips innerhalb Europas. Aber einen bestimmten Ort den ich noch bereisen möchte gibt es nicht. Die Welt habe ich mittlerweile gesehen. Es gibt kaum etwas, wo ich nicht war und habe eigentlich alles bereist, was ich sehen wollte. Da waren auch einige verrückte Trips dabei. Ich habe zum Beispiel in China die Seidenstraße bereist, als das noch gar nicht erlaubt war. Ich war schon mit der transmongolischen Eisenbahn unterwegs und habe auch mal ein Auto nach Afrika überführt. Dabei habe ich ganz schön gefährliche Sachen erlebt, denn auf dem Weg sind wir in den zweiten Golfkrieg geraten, da flogen auch schon Pflastersteine in unsere Richtung. Und das Ganze mit einem Auto, das ich für 100 DM gekauft hatte. Das wäre echt ein schlechter Moment für eine Panne gewesen.
Diana Hahn: Könntest du dir vorstellen, Nördlingen zu verlassen und auszuwandern?
Ralf Kluge: Nein, mittlerweile nicht mehr. Bei meiner ersten Reise war ich anderthalb Jahre unterwegs und war dafür noch offen. Ich war in der Zeit unter anderem in Australien und Neuseeland, also in Ländern, in denen man sich niederlassen könnte. Aber mittlerweile kann ich mir das nicht mehr vorstellen, Nördlingen für immer zu verlassen. Ich bin einfach in Nördlingen stark verwurzelt und habe mein Café hier. Außerdem ist es hier ja auch sehr schön. Touristen sagen oft zu mir, dass es toll sein muss, da zu leben, wo andere Urlaub machen.
Diana Hahn: Im Sommer Biergartenbetreiber, im Winter kümmerst du dich um den Eisplatz. Dazu noch die Minigolfanlage und die Münzsägewerkstatt. Bist du ein umtriebiger Mensch?
Ralf Kluge: Eigentlich nicht. Alles was ich mache, habe ich eigentlich nie freiwillig gemacht. Das sind alles Jobs, die kein anderer machen wollte. (lacht)
Diana Hahn: Wobei kannst du denn entspannen?
Ralf Kluge: Entspannen kann ich zum Beispiel beim Golfspielen. Da habe ich übrigens ein Handicap von 10. Wenn es zeitlich funktioniert gehe ich auch regelmäßig golfen. Aber auch Reisen hat etwas entspannendes. Generell fahre ich im Winter voll runter. An regnerischen Tagen bleibe ich da schon mal den ganzen Tag zu Hause und koche einfach nur was.
Diana Hahn: Angenommen, du könntest eine historische Person treffen, wer wäre das?
Ralf Kluge: Da fällt mir eigentlich niemand ein. Aber ich würde gerne einmal Nördlingen im Mittelalter erleben. Einfach um zu sehen, wie das Leben in dieser Zeit wirklich war.
Diana Hahn: Vervollständige bitte folgenden Satz: Typisch für mich ist...
Ralf Kluge: ... dass isch tolerant und nicht nachtragend bin. Ich kann gut streiten (lacht) und tu das auch gerne. Aber am nächsten Tag spielt das schon keine Rolle mehr für mich.