Die ersten Monate nach der Geburt eines Kindes sind für Mutter und Baby eine ganz besondere Phase, die Zeit des Kennenlernens, Erholung und Nähe. Anna Falch aus Ebermergen und ihrem Sohn Milian blieb diese Zeit allerdings verwehrt. Nur wenige Wochen nach der Geburt bekommt die junge Mutter eine schreckliche Nachricht: In ihrem Bauch wuchert ein 18 mal 15 Zentimeter großer Tumor.
„Zuerst dachte man, der Tumor kann mit Tabletten behandelt werden“, erinnert sich die damals 25-Jährige. Wenige Tage später erfährt sie in einer Spezialklinik in Dachau: Es handelt sich um ein Weichgewebesakrom an Leber und Galle – ein seltener bösartiger Tumor – fast so groß wie ein DinA5 Papier. Was nun folgte war eine zehrende Chemotherapie am LMU Klinikum Großhadern in München. Immer wieder muss die junge Mutter für mehrere Tage in Behandlung. Der Krebs wird zunächst mit Hyperthermie, also einer Wärmetherapie bekämpft.
Lokal und äußerlich wird Anna Falchs Oberkörper auf bis zu 40 Grad erwärmt. Das Hitzegefühl und ständige Schwitzen ist anstrengend für ihren geschwächten Körper – aber die Wärme macht die Krebszellen empfindlicher für die Chemotherapie. Dabei wird der Tumor medikamentös behandelt. Einen Port, also einen Zugangsweg, der unter der Haut implantiert wird, lehnt sie ab.
„Ich habe sofort gesagt: Ich brauch das nicht! Ich habe immer gewusst, dass ich wieder gesund werde“, sagt sie heute. Die Ärzte setzten deshalb eine sogenannte PICC-Line, einen peripheren Venenkatheter.Schon in den ersten beiden Wochen nach Beginn der Behandlung fallen erste Haarsträhnen aus. Auf einem Video hat Anna Falch festgehalten, wie ihr ihre Schwester unter Tränen den Kopf rasiert. „Es war ein schlimmes Gefühl für mich als Frau.
Mit kurzen Haaren fühle ich mich einfach nicht schön“, sagt sie. Ein Jahr später teilt sie das Video auf den Sozialen Medien. „Cancerfighter (z. dt. Krebskämpfer) schreibt sie darunter und den Satz: „Denkt immer positiv, dann könnt ihr alles schaffen!“ Sie wolle „positive Vibes rüberbringen“, sagt sie heute. Deshalb ging und geht sie auch auf Social Media mit ihrer Erkrankung ganz transparent um.
Ihr Körper ist geschwächt - doch ihr Überlebenswille groß
In den Wochen zwischen den Therapietagen kann Anna Falch nach Hause zu ihrem Baby. „Ich hatte Angst, dass ich keine Kraft habe, mich um ihn zu kümmern“, erzählt sie. An manchen Tagen hat sie solche Schmerzen, das ihr selbst die Kleider auf ihrer Haut weh tun. Wahrscheinlich war es ihr kleines Kind, dass ihr positive Energie und Durchhaltevermögen geschenkt hat.
Sie selbst ist nämlich ohne Mutter aufgewachsen. Sie verstarb als Anna Falch etwa ein dreiviertel Jahr alt war. „Ich wollte mindestens so lange leben, bis Milian ein dreiviertel Jahr alt war. Ich wusste, dann habe ich es geschafft“, sagt sie. Und Anna Falch schafft es! Die Chemotherapie schlägt an, der Tumor schrumpft und auch die Zeichnung auf dem DinA5 Papier, das die Patientin begleitet, wird kleiner.
Um sich den Tumor besser vorstellen zu können, zeichnet sich Anna Falch die Größe immer wieder auf. Im Mai 2022 ist der Krebs so weit bekämpft, dass die Ärzte operativ gegen ihn vorgehen. Doch es gibt Komplikationen bei dem Eingriff, Anna Falch verliert viel Blut, ist nach der Operation drei Tage im Wachkoma und benötigt insgesamt 18 Blutkonserven.
Als sie wieder zu sich kommt, muss sie weitere drei Wochen auf der Intensivstation verbringen, wird künstlich ernährt und kann sich kaum bewegen. Doch auch davon erholt sie sich einigermaßen schnell – auf eine letzte Chemotherapie wird verzichtet. Anna Falch kann nach Hause! Zwei Rehas helfen ihr bei der Genesung, die Haare wachsen wieder, der Krebs ist besiegt!
„Man sieht das Leben mit anderen Augen“, beschreibt Anna Falch, das, was die Krankheit mit ihr gemacht hat. Schon vor ihrer Erkrankung hat sie leidenschaftlich fotografiert, nun hat sie sich damit selbstständig gemacht. Auch im Privatleben hat sich seit der Krankheit einiges geändert. „Ich bin viel unterwegs, unternehme gerne etwas, treffe Freundinnen – ich bin kein Mensch der langsam macht“, sagt sie.
Lediglich bei der Ernährung muss sie sich etwas einschränken, denn bei der Operation wurden ihr eine Niere, die Galle und die Hälfte der Leber entfernt. „Ich bin krebsfrei!“, sagt Anna Falch ohne ein Fünkchen Zweifel in der Stimme – dass Ärzt*innen bei ihrer Tumorart erst nach sieben Jahren von „krebsfrei“ sprechen, hält sie davon nicht ab.