28. November 2020, 09:00

Krippentradition pflegen und bewahren

Bild: Werner Reischer
Eigentlich gibt es den Donauwörther Krippenverein bereits seit 1979, also seit über 40 Jahren, doch zwischendurch verabschiedete sich der Verein in einen über zwei Jahrzehnte andauernden Dornröschenschlaf, aus dem er erst 2011 wiedererweckt wurde.

Am 28. Januar 1979 fand die erste Gründungsversammlung des Donauwörther Krippenvereins statt. Initiiert wurde die Gründung von Jakob Armin Bayer, dem damaligen Donauwörther Stadtpfarrer. Er führte den Verein auch in den ersten Jahren als 1. Vorsitzender, ehe er sein Amt an Michael Veh, den ehemaligen Rektor der Mangold-Grundschule und dritten Bürgermeister Donauwörths übergab. In dieser Zeit entstanden die zwei vereinseigenen Veh-Heimatkrippen, die die Herbergssuche des Heiligen Paares und die Verkündigung an die Hirten vor heimatlicher Kulisse zeigen. „Veh war seiner Zeit voraus und baute, dem Nachhaltigkeitsgedanken entsprechend, Krippen aus Abfallprodukten. Zudem hat Michael Veh den Grundschulen, den drei Kindergärten und der evangelischen Kirche in Donauwörth große, aus Papiermaché gefertigte Krippen geschenkt“, erzählt Friederike Rieger, die aktuell die 2. Vorsitzende des Vereins ist.

Im Jahr 1990 verstarb Michael Veh und weil keines der verbliebenen Mitglieder bereit war seine Nachfolge anzutreten, ließ man den Verein ruhen. Ein Versuch, dem Verein wieder Leben einzuhauchen, scheiterte 1998. Es dauerte noch weitere 13 Jahre bis der Donauwörther Krippenverein am 24. Juni 2011 tatsächlich aus seinem über zwei Jahrzehnte andauernden Dornröschenschlaf geweckt wurde. Maßgeblich verantwortlich dafür waren die Donauwörtherinnen Brigitte Leitmeir, Friederike Rieger und Sonja Strobel. Seither hat sich der Krippenverein die Pflege, Förderung und Weiterverbreitung der Krippe auf religiöser, künstlerischer und volkskundlicher Grundlage zur Aufgabe gemacht. Ein besonderes Anliegen der Vereinsmitglieder ist außerdem die Pflege der Veh-Krippen. „2018 haben wir zum Beispiel eine Sonderausstellung zum 100. Geburtstag unseres ehemaligen Vorsitzenden Michael Veh initiiert und die Veh-Krippen ausgestellt“, erzählt Friederike Rieger. Seit drei Jahren stelle man nun auch die Veh-Krippen über die Weihnachtszeit bis zum Lichtmesstag wieder im Liebfrauenmünster aus. Insgesamt ist der Verein sehr umtriebig und organisiert in jedem Jahr ein abwechslungsreiches Jahresprogramm mit Bildungsfahrten, Vorträgen und Ausstellungen.

Was den Donauwörther Krippenverein von anderen Krippenvereinen unterscheidet, ist die Tatsache, dass der Verein keine Krippen baut, wie es in anderen Vereinen üblich ist. „Dafür fehlen uns leider die Räumlichkeiten und die Maschinen. Wir organisieren aber ab und zu Kurse zum Thema Krippenbau. Einmal haben wir zum Beispiel einen Kurs zum Bau einer Papierkrippe angeboten. Wer sich selbst im Krippenbau versuchen möchte kann auch zu unserem befreundeten Krippenverein nach Tapfheim gehen und dort mit den Vereinsmitgliedern schnitzen“, so Rieger.

Ein besonderes Projekt des Krippenvereins, dessen 1. Vorsitzender seit diesem Jahr Donauwörths Dekan Robert Neuner ist, ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Die Floßkrippe wird seit 2013 jedes Jahr aufs Neue in die Wörnitz eingesetzt und kann dort in der Vorweihnachtszeit bestaunt werden. Auf die Idee eine lebensgroße Floßkrippe zu bauen kam der Verein im Mai 2012, als der österreichische Krippenbaumeister Karl Hennerbichler aus Steyr in Oberösterreich seine Floßkrippe in einem Vortrag vorgestellt hatte. Vereinsmitglied Sonja Strobel kümmerte sich daraufhin um die Gestaltung der Figuren, den Stall haben Sebastian Graf, Franz Leitmeir und Max Strobel gebaut. Das THW Donauwörth unterstützte den Krippenverein, indem sie den Bau des Floßes, sowie das Einsetzen und Verankern der Krippe in die Wörnitz übernahmen. Jahr für Jahr fand die Krippe so ihren Platz in der Wörnitz. Nachdem Unbekannte im Jahr 2018 die Floßkrippe losgeschnitten hatten, wurde die Floßkrippe beschädigt und musste vom Verein wieder instand gesetzt werden. „Bereits im Sommer 2018 war der Krippenverein die Floßkrippe betreffend eine Kooperation mit einem starken Partner, der CID, eingegangen. Seit letztem Jahr ist die Floßkrippe in das Eigentum der CID übergegangen. Aber natürlich kümmern wir uns weiter um die Krippe, wenn Reparaturen anstehen. Beim Einsetzen der Krippe, das letztes Jahr zum ersten Mal von THW und der Feuerwehr Donauwörth gemeinsam übernommen wurde, sind Sonja Strobel und ich jedes Jahr vor Ort, denn das ist eine Herzensangelegenheit von uns“, so Friederike Rieger.

Dieses Jahr hat der Krippenverein etwas Neues für die Vorweihnachtszeit geplant. Zwischen dem 28. November 2020 und dem 6. Januar 2021 lässt man mit dem „Krippleschauen“ schwäbisches Brauchtum in der ehemaligen Reichsstadt aufleben. „Statt einer Krippenausstellung zeigen wir in Zusammenarbeit mit der City-Initiative-Donauwörth Weihnachtskrippen in der Donauwörther Innenstadt. Zwischen der Grünbergkrippe am Liebfrauenmünster und der Floßkrippe in der Wörnitz an der Sebastian-Franck-Brücke werden dann traditionelle Krippen und Krippen aus aller Welt zu sehen sein. Und auch die Krippen im Liebfrauenmünster und der Evangelischen Christuskirche werden für Besucher zugänglich sein“, erzählt Rieger von der Idee, die der Verein in diesem Jahr umsetzt. Für die Schaufenster kann der Verein aus einer großen Anzahl an Krippen auswählen. Denn insgesamt besitzen die 50 Vereinsmitglieder, die aus den Landkreisen Donau-Ries, Dillingen und Eichstätt kommen, rund 400 unterschiedliche Krippen.