17. Juli 2020, 08:19

Vom Abbruchgedanken in eine vielversprechende Zukunft

Die Klosterkirche in Auhausen. Bild: Robert Kaußler
Die kleine ländliche Gemeinde in der fränkisch-schwäbischen Region hat ein wohl einmaliges Ortsbild, das seit jeher von der Klosterkirche und dem ehemaligen Klosterareal der Benediktiner geprägt ist. Um so überraschender mag es für die Bürgerschaft in den letzten beiden Jahren geklungen haben, neuerdings in das staatliche Städtebau-Förderprogramm „Soziale Stadt – Soziale Integration im Quartier““ aufgenommen worden zu sein – ein Novum in Bayern.

Auch für die Fachwelt ist wenig bekannt über die Ursprünge des Dorfes und die Gründung des Klosters. Man vermutet zwar, dass der 958 gestorbene Ritter Hartmut der Stifter war. Über die nachfolgenden Epochen existieren schon eher Aufzeichnungen, die insbesondere ein funktionierendes und prosperierendes Klosterleben bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts offenbaren.

Dieser wirtschaftlichen Stärke sind auch die Klosterkirche in ihrer grundsätzlichen Bauweise samt Ausstattung sowie zahlreiche noch existente Gebäude zu verdanken. Der Bauernkrieg des Jahres 1525 sollte diesem Aufschwung ein jähes Ende bereiten. Das Klosterareal hat sich nach der Plünderung der Markgraf von Ansbach einverleibt. Durch einen Gebietstausch mit dem Fürstenhaus zu Oettingen-Spielberg im Jahr 1792 war die künftige Zugehörigkeit der Gemeinde und Kirchengemeinde Auhausen zum heutigen Regierungsbezirk Schwaben besiegelt. Mit der anschließenden Säkularisierung sind die einzelnen Gebäude sowie das dazugehörige Feld „zu handlöhnigen Stücken“ in Privateigentum übergegangen. Nur das stattliche Wohngebäude der früheren Äbte von Auhausen sollte noch bis 1824 in Funktion als „Fürstliches Rentamt Auhausen“ verbleiben.

In diese Zeit sollte auch fallen, dass wesentliche Teile der ehemals klösterlichen Bauten der Spitzhacke zum Opfer fielen; beispielsweise das große Konvent-Gebäude südlich des Kirchenbaus. Nach neuen Recherchen durch Kreisarchivpfleger Gerhard Beck im Fürstlich- Oetting´schen Archiv lagen auch für dieses „Amtshaus“ Abbruchpläne vor, wonach „ein Materialerlös von 925 fl. (= Gulden) berechnet, während Kosten für den Abbruch auf 166 fl. veranschlagt werden“. Im Folgenden gab es aber Angebote für den Erwerb des Gebäudes. Schließlich erhielt der ehemalige Rentbeamte Christian Kerl den Zuschlag für die „Rentamtswohung mit Waschhaus, Stadel und Klostergarten, den er am 26. Januar 1825 für 2.836 fl. erwarb“.

Nach gemeindlichen Unterlagen sind „offenbar im Zusammenhang mit dem Verkauf der Klostergebäude ungünstige Eigentumsverhältnisse für die Kirche hinsichtlich des Grund und Bodens entstanden, denn die südliche und westliche Außenmauer der Kirche bilden gleichzeitig die Grenzen des Kirchengrundstücks“. Im Archiv ist hierzu weiterhin verzeichnet, daß am 29. Juli 1834 der „neue Eigentümer Georg Michael Prechter“ die Bitte an das fürstliche Haus richtete, „um Grenzausgleich für sein neu erworbenes Anwesen“.

Kirchensanierung 1970

Jedoch erst mit der Flurbereinigung in der 1970´er Jahren konnte eine großangelegte Kirchensanierung durchgeführt werden, in deren Folge der der Westfront vorgelagerte Platz von jenem Amtshaus-Areal abgetrennt und in seiner heutigen großzügigen Weise umgestaltet wurde.

Das damalige Flurbereinigungsamt Krumbach bescheinigte, „für die Ablösung und den Abbruch des Stalls sowie für die Beseitigung der Dungstätte stellt die Flurbereinigung erhebliche Mittel bereit“. „Neben der Öffnung des Vorplatzes durch den Abbruch wird auch die ursprüngliche Bausubstanz der alten Prälatur freigelegt“. Eine frühe kommunale Selbst- Verpflichtung, sich des Erhalts dieser Gebäude von „kulturhistorischer Bedeutung“ anzunehmen.

Im Jahr 2018 hatte nun die Gemeinde Auhausen zusammen mit der Regierung von Schwaben, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und dem Landratsamt Donau-Ries sowie den örtlichen politischen Abgeordneten ihrer historischen, sozialen und politischen Verantwortung folgend – aber auch in der Tradition einer stilvollen und behutsamen Sanierung der Klosteranlage stehend – nun eine einmalige Chance zum Erwerb der altehrwürdigen Prälatur genutzt. Eine Investition, die auch durch die großzügige und momentan ungenutzte Umgriffsfläche von ca. 0,5 Hektar im Ortskern, neuerdings in der Bevölkerung bereits als „Klosterwiese“ etablierend, weitere Chancen für die öffentliche Hand mit sich bringen wird: „Wir haben hier ein enormes Entwicklungspotential für die gesamte Gemeinde im Herzen des Dorfes, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kindergarten, Mehrzweckhalle, Klosterkirche und Friedhof“, freut sich Auhausens Bürgermeister Martin Weiß.

Aufnahme in Städtebauförderung

Die Einleitung dieses bisher für eine solch kleine Gemeinde einmaligen Förderprogramm- Verfahrens „Soziale Integration im Quartier“ war aber auch schon von einer aufwendigen Vorbereitungsphase der Architekten und Fachleute des Landesamts für Denkmalpflege durch dendrochronologische Untersuchungen, Vermessungen und Freilegung alter Mauerteile begleitet worden – und mündete in das „Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept“ (ISEK). In einer ersten konkreten Förderzusage flossen noch im Kaufjahr 2018 180.000 € für den Erwerb dieses „Baudenkmals in Schlüsselposition des Ortskerns“.

Die im Anschludd aufgegebene Bedarfsermittlung konnte durch die Teilnahme am Projekt „Flächenmanagement und Innenentwicklung“ für die Gemeinde noch eine bedeutende Ergänzung finden; „die Gemeinde hat sich auf die Fahne geschrieben, den Ortskern weiterzuentwickeln und nicht grundsätzlich neue Flächen zu erschließen“, so Weiß. Auch aus dem Gemeinderat, der sich „einer großen Aufgabe, aber auch einer Chance und Verpflichtung, dem alten Dorfkern wieder mehr Bedeutung zu geben, stets bewusst war, kamen die entsprechenden Impulse. „Was haben wir nun für neue Möglichkeiten“, reflektiert der Bürgermeister: „Begegnungsstätte für die Generationen in Gemeinde und Kirchengemeinde, endlich stimmige Räume für die Bücherei, ein dringend benötigtes Archiv, Platz für das Ehrenamt und Kultur. Hierzu Nebengebäude, die einem gemeindlichen Bauhof Heimat geben könnten, das immer wieder gewünschte Gemeinschaftsbackhaus, geregelte Anfahrtsmöglichkeit an Kirche und Friedhof usw.“.

Erfreuliche Nachricht

In den vergangenen Tagen ist nunmehr eine „freudige Nachricht“ vor der bayerischen Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, Kerstin Schreyer, gekommen: „Die Bundesrepublik Deutschland und der Freistaat Bayern fördern mit dem Investitionspakt Soziale Integration im Quartier den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die teilnehmenden Städte und Gemeinden werden hiermit in die Lage versetzt, den Ausbau und die Sanierung von Bildungseinrichtungen und Bürgerhäusern zu ermöglichen. Dafür stehen im Jahr 2020 im angrenzenden Mittelfranken ca. 4,6 Millionen für zwei Projekte und in Schwaben rund 4,5 Millionen Euro für drei Projekte zur Verfügung.“ (Kaufbeuren, Augsburg – und Auhausen). Endlich könnte aus dem ehemaligen Zentrum einstigen blühenden benediktinischen Klosterlebens, zuletzt einer der örtlichen Leerstände, ein lebendiges Gemeindezentrum zwischen der historischen Klosterkirche und der neuzeitlichen Mehrzweckhalle in der nördlichsten Gemeinde Schwabens vollendet werden, fasste es Bürgermeister Weiß nach Erhalt dieser erfreulichen Nachricht zusammen. (pm)