Im Jahr 2008 wurde auf dem ehemaligen Flugplatz Heuberg ein Denkmal zur Erinnerung an die Ereignisse errichtet. Ein Jahr später ergänzten eine Informationstafel und Führungen mit mittlerweile über rund 5 000 Teilnehmende das Angebot. Dadurch wurde der Ort überregional bekannt und auch in Presse und Fernsehen thematisiert. Ende 2025 stellte das Bay. Landesamt für Denkmalpflege die Gebäude der ehemaligen Platzlandwirtschaft, in denen die zivile Verwaltung des Flugplatzes unter gebracht war, unter Denkmalschutz.
Unsere Denkmäler prägen uns als Menschen und als Gesellschaft. Gerade in einer Zeit, in der sich vieles rasant verändert, brauchen wir Orte, die uns Halt geben. Als Denkmalschützer ist es unsere Aufgabe, herausragende Bauten zu erkennen, sie zu schützen und kommenden Generationen mit all ihrer Geschichte weiterzugeben.
Ein Bauwerk gibt Rätsel auf
Vieles von den ehemaligen Einrichtungen des Flugplatzes ist mittlerweile verschwunden. Manches aber hat sich noch erhalten. Zwischen Oettingens Stadtteil Heuberg und Maihingen ragen aus einer Baumgruppe mehrere Betonsäulen hervor. Um das Bauwerk ranken sich bis heute vielerlei Geschichten. Einheimische nennen den Ort schlicht „die Fabrik“. Erst die Recherchen der letzten Jahre zur Geschichte des ehemaligen Flugplatzes führten auf die richtige Spur und deckten die wahre Bedeutung der Anlage auf.
Außenstelle der Firma Bachmann/ v. Blumenthal
Ab Januar 1942 nutzte die Fürther Firma Bachmann/v. Blumenthal den Flugplatz zur Reparatur und Erprobung von Flugzeugen. Durch Augenzeugen ist überliefert, dass es bei den Probeflügen der reparierten Maschinen immer wieder zu Abstürzen kam, die nicht selten zum Tod der Einflieger führten. Ältere Bewohner der umliegenden Dörfer erinnern sich noch gut an die Ingenieure und Mechaniker, die dort eingesetzt waren.
Da es sich bei den Angehörigen der Firma nicht um Soldaten, sondern um Zivilisten mit speziellen Kenntnissen handelte, waren sie in den umliegenden Ortschaften untergebracht. Von der Bevölkerung wurden sie „Bachmänner“ genannt. Als kriegswichtiger Betrieb war die Firma Ziel alliierter Luftangriffe Im Laufe des Krieges wurde das Werk mehrmals gezielt von amerikanischen Bombern angegriffen. Am 25. Februar 1944 sogar schwer und zu einem großen Teil zerstört. Dieser Angriff war vermutlich der Anlass für eine Verlegung des Einflugbetriebs von Fürth nach Oettingen. Es folgten umfangreiche Baumaßnahmen, darunter eine Einflughallen, eine Rollstraße, Schießstände und eine verlängerte Startbahn: Die Kosten beliefen sich bis Ende 1944 auf 330 000 RM.
Für die umfangreichen Baumaßnahmen wurde ein Arbeitslager unter dem Decknamen „Ursula“ eingerichtet. In den Unterlagen der Stadt Oettingen sind nahezu 200 Beschäftigte namentlich aufgeführt. Ein Großteil von ihnen stammte aus Polen, aber auch Dänen, Italiener und Niederländer befanden sich darunter. Über die Arbeits- und Lebensbedingungen in dem Lager ist nichts bekannt.
Der Bau der 35 x 90 Meter großen Einflughalle begann Anfang 1944. Auf der Südseite waren die Werkstätten für die Mechaniker vorgesehen, auf der Nordseite die Halle für die Flugzeuge, die Platz für vier Maschinen bot.
Angefangen, jedoch nie beendet
Das Mauerwerk bestand aus Ziegelsteinen, die Halle war mit einem Dach aus Drahtglas gedeckt und ruhte auf insgesamt 15 großen, rund sechs Meter hohen Betonsäulen. Heute sind noch sieben der Säulen vorhanden. Der Betonestrich der Halle ist noch fast vollständig erhalten. Schon während der Bauarbeiten wurde das Bauwerk offenbar mehrfach von alliierten Jagdflugzeugen beschossen. Heute noch sichtbare Einschusslöcher an den Säulen stammen von diesen Angriffen.
Wegen des Kriegsendes wurde die Einflughalle allerdings nicht mehr fertig gestellt. Seither stehen die Reste inmitten von Feldern und geben manchen bis heute Rätsel über die Bedeutung auf. Heute überwuchert die Natur das Gelände. Geblieben sind nur die Reste als stummes Zeugnis dieser unheilvollen Zeit.
Von Gastautor Werner Paa