Eine Krone auf dem Kopf, zahlreiche Termine im Kalender und plötzlich jede Menge Aufmerksamkeit: Für Marina Harsch hat sich mit der Krönung zur Bayerischen Honigprinzessin einiges verändert. „Nach der Aufregung musste ich erst einmal realisieren, was jetzt alles auf mich zukommt“, erzählt die 20-Jährige eine Woche nach ihrer Krönung. Viel Zeit zum Durchatmen blieb allerdings nicht. Erste Medienanfragen, Termine und Auftritte standen bereits an. Und nebenbei läuft das normale Leben weiter: Harsch arbeitet als Verwaltungsfachangestellte bei der Stadtverwaltung in Donauwörth. Die meisten Termine als Honigprinzessin finden deshalb am Abend oder am Wochenende statt.
Gemeinsam mit der Familie zur Imkerei
Dass sie eines Tages als Bayerische Honigprinzessin durch Bayern reisen würde, war nicht geplant. Der Weg dorthin begann vor gar nicht allzu langer Zeit im Garten ihrer Eltern. Auch sie beschäftigen sich erst seit rund drei Jahren intensiv mit der Imkerei. Was zunächst mit den eigenen Bienenvölkern der Eltern begann, entwickelte sich schnell zu einem gemeinsamen Familienprojekt. Auch Marina Harsch wuchs immer tiefer in die Materie hinein. Anfang 2026 entdeckte ihr Vater schließlich die Ausschreibung für die neuen Bayerischen Honighoheiten – beim Kauf von Losen für eine Honigprämierung. Er schlug seiner Tochter vor, sich zu bewerben. Marina ließ sich überzeugen, schickte ihre Bewerbung ab – und der Rest ist Geschichte.
Zum Bewerbungsverfahren gehörte unter anderem ein Kurzreferat über bayerischen Honig. Anschließend wurde Harsch zu einem Gespräch mit der Jury eingeladen. Kurz darauf erhielt sie die Zusage. Besonders fasziniert sie am Thema das Zusammenspiel von Bienen, Natur und Landwirtschaft. Im eigenen Garten könne die Familie die Bedeutung der Bestäubung unmittelbar beobachten. Seit dort Bienenvölker stehen, habe sich beispielsweise der Ertrag des Kirschbaums deutlich verändert. „Am Anfang bekommt man vor allem die großen Dinge mit – Honig schleudern oder ernten. Irgendwann merkt man aber, wie viel mehr dahintersteckt“, sagt Harsch. Aus einem Hobby ist damit längst eine gemeinsame Leidenschaft geworden. Auch ihre beiden Schwestern helfen bei der Vermarktung des Honigs mit, ihr Partner unterstützt sie ebenfalls. Der Honig der Familie wird regional verkauft – genau für diesen Gedanken möchte Harsch nun auch als Bayerische Honigprinzessin werben.
Werbung für Honig aus der Region
„Ich möchte nicht für unseren eigenen Honig werben - das ist nicht meine Aufgabe - sondern für regionalen Honig allgemein“, sagt Harsch. Für sie gehören dazu kurze Wege und vor allem Transparenz. Wer beim heimischen Imker kauft, könne direkt erfahren, wo die Bienen stehen, wie der Honig entsteht und warum er einen bestimmten Geschmack hat.
Dass ihr erster offizieller Termin ausgerechnet im Landkreis Donau-Ries stattfindet, ist dabei ein besonderer Zufall. Beim Kreisimkerfest in Monheim trifft Harsch am Samstagnachmittag nach ihrer Krönung erstmals offiziell in ihrer neuen Funktion auf Imkerinnen und Imker aus der Heimat. Für die 20-Jährige also ein echtes Heimspiel. Eltern, Oma, Freunde und Bekannte sind mit dabei – auch Familienhund Aron darf nicht fehlen. „Dass mein erster Termin in meiner Heimat stattfindet, ist natürlich etwas ganz Besonderes und macht mich wirklich stolz“, erklärt Harsch.
Von München bis Südtirol
Viel Zeit für weitere Heimspiele wird in den kommenden zwei Jahren allerdings nicht bleiben. Der Terminkalender der beiden Honighoheiten ist gut gefüllt. Die Bauernmarktmeile in München, Veranstaltungen in ganz Bayern, Empfänge des Landwirtschaftsministeriums und die Grüne Woche gehören zu den festen Terminen, die schon jetzt bekannt sind. Auch internationale Termine stehen auf dem Programm, etwa in Südtirol. Einen inhaltlichen Unterschied zwischen Honigkönigin und Honigprinzessin gibt es dabei nicht. Vielmehr teilen sich die beiden die zahlreichen Termine. „Wir sind beide jedes Wochenende ziemlich ausgelastet“, sagt Harsch.
Dass sie diese Aufgabe nicht allein bewältigen muss, ist für sie ein wichtiger Punkt. Mit Ramona Spitzner kann sie sich über Erfahrungen, Auftritte und die vielen neuen Situationen austauschen. Auch Familie und Freunde sind bei vielen Terminen eine wichtige Unterstützung.
Besonders die junge Generation im Blick
Auf ihre neue Rolle vorbereitet wurden die beiden unter anderem mit einem Medientraining. Dabei ging es nicht nur um Auftritte vor der Kamera, sondern auch um Kommunikation und das eigene Auftreten. Für Harsch eine Erfahrung, von der sie auch in ihrem "normalen" Leben profitieren kann. „Man lernt dabei auch viel über sich selbst“, sagt sie. Für Harsch sind die kommenden zwei Jahre deshalb nicht nur eine Aufgabe für die bayerische Imkerei, sondern auch eine persönliche Herausforderung und eine große Chance, sich selbst weiterzuentwickeln und viele neue Erfahrungen zu sammeln.
Eine Botschaft liegt ihr dabei besonders am Herzen: Sie möchte junge Menschen für die Imkerei begeistern. Nachhaltigkeit und der bewusste Umgang mit Natur und Landwirtschaft seien für viele Menschen ihrer Generation wieder wichtiger geworden. Die Imkerei werde dabei aber noch zu selten in den Fokus gerückt.
Deshalb möchte die neue Honigprinzessin zeigen, was hinter einem Glas Honig steckt – und künftig auch über Social Media regelmäßig Einblicke in den Alltag mit den Bienen geben. Vom Füttern der Völker bis zu den Arbeiten, die über das Jahr hinweg anfallen. Denn am Ende geht es für sie um mehr als Honig. „Ein Glas Honig ist ein Stück Heimat im Glas“, sagt sie.