Wer B-Case heute erlebt, begegnet einem Produzenten, der die deutsche Musiklandschaft mitprägt – und zugleich weitab der großen Szenezentren seinen Ruhepol gefunden hat. Was viele nicht wissen: In Donauwörth, fern von Berliner Hektik und Hamburger Branchentreffen, hat B-Case, mit bürgerlichem Namen Matthias Zürkler, seit seinem Umzug aus Augsburg vor über drei Jahren seinen kreativen Zufluchtsort gefunden.
Dass er nicht in einer Metropole arbeitet, sondern in Donauwörth, sieht er sogar als Vorteil. Die Ruhe, die Natur, die Offenheit der Menschen – all das stärkt seine Kreativität. Künstler aus Berlin sprechen sogar von „Urlaub“, wenn sie ihn besuchen. Hier findet er genau die Balance, die er im Studio braucht. Von hier aus erschafft der gebürtige Bielefelder Songs, die millionenfach gestreamt werden.
Dass diese Laufbahn einst mit einem Taschengeld-Mikrofon und dem „Magix Music Maker“ begann, wirkt rückblickend fast märchenhaft. „Die CD mit der Software hängt heute als Andenken in meinem Studio“, erklärt er schmunzelnd.
Kollegah-Song öffnet Tür ins Musik-Business
Schon mit zwölf Jahren tauchte B-Case tief in die Welt des Hip-Hops ein, geprägt von Eminem, 50 Cent und der rohen Energie des Aggro- Berlin-Sounds. Mit Freunden gründete er eine Rap-Gruppe, und weil jemand die Beats bauen musste, übernahm er diese Rolle – ganz ohne Unterricht und Vorerfahrung, dafür mit einer großen Portion Neugier und viel Bauchgefühl.
Dieses intuitive Arbeiten prägt ihn bis heute. „Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass meine Rap Parts damals wirklich schlecht waren. Ich wurde also quasi zu meinem Glück gezwungen.“
Der entscheidende Wendepunkt in seinem Leben kam bereits recht früh – nämlich mit 16 Jahren: Über das damalige Online-Forum „Rappers In“ entstand über Umwege der Kontakt zu Kollegah. Er schickte Beats, hoffte, wartete – bis eines Tages die Nachricht kam, ein Track sei fertig und würde in wenigen Wochen auf einem Album erscheinen.
Als er schließlich im Media Markt eine CD in Händen hielt, auf der sein Name in den Credits stand, spürte er zum ersten Mal, dass Musik mehr als nur ein Hobby sein könnte. Mit dem jungen Kollegah – heute einer der populärsten deutschsprachigen Musiker – öffnete sich schnell die Türe in die Deutsch-Rap- Szene. Über die Jahre lernte er viele weitere Künstler kennen und wuchs mit ihnen, als Deutsch-Rap gerade dabei war, den Mainstream zu erobern. Ein Blick zurück zeigt: „Wie so häufig im Leben, hatte ich damals das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.“
Heute arbeitet B-Case längst nicht mehr nur mit Rap-Artists zusammen. Zu seinen Wegbegleitern gehören bekannte Größen wie Nico Santos, Helene Fischer, DJ Antoine, SDP und zahlreiche weitere namhafte Künstler der hiesigen Pop- und Radiolandschaft.
Authentizität und Gefühl als Erfolgsrezept
Besonders prägend ist für ihn aktuell die Zusammenarbeit mit dem Künstler Tream. Seit drei Jahren verbindet beide eine kreative Partnerschaft, die weit über das rein Künstlerische hinausgeht.
„Ich kannte seine Musik ja schon von Spotify, aber als wir das erste Mal zusammen im Studio waren, war das unfassbar. Er ist musikalisch so talentiert, das hätte ich niemals für möglich gehalten. Es gibt eine geile Symbiose zwischen uns, wir verstehen uns menschlich sehr gut. Das hilft gerade bei melancholischen Songs, für die man sich auch auf einer zwischenmenschlichen Basis vertragen muss“, erklärt er.
Trotz seiner Erfolge bezeichnet sich B-Case nicht als klassisch ausgebildeten Musiker. Er spielt kein Instrument, verlässt sich stattdessen auf Intuition. „Ich gehe nach Gefühl“, sagt er – und genau dieses Gefühl hat ihn zu einem Produzenten gemacht, der Stimmungen, Momente und Klangwelten präzise einfangen kann. Wenn er dann mit Künstlern ins Studio geht, jagen sie gemeinsam den „Magic Moment“: jenem schwer planbaren Augenblick, in dem Musik einfach entsteht, statt erarbeitet zu wirken, jenem seltenen Augenblick, an dem plötzlich alles stimmt.
„Dieser Moment lässt sich nicht erzwingen, aber zumindest vorbereiten“, erklärt der Musikproduzent. Dies geschehe durch echte Gespräche, Offenheit, Nähe und Authentizität. Eben jene Authentizität ist es auch, die er bei vielen Künstlern, als deren Erfolgsrezept ausgemacht hat. Sein Rat an junge Produzenten ist deshalb klar und ehrlich: dem eigenen Bauchgefühl folgen, nicht Trends hinterherlaufen und die eigene Handschrift entwickeln. Fehler gehören dazu – entscheidend ist, nicht stehenzubleiben.
„Machen, machen, machen“, sagt er. Ein Satz, der seine eigene Laufbahn vielleicht besser beschreibt als jeder andere. Trotz seines Erfolgs lässt sich B-Case noch immer von anderen Musikern inspirieren. Früher war es Timbaland, heute Künstler wie Post Malone, dessen Authentizität ihn tief berührt und mit dem er gerne einmal selbst im Studio sitzen würde. Und womöglich ist das dann auch das persönliche Erfolgsgeheimnis: B-Case macht Musik, weil er sie liebt – und weil er sich nie davon hat abbringen lassen, seinem Gefühl zu vertrauen.
Diese Artikel ist bereits im blättle (Ausgabe 66 Januar/Februar 2026) erschienen. Hier E-Paper lesen: Zum Webkiosk