6. Dezember 2019, 09:53

Wortgewaltiger Vortrag im Kreistag

Landrat Stefan Rößle besuchte Sina Trinkwalder bereits in ihrem Unternehmen Manomama. Bild: Dr. Sperling/Landratsamt
Was ist Nachhaltigkeit? Genau dieser Frage ging der Impulsvortrag von Sina Trinkwalder in der letzen Kreistagssitzung des Jahres nach. Die Unternehmerin stellt in der von ihr vor 10 Jahren gegründeten ökosozialen Textilfirma manomama im Monat circa 220 000 Taschen und rund 5000 Kleidungsstücke her. Im gestrigen Kreistag inspirierte sie mit einem wortgewaltigen Vortrag.

Vor zehn Jahren gründete die in Fremdingen, Ortsteil Rauhstetten, geborene Sina Marie Trinkwalder ihre ökosoziale Firma Manomama. Zu diesem Zeitpunkt habe sie sich dazu entschlossen "nicht mehr erfolgreich, sondern wertvoll zu sein". Die 41-jährige Rieserin, die im Almarin in Mönchsdeggingen nach eigener Aussage schwimmen gelernt hat, hat für diesen Entschluss ihr Leben auf den Kopf gestellt, ihre Digitalagentur an den Nagel gehängt und eine Firma "für Menschen gegründet, die kein Mensch braucht", erklärte die Sozialunternehmerin am vergangenen Donnerstag im Kreistag. In ihrem Unternehmen gibt sie Menschen eine Chance, die auf dem klassischen Arbeitsmarkt keinen Fuß fassen können. 10 Jahre lang habe die Firma nun "Hardcore-Bio-Klamotten" gefertigt. Ab nächstem Jahr sei damit Schluss, denn dann werde die Firma nur noch bereits vorhandene, brachliegende Ressourcen nutzen. „Ob es das Salbeigrün von 1984 oder von 2020 ist, ist doch scheißegal“, sagte Teinkwalder in ihrem Impulsvortrag vor den Kreisräten und fügte hinzu: „Es wiederholt sich ja sowieso immer wieder in der Mode.“

Rößle hatte die Unternehmerin eingeladen, um auf ein Thema der Kreistagssitzung hinzuleiten. Die CSU/AL-JB - Fraktion hatte den Antrag gestellt im Landratsamt eine Stelle für das Thema Nachhaltigkeit zu schaffen. Deshalb bezeichnete Landrat Stefan Rößle angelehnt an die "Fridays for Future"- Bewegung den Sitzungstag als "Donnerstag für Donau-Ries".

Was bedeutet Nachhaltigkeit?

In ihrem Impulsvortrag ging Trinkwalder der Frage nach "Was ist Nachhaltigkeit?". Sie erkläre den Mitgliedern des Kreistags, dass wenn man die Textilindustrie sofort stoppen würde, die Nähereien immer noch so viele Ressourcen hätten, um die Menschen weltweit noch für weiter zehn Jahre wie gewohnt mit Kleidung zu versorgen. "So viel ist in der Kette", betonte Trinkwalder. 230 Millionen Kleidungsstücke würden außerdem pro Jahr direkt verbrannt, weil niemand diese kaufe, erklärte Trinkwalder dem Gremium. Deshalb plädierte sie in ihrem Vortrag vehement dafür "vorhandene Ressourcen zu nutzen" und so „automatisch nachhaltig“ zu werden. "So wird es günstiger und kostet weniger, weil es bereits existiert. Wir nutzen Ressourcen, die uns die Welt bereits gegeben hat", so Sina Trinkwalder. Ihren inspirierenden und nachdrücklich für Nachhaltigkeit plädierenden Beitrag beendete Trinkwalder mit einem Zukunftsgedanken. "Wenn mich mein Sohn eines Tages fragt `Mensch Mama was habt ihr denn gemacht? ` dann freue ich mich ihm antworten zu können: Den Anfang."

Neue Stelle im Landratsamt

Im Anschluss an den Vortrag wurde  der Antrag der CSU/AL-JB-Fraktion "Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten" behandelt. In diesem geht es um die Schaffung einer neuen Stelle für den Themenkomplex Nachhaltigkeit/Klimaschutz. Ab 2020 soll ein neuer Mitarbeiter die vielen guten Projekte, die es im Landkreis bereits gibt, bündeln und koordinieren, erklärte Heike Burkhardt von der Stabsstelle Kreisentwicklung.

„Wir haben einen beeindruckenden Impuls zum Thema Nachhaltigkeit von Frau Trinkwalder gehört und ich gebe durchaus zu, dass man da auch manchmal spannend vielleicht auch manchmal antithetisch diskutieren könnte. Ich denke aber es ist genauso wichtig, dass wir diesen Impuls auch ein bisschen als Anstoß zum Nachdenken begreifen sollten. Denn jede Generation hat ihre Verantwortung, trägt ihre Verantwortung und kommt in der jeweiligen Zeit ihrer Verantwortung nach. Denn über viele Jahre und Jahrzehnte ist auch viel geschaffen worden in diesem Land, um über gewisse Dinge überhaupt reden zu können", eröffnete Ulrich Lange (CSU/AL-JB) die Wortmeldungen zum Antrag seiner Fraktion. Den Antrag habe man gestellt, um der Thematik neuen Schub zu geben und weil man einen Impuls für die Nachhaltigkeit auf der kommunalen Ebene geben wolle, so Lange weiter.

Ursula Straka (SPD) betonte, dass derzeit alle von Nachhaltigkeit reden. "Seit ihrem Antrag macht das auch die CSU-Fraktion ganz massiv", so Straka. "Wir müssen nicht nur reden, wir müssen vor allem handeln", betonte die Fraktionsvorsitzende der SPD und kritisierte außerdem die Papierflut in jeder Kreistagssitzung.  

Helmut Beyschlag (PWG/FDP) sprach sich für die Schaffung der Stelle aus und hält diese für "sinnvoll". Beyschlag ging auf den Vortrag von Trinkwalder ein, die in ihrem Vortrag davon gesprochen hatte, dass beim Thema Nachhaltigkeit auch die soziale Frage gelöst werden müsse: "Wir reden alle von Nachhaltigkeit von Klimaschutz von Umweltschutz, wir alle sind aber nur sehr bedingt bereit und das ist genau die soziale Frage, unsere Egoismen in den Hintergrund zu stellen, wir sind alle vorne mit dabei zu sagen, was die anderen anders und besser machen müssten, solange unser gewohntes Leben in den bequemen Formen, wie wir sie hier Gottseidank haben weitergeführt werden kann", sagte Beyschlag und fügte hinzu: "wir können nur entscheidend vorankommen, wenn jeder bereit ist, seine Egoismen nur ein bisschen zurückzustellen."

Regina Thum-Ziegler (Frauen/ÖDP/Freie Wähler) sagte in ihrem Statement: „Ich finde es ganz toll, dass die CSU jetzt endlich grün wird.“ Wie Beyschlag betonte sie, dass es wichtig sei, kleine Schritte zu machen, um etwas zu bewirken. 

Albert Riedelsheimer (Grün-Soziale Fraktion) hatte mehrere Ideen, um den behandelten Vorschlag noch zu verbessern. So müsse zum Beispiel der Flächenfraß aktiv angegangen werden. Konkret nannte er hier die Brezellösung der B25 in Nördlingen und die Größe der B16 in Donauwörth. Aber auch die Förderung von Plastikvermeidung, wie es im Unverpackt-Laden in Nördlingen praktiziert wird, schlug Riedelsheimer vor.

Zum Thema Papierflut im Kreistag und den dazugehörigen Ausschüssen sagte Landrat Stefan Rößle: "Das wird in der nächsten Periode anders sein." Man sei bereits dabei eine andere papierlose Lösung zu finden. Im Anschluss an die Wortmeldungen der Fraktionen wurde über den Beschlussvorschlag abgestimmt. Einstimmig sprachen sich die Kreisräte für den Antrag aus.