27. Januar 2021, 11:15

Kein Konsens beim Thema Oberflächenkonzept

Altstadt Nördlingen Bild: Matthias Stark
Der Vorstoß der Nördlinger Stadtverwaltung, von einem externen Anbieter eine Konzeptstudie zur Oberflächengestaltung in der Altstadt erstellen zu lassen, kam zu plötzlich: Die Stadtratsfraktionen haben noch Beratungsbedarf.

In der Sitzung des Bau- Verwaltungs- und Umweltausschusses am Dienstagabend präsentierte Stadtbaumeister Hans-Georg Sigel die Vorstellungen der Stadtverwaltung. Mit dem geplanten Straßenausbau in der Münzgasse, Henkergasse, An der Deininger Mauer und An der Reimlinger Mauer werde die Oberflächengestaltung laut Sigel wieder Thema sein, und aktuell böten die Straßenräume ein sehr differenziertes Bild in Bezug auf Funktionalität, Material, Qualität und Begehbarkeit. "Dies trägt vielerorts nicht gerade zu einem harmonischen Stadtbild bei", so Sigel im Sachvortrag.

Wie David Wittner meinte, werde das Thema in jeder Bürgersprechstunde von älteren und gehbehinderten Mitbürgerinnen und Mitbürgern vorgebracht: Das Pflaster in der Altstadt ist an vielen Stellen nicht gut zu begehen. Da man vielseitigen Interessen gerecht werden müsse, benötige man eine "ganzheitliche Betrachtung" des Themas Oberflächenbelag, so der Oberbürgermeister. 

Zu diesem Zweck schlug die Stadtverwaltung dem Bauausschuss einen Beschluss vor, die Verwaltung mit der Umsetzung eines Ober-/Freiflächenkonzeptes für die gesamte Nördlinger Altstadt als zukünftige Entscheidungsgrundlage bei Baumaßnahmen zu beauftragen. Dazu kam es am Dienstag jedoch noch nicht.

Stadtratsfraktionen wollen mehr Zeit

Zahlreiche Stadträte stellten in Frage, dass für ein solches Konzept ein externes Büro beauftragt werden muss. Dieser Meinung waren unter anderem Markus Hager (Stadtteilliste), Wolfgang Goschenhofer (Frauenliste/Grüne) und Dr. Heinrich Richter (CSU). Jörg Schwarzer (CSU) bezeichnete das Konzept grundsätzlich als gute Idee, auch wenn die Linie, die man in den letzten Jahren gefunden habe, nicht so schlecht sei. Den vorgeschlagenen Weg, gleich in dieser Sitzung per Beschluss ein Büro zu beauftragen, wolle er aber nicht mitgehen. "Wir diskutieren hier zu wenig", so der CSU-Mann. Zuerst brauche es auch eine Kostenabschätzung des Gutachtens, die in der Beschlussvorlage nicht enthalten war. 

Die Frage nach den Kosten konnten Wittner und Sigel beantworten: Mit circa 30.000 Euro sei zu rechnen, wobei eine Förderung in Höhe von 50 bis 60 Prozent von der Regierung von Schwaben in Aussicht gestellt wurde.

Kritik erhielt auch die scheinbare Zielsetzung eines solchen Konzeptes: Eine Vereinheitlichung der Straßenbeläge in der Altstadt wollen viele Stadträte nicht, die Vielfalt biete eher einen besonderen Reiz. In diese Richtung äußerten sich die Stadträte Hager und Goschenhofer, während Dr. Richter sich für ein homogeneres Bild der Altstadt aussprach. Die Inklusion und Schaffung von Barrierefreiheit hingegen stellten Wolfgang Goschenhofer und Rita Ortler (SPD) an die erste Stelle, das müsse oberstes Ziel eines Oberflächenkonzeptes sein. 

Der Stadtbaumeister betonte daraufhin, dass es keinesfalls Ziel sei, überall eine Einheitlichkeit der Oberflächen herzustellen, sondern Charakteristiken für verschiedene Bereiche der Altstadt herauszuarbeiten.

Für den Vorschlag der Stadtverwaltung war Johannes Ziegelmeir (PWG), die Studie sei sinnvoll. Er bezweifelte außerdem, dass das Stadtbauamt neben seinen anderen Aufgaben Zeit für die Erstellung einer solchen Studie habe, und sprach sich für ein externes Büro aus. Die Kosten bei einer Bearbeitung des Themas im Haus seien seiner Meinung nach genauso hoch, wenn nicht höher, als bei einer Vergabe an ein Ingenieurbüro.

Schlussendlich wird das Thema in der nächsten Sitzung des Bauausschusses wieder auf die Tagesordnung kommen, es wird aber auch schon zuvor bei den anstehenden Haushaltsberatungen wieder zur Sprache kommen, wie der Oberbürgermeister anmerkte.