19. Februar 2020, 17:38

Zukunft des Radfahrens in Nördlingen

Hier sieht man, wie das geplante Nördlinger Radwegenetz einmal aussehen soll. Bild: VAR+
Das Rad als vollwertiges alternatives Verkehrsmittel in Nördlingen zu etablieren ist das Ziel des Radwegekonzepts, das die Stadt Nördlingen vom Planungsbüro VAR+ aus Darmstadt hat erstellen lassen. Dipl.-Ing. Uwe Petry stellte am Mittwoch im Bau-, Verwaltungs- und Umweltausschuss den Abschlussbericht für eine Vorberatung vor.

Uwe Petrys Büro hat Nördlingen befahren, Bürger befragt und Maßnahmen ausgearbeitet, welche die Stadt für Radfahrer attraktiver und sicherer machen sollen. Herausgekommen ist ein umfangreiches Netz von 145 km Länge, das zahlreiche neue Verbindungen vorsieht. Fünf dringliche Unfallschwerpunkte in der Stadt sollen damit entschärft und Ortsteile besser mit der Stadt und miteinander verbunden werden. Unter anderem sind Pendlerrouten, also Schnellverbindungen für die Fahrt zur Arbeit oder zum Bahnhof, und Basisrouten für Fahrten zum Einkaufen oder zur Schule, geplant.

Zu den insgesamt 327 Maßnahmen gehören Schutzstreifen am Fahrbahnrand, Markierungen an vorhandenen Wirtschaftswegen, Piktogramme wie vor dem Reimlinger Tor und auch neue Routen. Des Weiteren schweben dem Planer 32 Mobilitätsstationen im Stadtgebiet, beschilderte Radparkplätze, ein Radwegweisungsnetz, Ladestationen für E-Bikes, Infotafeln und Radverkehrszählstellen vor.

Für alle Maßnahmen zusammen sind im Konzept 10,5 Millionen Euro an Kosten veranschlagt. Diese wären bei Umsetzung jedoch nicht alleine von der Stadt zu tragen, sondern von mehreren Aufwandsträgern, z.B. auch vom Kreis und vom Bund, wie Ordnungsamtsleiter Jürgen Landgraf anmerkte.

Projekt für einige Jahre

Laut Stadtbaumeister Hans-Georg Sigel handele es sich um einen Prozess, der die Stadt auf Jahre hinaus begleiten werde. „Das Ganze ist nicht in Stein gemeißelt“, so Sigel, auf neue Entwicklungen müsse man reagieren können. Er hoffe auf eine Verabschiedung des Konzepts in einer Vollsitzung des Stadtrats im März.

Zuvor jedoch wollten die BVUA-Mitglieder noch einige Dinge von Petry wissen. Markus Hager (Stadtteilliste) sah die Anbindung der Stadtteile nicht ausreichend im Konzept berücksichtigt, auch von den gewünschten Verbindungen zu Nördlingens Nachbargemeinden sei nichts zu sehen. Petry entgegnete, dass Pendlerrouten von allen Stadtteilen nach Nördlingen vorgesehen seien.

Thomas Mittring, ebenfalls Stadtteilliste, lobte die Ausweitung der Piktogramme auf alle Stadttore, nachdem die Verkehrsführung vor dem Reimlinger Tor durch die Markierungen schon viel angenehmer geworden sei. Er stellte aber auch die Frage nach Verbesserungen am vielfach kritisierten Kreisverkehr vor dem Wemdinger Tunnel. Auch hierzu hatte Jürgen Landgraf etwas zu sagen: Das Problem an dieser Stelle seien die Radfahrer selbst, die Zebrastreifen nun einmal nicht befahren dürften, sondern die Straße zu nutzen hätten. Das ist Bayerisches Recht. Petry ließ erkennen, dass er die Stelle als katastrophal ansieht, eine Verbesserung hatte er jedoch nicht in petto.

Für Rita Ortler (SPD) stellte sich zunächst die Frage nach den Unfallschwerpunkten, die für sie Priorität eins bekommen müssten. Die Piktogramme sah sie insofern kritisch, dass die Markierungen erfahrungsgemäß nach drei bis vier Jahren abgefahren seien und Folgekosten entstünden.

Wolfgang Goschenhofer (Grüne-Frauenliste) äußerte ebenfalls die Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation vor dem Wemdinger Tunnel, und stellte die Frage, ob man nicht mehr als die bisher im Haushaltsplan verankerten 100.000 Euro pro Jahr für die Umsetzung benötige. Auch einen Mobilitätsbeauftragten für Nördlingen brachte er ins Spiel. Dass ihm seine Stadtratskollegen dabei zustimmen, darf man jedoch bezweifeln.

Wie es nun mit dem Radwegekonzept weiter geht bleibt abzuwarten, das Thema dürfte schon bald wieder zur Debatte stehen.