2. September 2020, 14:41

Corona-Schutz aus Nördlingen

Ein Schulbus der Firma Schwarzer wurde beim Termin mit der Beschichtung behandelt. Das Material dafür und für eine Beschichtung aller Klassenräume der Mittelschule sponsert die Firma Kiel. Bild: Maximilian Bosch
Die Franz Kiel GmbH, europaweiter Marktführer bei Sitzsystemen für Nutzfahrzeuge und ÖPNV, präsentierte am Mittwoch eine Neuheit, die das Leben mit Corona ein gutes Stück einfacher machen könnte: Eine Beschichtung, die Oberflächen vor Viren und Bakterien schützt.

Das Produkt namens „AIRDAL® by Kiel“ soll bei der Eindämmung von Krankheiten und Seuchen helfen, indem es Oberflächen in Bussen und Bahnen vor den Erregern schützt – in Pandemie-Zeiten ist das Gold wert. Bei der Vorstellung der Beschichtung in der Mittelschule in Nördlingen waren dementsprechend neben Vertretern der Firma Kiel auch Oberbürgermeister David Wittner und MdL Dr. Fabian Mehring, Parlamentarischer Geschäftsführer der FW-Regierungsfraktion im Bayerischen Landtag, zugegen. Den ersten damit behandelten Nördlinger Bus stellte das Reisebüro Schwarzer zur Verfügung, vertreten durch Werner Schwarzer. Über den virenfreien Bus und Klassenräume freuen dürfen sich die Kinder der Mittelschule, deren Schulleiterin Marga Riedelsheimer als Gastgeberin fungierte.

Es sei wichtig, so Wittner, dass sich Unternehmen gegen die von der Pandemie ausgehende Bedrohung des Bildungssystems und der Wirtschaft stellen. Um Firmen wie die Franz Kiel GmbH sei man daher sehr froh, und er hoffe, dass dieser Termin der regionale Auftakt für eine überregionale Erfolgsgeschichte werde.

Wie Stephan Stieglauer, Vertriebs- und Marketingleiter bei Kiel, erklärte, habe man im Zuge der Corona-Krise nach Wegen gesucht, um das Vertrauen von Fahrgästen in Bus und Bahn wieder zu stärken. Man kam in Kontakt mit der Airdal GmbH aus Ahrensburg, die auf der Suche nach einem Vertriebspartner für ihr Schutzschicht-Produkt war, und nachdem man sich drei Monate intensiv damit befasst hatte, schlossen die beiden Unternehmen eine Kooperation. Kiel ist jetzt weltweit exklusiver Anbieter für AIRDAL® by Kiel im Bereich Bus und Bahn, in der Luftfahrt wird das Produkt bereits seit zwei Jahren eingesetzt.

Was das Produkt leistet

Daniel Fräde, Vertriebsleiter bei Kiel, erläuterte die Wirkungsweise der Beschichtung. AIRDAL® by Kiel ist eine ultradünne, unsichtbare Schicht aus amorphem Glas, mit der eine zu schützende Oberfläche behandelt wird. Der Schutz funktioniert physikalisch, nicht chemisch, denn er macht sich Magnetismus zunutze: Die Schicht besteht unter dem Mikroskop betrachtet aus kleinsten Spitzen. Positiv geladene Stickstoffmoleküle in der Beschichtung ziehen Viren und Bakterien an, da deren Zellwände negativ geladen sind. Die winzigen Spitzen zerstören die Zellwände und neutralisieren so Viren und Bakterien.

Die Wirkung der Methode hat sich Kiel nachweisen lassen: Das Produkt reduziert das Coronavirus nach einer Stunde um 90 Prozent, nach acht Stunden um 99,9 Prozent. Auch gegen andere Erreger wie Escherichia coli und das Influenzavirus ist AIRDAL® by Kiel effektiv. Es wirkt außerdem gegen Pilze und hemmt Schimmel und Milben. Im Übrigen ist es nicht nur auf festen Oberflächen, sondern auch auf absorbierenden, wie Stoffsitzen, anwendbar. Dort hält der Schutz aber nur drei bis vier Monate, auf nicht-absorbierenden Oberflächen zwölf Monate.

Politik steht dahinter

Laut MdL Fabian Mehring verdiene jede Innovation für mehr Sicherheit und Freiheit während der Pandemie politische Unterstützung. Dass die Firma Kiel verschiedene Zertifikate (u.a. von EuroVir Hygiene-Labor, DEKRA und Helmholtz) eingeholt habe, zeige, dass es sich dabei nicht um das aufkommende Corona-Glücksrittertum, sondern um einen ersthaften Beitrag handele. Das bereits in Flugzeugen, Bussen und Bahnen eingesetzte Produkt könne auch andernorts, z.B. in Behörden, Schulen usw. helfen, ein Stück weit zur Normalität zurückzukehren. Mehring stellte allerdings eines klar: „Wir präsentieren hier nicht die Lösung, die Corona für immer vertreibt.“ Aber man könne die Schmierinfektionen damit deutlich reduzieren. Er wolle dem Leiter des Coronavirus-Krisenstabs der Landesregierung Florian Herrmann und Kultusminister Michael Piazolo das Produkt vorstellen. Ob es dann flächenwirksam schnell eingesetzt werde solle relativ schnell entschieden werden.

Zu den Kosten: Ein Set bestehend aus Reiniger (zur Vorbehandlung) und Beschichtung kostet 400 Euro und reicht für 100 m², was den Flächen in einem Reisebus bzw. zwei Stadtbussen entspricht. Dafür hält der Schutz dann aber auch ein Jahr lang – das dürfte es vielen Reiseunternehmen wert sein, zumal im Raum steht, dass die Behandlung die derzeit vorgeschriebenen Desinfektionen von Bussen und Bahnen ersetzen könnte.

Bei der Präsentation: rechts und links je ein Mitarbeiter der Firma Kiel, dazwischen (von links) Werner Schwarzer, Stephan Stieglauer, Dr. Fabian Mehring, David Wittner und Daniel Fräde. Bild: Maximilian Bosch