24. November 2020, 16:17

Petition fordert: B25 soll in Möttingen bleiben

Rund 14.000 Fahrzeuge fahren täglich durch Möttingen. Bild: Matthias Stark
Droht Möttingen ein Geisterdorf zu werden? Das befürchtet eine Gruppe von Bürger und Bürgerinnen, sollte die B25-Umfahrung kommen. Deshalb machen sich die Initiatoren für den Erhalt der Ortsdurchfahrt stark.

Die Ortsdurchfahrung der B25 bei Möttingen ist wieder Thema. Auf einer Länge von rund zwei Kilometern fahren täglich rund 14.000 Fahrzeuge durch den Ort. Für die Anwohner eine Belastung, für die Unternehmen ein wichtiger Frequenzbringer. So machen Durchreisende einen Anteil von rund 50 Prozent der Kunden in einem Möttinger Supermarkt aus. Kunden, ohne die sich der Betrieb kaum halten könnte. Aus diesem und vielen weiteren Gründen hat sich nun eine Gruppierung formiert, die sich für den Erhalt der Ortsdurchfahrung ausspricht. Die Gruppe besteht aus Menschen aller Ortsteile. "Wir wollen eine vernünftige und zweckdienliche Verkehrslösung für Möttingen. Nicht mehr, sondern weniger Belastung der Menschen und Natur durch Verkehr. Verkehr soll dienen und möglichst wenig belasten. Wir wollen den Erhalt der vitalen Infrastruktur unserer Gemeinde durch den Erhalt der bestehenden B25 Ortsdurchfahrt, keine Umfahrung ohne Nutzen und schon gar nicht auf Kosten massiver Zerstörung von Natur und Umwelt", machen die Initiatoren in einem Schreiben deutlich. "Wir setzen uns im Bestand für sinnvolle Innovation und kreative Lösungen ein. Wir wollen das Interesse des überwiegenden Teils unserer Mitbürger in Möttingen und den Teilgemeinden vertreten und zu Gehör bringen. Das Gesamtwohl der Gemeinde zählt für uns mehr als das Interesse Einzelner." Gestartet wurde am vergangenen Samstag nun eine Online-Petition. Mittlerweile haben rund 280 Menschen unterschrieben, 170 davon leben in Möttingen. 

Der Initiative angeschlossen hat sich auch Günter Enßlin von der gleichnamigen Zimmerei in Möttingen. Die Bundesstraße läuft direkt an seinem Betrieb vorbei. „Die Bundesstraße ist die Lebensader der Gemeinde. Wir haben nur 2.600 Einwohner in Möttingen, aber mit Banken, Tankstellen, Apotheke und Supermärkten eine mehr als gute Nahversorgung. Das alles ermöglicht die Bundesstraße“, macht der Unternehmer deutlich. „Verlagert sich die Bundesstraße, werden wir eine Entwicklung erleben, wie auf dem Baywa-Gelände. Betriebe werden schließen und zurück bleiben Brachflächen.“ Außerdem würde eine Verlegung der Bundesstraße die weitere Entwicklung der Gemeinde behindern.

Enßlin hat seinen Betrieb vor 30 Jahren im Gewerbegebiet "Enkinger Weg" eröffnet und war seinerzeit der erste, der sich dort ansiedelte. Möttingen ist heute seine Heimat. Was ihn aber besonders stört ist, dass die Kritik hauptsächlich von Neubürgern kommt, die in den vergangenen Jahren Häuser an der Bundesstraße gekauft haben. „Sie haben die Immobilien wissentlich günstig erworben mit einer viel frequentierten Bundesstraße vor der Tür. Und nun protestieren sie dagegen. Dann hätten sie die Gebäude einfach nicht kaufen sollen“, macht der Zimmerermeister abschließend deutlich.

Sollten die Bürger befragt werden?

Die B25 ist auch ein Thema, welches Bürgermeister Timo Böllmann seit seinem Amtsantritt ständig begleitet. "Das Thema B 25 bzw. Ortsumfahrung wird seit Jahrzehnten in der Gemeinde kontrovers diskutiert. Hier stoßen mehrere Interessen aufeinander. Die Bürger haben das Recht, Initiativen - ob Pro oder Contra Umfahrung – zu gründen", erklärt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Er macht aber auch deutlich, dass die Möglichkeiten der Gemeinde im Moment eingeschränkt sind, da es ein Thema des Bundes ist und dieser das Staatliche Bauamt mit der Prüfung der Trassen beauftragt hat. "Sobald das Staatliche Bauamt eine genehmigungsfähige Variante erarbeitet hat, wird die Gemeinde Möttingen hierzu gehört. In wie weit unsere Stellungnahme dazu gewichtet wird, kann man derzeit nicht einschätzen."

Auf die Frage, ob man die Bürger in einer Befragung um ein Votum bitten soll, macht Böllmann deutlich, dass die Möglichkeiten hier eingeschränkt sind. "Ein Bürgerentscheid oder ein Ratsbegehren ist nur möglich, wenn die Gemeinde hierzu eine Entscheidung treffen kann. Dies ist hier nicht der Fall, da die Zuständigkeit beim Bund liegt", so der Rathauschef weiter, der eine Einbindung des Bürgerwillens gut heißen würde. "Eine Befragung der Bürger würde ich aber sehr begrüßen, da die Meinung der Bürgerinnen und Bürger mit in die Entscheidung einfließen sollte."

Auf seine persönliche Einschätzung gefragt erklärt der Bürgermeister, es sollte auf jeden Fall geprüft werden, ob es eine Möglichkeit gibt, die Ortsdurchfahrt zu belassen, dabei aber mit verschiedenen Maßnahmen die Anwohner zu entlasten und die Gewerbetreibenden nicht zu benachteiligen