24. September 2018, 09:00

10 aus 40: Regionalgespräch mit Ruth Meißler

Ruth Meißler ist gerne in ihrem Garten. Bild: Mara Kutzner
Ruth Meißler aus Nördlingen ist Kreisbäuerin, Hauswirtschaftsmeisterin, Kreisrätin und ehemalige Lehrerin. Mara Kutzner hat mit ihrer über Landwirtschaft und Politik gesprochen. Das gesamte Interview lest ihr in der aktuellen blättle Ausgabe 22. 
Liebe Frau Meißler, danke, dass Sie sich Zeit für unserer Regionalgespräch nehmen. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes in die Landwirtschaft hineingeboren. Wie und wo sind Sie aufgewachsen?
Ruth Meißler: Ich bin in Ehingen am Ries auf dem Hof meiner Eltern aufgewachsen. Mein Vater ist verstorben, als ich 13 war. Damals gab es keinerlei soziale Absicherung in der Landwirtschaft und ich musste als älteste Tochter mit meiner Mutter zusammen schauen, dass der Betrieb weiterläuft. Mit 14 habe ich dann eine Ausbildung im dualen System in der ländlichen Hauswirtschaft gemacht und dann in den Hof meines Mannes eingeheiratet.
Seit 2007 sind Sie Kreisbäuerin und damit gemeinsam mit dem Kreisobmann Karlheinz Götz an der Spitze des BBV. Welche Aufgaben sind mit Ihrem Amt verbunden?
R. M.: Es ist sehr wichtig, dass wir Bauern organisiert sind und mit einer gemeinsamen Stimme sprechen, denn wir nehmen zwei Prozent der Gesamtbevölkerung ein. Wir stehen im Dialog mit der Politik und können unsere Empfehlungen aussprechen, denn oft sehen Praktiker vieles anders als Politiker am Schreibtisch. Im September organisieren wir im Bauernverband zum Beispiel ein Gespräch mit den Landtagskandidaten, bei dem es um viele brisante Themen in Sachen Landwirtschaft gehen wird. Wir machen auch viel Öffentlichkeitsarbeit, veranstalten den Landfrauentag und geben Informationen des Bezirks an unsere Mitglieder weiter. Gerade läuft auch eine Unterschriftenaktion, denn uns Landwirten nimmt man erst Land weg, um Straßen zu bauen, auf Kraftfahrstraßen darf man mit dem Schlepper dann aber nicht mehr fahren – so gerade in Wallerstein geschehen. Das kann nicht sein.
Als Kreisbäuerin ist es Ihnen ein großes Anliegen, dass Kinder schon in der Grundschule Wissen über gesunde Ernährung und Landwirtschaft vermittelt bekommen. Wie erreichen Sie das?
R. M.: Bei unserem Projekt „Landfrauen machen Schule“ dürfen sich Schulklassen Themen wie Fleisch, Milch, Kartoffeln, Getreide oder Gemüse auswählen. Im Unterricht werden die Themen vorbereitet und unsere Ernährungsfachfrauen kochen mit den Kindern ein kleines Gericht zum Thema. Mit der Klasse besuchen wir einen Bauernhof und schauen uns dort an, wie Lebensmittel produziert werden. Letztes Mal wurde auch das Thema Fleisch gewählt, das ist ja eigentlich immer so ein Tabuthema. Ich finde es aber wichtig, dass Kinder sehen, dass es den Tieren gut geht und sie dann irgendwann geschlachtet werden.
Sie sind auch politisch aktiv und sitzen für die CSU im Kreistag. Welche politischen Themen stehen für Sie als Kreisrätin ganz oben auf der Agenda?
R. M.: Das Gesundheitssystem mit den Landärzten und der ärztlichen Versorgung, aber auch die Flüchtlingsthematik. Ich sitze mit im Umweltausschuss und im Ausschuss für Schule, Familie und Sport. Dass jetzt das Radwegekonzept im Kreis überarbeitet wird, ist mir wichtig. Auch der geografische Wandel darf hier in der Region nicht außer Acht gelassen werden. Und natürlich zu allem, was die Landwirtschaft betrifft, möchte ich meine Meinung sagen.
Bei so viel ehrenamtlichem und politischem Engagement, darf die Arbeit auf ihrem eigenen Hof nicht zu kurz kommen. Reden wir über die Privatperson Ruth Meißler. Für was sind Sie auf Ihrem Hof zuständig?
R. M.: Mittlerweile für nicht mehr so viel, weil mein Sohn jetzt Betriebsleiter ist. Aber in Arbeitsspitzen kann man auf mich zählen. Dann sitze ich auch mal selbst auf dem Schlepper. Ansonsten bin ich für Haus, Hof und Garten zuständig.
Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Spaß?
R. M.: Dass man so in den Jahreskreis eingebunden ist. Im Frühling wird ausgesät und man sieht alles wachsen und sich entwickeln. Im Sommer dann die Ernte und wenn die Tage im Herbst und im Winter wieder kürzer werden, wird auch der Betrieb auf dem Hof langsamer.
Sie kochen und backen sehr gerne. Kaufen Sie eigentlich alle Zutaten bei Direktvermarktern ein?
R. M.: Ich gehe gerne auf den Wochenmarkt in Nördlingen, aber kaufe auch im Supermarkt ein. Dort schaue ich aber bewusst darauf, wo die Lebensmittel herkommen. Obst und Gemüse verarbeite ich natürlich am liebsten aus dem Garten.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?
R. M.: Gesundheit für die ganze Familie, denn das ist das Wichtigste.