2. Dezember 2019, 08:00

Das Dorf zwischen Donau und Lech

In der Herrgottsruhkapelle in Oberndorf wurde im Oktober 300-jähriges Weihejubiläum gefeiert. Bild: Mara Kutzner
Genau im Dreieck zwischen Asbach-Bäumenheim, Mertingen und Rain am Lech, eingebettet zwischen Lech und Donau liegt die Gemeinde Oberndorf. Mit seinen Ortsteilen Eggelstetten und Flein zählt Oberndorf etwas über 2500 Einwohner. Der Bürgermeister heißt Hubert Eberle, und er begleitet mich auf meinem Spaziergang durch die Gemeinde.

Heutiger Treffpunkt ist die Gemeindeverwaltung in der Eggelstetter Straße. Der Bürgermeister begrüßt mich in seinem Büro. Seit 2002 leitet Hubert Eberle die Geschicke der Gemeinde, damals wurde er zum Nachfolger des derzeitigen Landrat Stefan Rößle gewählt. Bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 will Eberle nicht mehr antreten.

Nach einer kurzen Unterhaltung im Büro des Bürgermeisters machen wir uns gemeinsam auf unsere Tour durch die Gemeinde. Vor der Gemeindeverwaltung wird zurzeit fleißig gearbeitet, denn schon seit März wird die Ortsdurchfahrt ausgebaut. Die Ausbaustrecke beginnt an der Einmündung Mertinger Straße und führt über die Dorfstraße bis zur Eggelstetter Straße. Von dort aus führt der Ausbau weiter zum Ortsende von Oberndorf. Insgesamt wird die Ortsdurchfahrt mit einer Länge von über einem Kilometer ausgebaut. Neben der Straße werden auch die Gehwege auf Vordermann gebracht und neugepflastert. Bürgermeister Hubert Eberle freut sich vor allem über die Erneuerungen, die nicht unmittelbar zu sehen sind. Die Kanal- und Wasserleitungen, bei denen es sich an dieser Stelle um die ältesten der Gemeinde handelt, wurden bereits erneuert. Mitte November sollen die Baumaßnahmen beendet sein und wieder „Freie Fahrt“ in Oberndorf herrschen. Nicht nur der Bürgermeister, sondern auch viele Bürger freuen sich schon auf diesen Moment.

Von der Eggelstetter Straße geht es in Richtung Pater-Frey-Ring und die Kratterstraße entlang bis zur Einmündung in der Rainer Straße. Der Weg führt uns dann in Richtung Süden, entlang des Mühlbachs, bis wir in die Kapellstraße einbiegen und vor der Herrgottsruhkapelle Halt machen. Das imposante Kirchlein ist mir schon aufgefallen, im Dorf ankam. Erst am 20. Oktober feierten die Oberndorfer mit einem Gottesdienst mit Weihbischof Florian Wörner das 300-jährige Weihejubiläum der Herrgottsruhkapelle. Rechtzeitig zum 300-jährigen Jubiläum konnte die Figur des gegeißelten Heilands über dem Haupteingang renoviert werden, auch die Altartücher und Teppiche wurden für dieses besondere Ereignis erneuert.

Von der Kapelle aus ist es nur einen Katzensprung zum Schloss Oberndorf. Weil das Schloss mittlerweile in Privatbesitz ist, können wir nur durch den Zaun einen Blick auf das Gebäude erhaschen. Bürgermeister Eberle kann aber trotzdem einiges dazu erzählen. So erfahre ich, dass das sogenannte Fuggerschloss so heißt, weil im Jahr 1533 Raymund Fugger das Schloss und Gut Oberndorf erwarb. Sein Bruder Anton Fugger ließ dann ein imposantes vierflügeliges Wasserschloss errichten. Später, im Jahr 1601 wurde es zum Residenzschloss von Anton Fugger des Jüngeren. Während des Dreißigjährigen Krieges brannte das Schloss komplett aus, als die Schweden in Oberdorf einzogen. Nur ein kleiner Teil des früheren Schlosses blieb erhalten und wurde dann von einem weiteren Fugger, Sebastian Eligius, zum heutigen Gebäude umgebaut. Heute ist das Schloss mit seinem Innenhof, dem Marstall, dem St.-Georg-Saal und der märchenhaften Parkanlage eine beliebte Location für Hochzeiten und andere Festlichkeiten.

Geht man vorbei am Schloss, führt der Weg hinein in den Auwald. Der Waldweg führt vorbei an einem kleinen Pavillon, der von Spaziergängern und Wanderern als Ruhestätte genutzt wird. Läuft man noch etwas weiter hinein in den Wald, entlang des Bachlaufs, steht man plötzlich von der Lourdesgrotte. Hubert Eberle schwärmt von den stimmungsvollen Maiandachten und Lichterprozessionen, die hier jedes Jahr am Muttertag abgehalten werden. Denn im Marienmonat Mai pilgern nicht nur tausende Gläubige zu großen Wallfahrtsortenwie Lourdes oder Altötting, auch kleine Marienheiligtümer sind dann Ziel von Prozessionen. Die Oberndorfer Grotte wird dann stimmungsvoll dekoriert und im Schein von hunderten Kerzen die Gottesmutter im Gebet begrüßt. Wir genießen noch kurz die Stille im Wald und bei der Grotte, bevor wir uns weiter auf den Weg machen.

Die Oberndorfer Lourdesgrotte im Auwald. Bild: Mara Kutzner

Zurück geht es wieder vorbei am Schloss und dann die Rainer Straße und die Mertinger Straße entlang nach Süden, um dann rechts in die Fischerstraße einzubiegen. Von dort aus geht es weiter über die Kirchgasse ins Dorfzentrum. Der Dorfplatz an der Pfarrkirche St. Nikolaus wurde bereits vor über zehn Jahren erneuert. Am Kriegerdenkmal macht mich Bürgermeister Hubert Eberle auf eine Besonderheit aufmerksam: Über dem Gedenkstein für Vermisste und Verstorbene im Krieg hängt eine Kirchenglocke. Früher einmal war sie in der Herrgottsruhkapelle, die wir bereits vorher besucht hatten. Weil die Glocke 2003 erneuert wurde, schmückt sie nun das Denkmal. Optischer Mittelpunkt des Platzes ist ein Brunnen. Er wurde von Steinmetz Helmuth Hampel geschaffen. Mit der Fuggerlilie symbolisiert der Brunnen das Wappen der Gemeinde. Kirche, Friedhof und Gasthof rahmen den Dorfmittelpunkt ein.

Viele Baumaßnahmen in der Gemeinde

Von hier aus fahren wir mit dem Auto weiter. Erst in den Ortsteil Flein und dann weiter in den Ortsteil Eggelstetten. Hier, an der Filialkirche St. Margareta, wurde vor einigen Jahren der Dorfmittelpunkt von Eggelstetten erneuert. Hubert Eberle und ich fahren gemeinsam die Hauptstraße entlang und legen einen kurzen Stopp am Vereinsheim ein. Auch hier wird gerade fleißig gewerkelt. Es entsteht zurzeit ein Anbau, in dem zum Beispiel Schießstände für die Schützen untergebracht werden sollen. Die Ortsdurchfahrt durch Oberndorf und das Vereinsheim sind längst nicht alle Baumaßnahmen, die Hubert Eberle gerade beschäftigen. Am nördlichen Ortsrand wird momentan eine neue Kläranlage gebaut. Das 4,2 Millionen Projekt ist die größte Baumaßnahmen, welche die Gemeinde jemals stemmen musste. Außerdem wird der Kindergarten neu gebaut, in das alte Gebäude soll die Mittagsbetreuung ziehen.

Vom Vereinsheim fahren wir noch ein Stückchen weiter, bis zum Campingplatz. Nicht unweit davon liegt der Neun-Loch-Platz des Golfclubs Eggelstetten. Der Ort ist dadurch beliebt bei Ausflüglern, Campern und Golfspielern.

Von Eggelstetten fahren wir gemeinsam zurück nach Oberndorf und kommen direkt am Dorfladen vorbei. Engagierte Bürger haben 2018 den Laden eröffnet. Um die Finanzierung des Dorfladens stemmen zu können, haben die Bürger über 600 Anteilsscheine im Wert von je 150 Euro gezeichnet. Fördergelder vom Amt für ländliche Entwicklung kamen hinzu und die Gemeinde stellte das Grundstück an der Eggelstetter Straße zur Verfügung. Der Dorfladen wird von zwei Bäckereien, einem Metzger, Gemüsehändlern, Hofläden und anderen regionalen Herstellern beliefert. Besonders auffallend sind neben den vielen Produkten aus der Region auch die Bio-Ware unter dem Gemüse, dem Obst und den Grundnahrungsmitteln. Ein Großteil der Lebensmittel, Drogerieartikel und Getränke werden von Edeka geliefert. Das dazugehörige Café Nepumuk ist zu einem neuen Treffpunkt für Bürger geworden. Hinterhalb des Dorfladens wurde ein neues Baugebiet erschlossen. Nicht nur Bauplätze für junge Familien sind hier geschaffen worden, auch der neue Kindergarten soll hier gebaut werden.

Vom Baugebiet am Dorfladen fahren wir zurück zur Gemeindeverwaltung, wo ich mich von Bürgermeister Hubert Eberle verabschiede und für die informative Tour durch seine Gemeinde bedanke.