10. Dezember 2019, 08:00

Der Natur ganz nah sein im Wemdinger „Heilwald“

Bild: Jenny Wagner
Waldspaziergänge tun nicht nur dem Körper gut, sondern auch der Seele. Vor allem dann, wenn man die Natur mit allen Sinnen wahrnimmt. Im Wemdinger Wald nahe des Waldsees ist eine kleine Ruheoase entstanden, die vom stressigen Alltag entschleunigen soll.

Jahrtausendelang streifte der Mensch durch Wälder, ernährte sich von Beeren und von allem was er fand und er war dabei der Natur ganz nah. Mittlerweile müssen wir nicht mehr in den Wald gehen, um uns auf Nahrungssuche zu machen, sondern gehen einfach in den Supermarkt. Doch dass der Wald für uns Menschen nicht nur über Jahrtausende Bezugsquelle für Nahrung war, sondern auch unserem Körper und unserem Geist wohl tat, das gerät immer mehr in Vergessenheit.

In Japan gibt es den Trend zum Waldbaden schon seit vielen Jahrzehnten, die Nutzung des Waldes zur Gesundheitsvorsorge und zum Stressabbau hat dort eine lange Tradition. Im Jahr 1982 prägte Japans oberster Forstchef Akyama Tomohide den Begriff „Waldbaden“ – oder wie er es nannte „Shinrinyoku“. Das Wort Yoku bedeutet indes nicht nur baden, „sondern meint auch heilen“. Seit August 2019 kann man auch in Wemding in unmittelbarer Nähe des Waldsees der Natur ganz nah sein und im Wald auf Tuchfühlung mit der Natur gehen.

Wemdinger Stadtrat begeistert vom Konzept

„Angefangen hat alles“, berichtet Josef Meyer vom Verein Lebendiges Wemding, „als unser Mitglied Alois Held vor knapp zwei Jahren uns von einem Heilwald auf Rügen erzählte“. Von Anfang an waren die Mitglieder des Vereins begeistert von dem Vorschlag. „Bereits nach kurzer Zeit ist die Erkenntnis gereift, dass die Entstehung eines Heilwaldes auch in unserer Stadt möglich wäre“, so Josef Meyer. Mit der Idee im Gepäck traten die Verantwortlichen des Vereins an den Stadtrat heran und bekamen eine Zusage. „Die Kosten für die Umsetzung wurden sofort im Haushalt mitaufgenommen“, erzählt Josef Meyer. Doch nicht nur von Seiten der Stadt Wemding erhielten die Vereinsverantwortlichen große Unterstützung, sondern auch von örtlichen Firmen und der Forstverwaltung.

Einfach mal die Seele baumeln lassen

Inspiration, wie die Ruheoase im Wald aussehen soll, hat sich der Verein dann in Bad Wörishofen geholt. „Wir wollten, dass sich der Ort an einer Lichtung befindet“, erzählt Sylvester Hänsel vom Verein Lebendiges Wemding. Außerdem galt zu den Anforderungen, dass Solitärbäume das Gebiet zäunen sollen, dass ausreichend Parkmöglichkeiten vorhanden sind und dass kein Verkehrslärm die Besucher stört. „Es wurden schließlich vier Standorte innerhalb des Waldes genauer unter die Lupe genommen, bevor wir uns dann auf einen Platz geeinigt haben“, erzählt Wemdings Bürgermeister Dr. Martin Drexler. Schließlich konnte dann im Sommer diesen Jahres die Waldlichtung mit einer neuen Liegebank für zwei Personen sowie neuen Bänken und einem Tisch hergerichtet werden.

Über die Bereicherungen im Wemdinger Forst freuen sich (von links): Sylvester Hänsel, Josef Meyer, Dr. Martin Drexler und Gottfried Hänsel. Bild: Jenny Wagner

„Mit dieser Oase im Grünen haben wir ein weiteres Tourismusangebot in Wemding schaffen können“, berichtet Dr. Drexler und führt weiter an: „Die Ideen des Vereins greifen gut in die Überlegungen der Stadt in Bezug auf Nachhaltigkeit, Gesundheitstourismus und Ökologie mit ein.“

TIPP: Der Verein für ambulante Krankenpflege Wemding e.V. bietet im 14-tägigen Rhythmus Kursabende zum Thema Waldbaden an. Geschultes Fachpersonal zeigt vor Ort Übungen wie man richtig atmet, Stress abbaut und zur inneren Ruhe findet. „In Kombination mit unserem Kneipp-Gesundheitswanderweg bieten wir auf einem Rundweg durch Wald, Flur und Stadtgraben einen wahren Gesundheitsbrunnen an“, so Gottfried Hänsel, Vorsitzender Verein für ambulante Krankenpflege Wemding e.V..

Kontakt und mehr Informationen gibt es auf der Internetseite des Vereins unter: www.krankenpflege-wemding.de