31. Oktober 2020, 09:00

Jedes Kreuz hat eine Geschichte

Das Mädchenkreuz von Schweinspoint Bild: Diana Hahn
Flurkreuze oder Feldkreuze gibt es in unserer Region viele. Sie können Gedenkstätte, Mahnmal oder auch Wegweiser sein. Ein besonderes Kreuz, das sogenannte Mädchenkreuz in Schweinspoint hat uns Viktoria Raab gezeigt.

Seit nunmehr 85 Jahren steht auf dem Geisberg in Schweinspoint, dort wo auch der Ostbayerische Jakobsweg vorbeiführt, das sogenannte Mädchenkreuz. 1935 wurde es dort von den ledigen Mädchen aus Schweinspoint aufgestellt. Warum genau das Kreuz dort aufgestellt wurde, weiß heute allerdings niemand mehr genau. Über die Jahre hinweg geriet das Kreuz mehr und mehr in Vergessenheit und der Zahn der Zeit nagte daran.

         Es steht ein Kreuz am Wegesrand Und lädt Dich ein zum Beten.

         Schon mancher dabei Trost empfand In seinen Sorg und Nöten.

Das änderte sich im Jahr 2010, als die Schweinspointerin Viktoria Raab sich Gedanken darüber machte, was sie für ihre Heimatgemeinde tun könnte. Da Viktoria Raab eine Ader für das Schreiben von Texten und Gedichten hat, entschied sie sich dafür ein Heimatlied für Schweinspoint zu verfassen. Dieses ließ sie auf Flyer drucken und anschließend verteilte sie den Flyer gegen eine Spende. Mit dem so entstandenen Betrag wollte die Schweinspointerin etwas Gutes für ihre Heimatgemeinde bewirken.

         Ja du mein Heimatort am Jurahange, da steht mein Elternhaus, mein

               trautes Heim. Ja hier in Schweinisbuid am Donaustrande

                          Möchte ich noch lange froh und glücklich sein.

                                  (Refrain Heimatlied Schweinspoint)

Allerdings fand sie niemanden, der die Spende annehmen wollte. „Weder Pfarrer noch Bürgermeister hatten zum damaligen Zeitpunkt Verwendung dafür“, erzählt Viktoria Raab. Auf der Suche nach einem Verwendungszweck erinnerte sich Raab daran, dass ihr ihre Mutter vom Mädchenkreuz auf dem Geisberg erzählt hatte. Also entschloss sich Raab das Geld in die Instandsetzung des Mädchenkreuzes zu investieren. Oben auf dem Geisberg machte sie sich mit vielen freiwilligen Helfern daran, das Kreuz und den dazugehörigen Platz wieder instand zu setzen. So wurde das Kreuz vom Schweinspointer Schreiner Xaver Stark nach altem Vorbild neu erstellt. Der Platz um das Kreuz wurde im darauffolgenden Jahr in Angriff genommen. Raab und ihre Helfer schufen dort ein wahres Kleinod, von wo aus man einen herrlichen Blick auf die Umgebung hat. Rund 77 Jahre nachdem das ursprüngliche Kreuz aufgestellt worden war, wurde am 15. August 2012, das neue Kreuz mit einer Andacht eingeweiht. „Das ging nur weil alle zusammengehalten haben“, erklärt Viktoria Raab stolz.

„Weil hier auch der Ostbayerische Jakobsweg vorbeiführt, habe ich hier oben ein Gipfelbuch hinterlegt, damit sich vorbeikommende Wanderer in das Buch eintragen können“, so Raab.

Auf vielen Seiten des Buches finden sich mittlerweile Nachrichten, Gedichte und auch Zeichnungen, die Wanderer oder Pilger dort hinterlassen haben. Und auch von manchen Sorgen und Nöte kann man im Buch lesen. Viktoria Raab kann auch von besonderen Begegnungen oben auf dem Geisberg berichten: „Als ich eines Tages hier oben war, kamen zwei Frauen aus Reute vorbei, die sich erkundigten, ob sie hier zelten könnten. Allerdings zog da auch gerade ein Gewitter auf. Weil ich mir da schon Sorgen um die Damen machte, habe ich die beiden kurzerhand mit zu mir genommen. Am nächsten Tag haben die beiden dann auch noch bei mir gefrühstückt und sind dann weitergezogen.“

Gemeinsam mit Frauen aus Marxheim und Schweinspoint hegt und pflegt Viktoria Raab das Kreuz und den dazugehörigen Platz. Für die Zukunft wünscht sich Viktoria Raab, dass dieses Kleinod erhalten bleibt.