14. November 2020, 09:00

Mehr als 700 Jahre Müllertradition

Der Mühlenhof früher Bild: Bruckmühle
Sie ist eine der ältesten Mühlen im Ries. Die Bruckmühle in Nähermemmingen erlebte Kriege, brannte ab, wechselte den Standort, die Besitzer und ihre Funktion. Seit über 135 Jahren ist sie im Besitz der Familie Gerstmeyr.

Schon vor dem Jahr 1300 wurde die Bruckmühle in Nähermemmingen erstmalig urkundlich erwähnt – und gehört damit zu den ältesten Mühlen im Ries. Mehr als 500 Jahre war sie die Hausmühle der Kleinerdlinger Johanniter. Damals stand die Bruckmühle noch ungefähr 300 Meter egeraufwärts. 1648, im letzten Jahr des Dreißigjährigen Krieges, brannte die Mühle ab und wurde anschließend am heutigen Standort neu aufgebaut. Zeitweise wurde die Bruckmühle nicht nur als Getreidemühle, sondern auch als Hammerschmiede, Gipsmühle und Ölmühle genutzt. 1884 erwarb der junge Kaspar Gerstmeyr aus Goldburghausen die Bruckmühle und begründete damit die Familientradition, welche bis heute besteht. Die Mühle wurde damals durch vier Wasserräder betrieben. Diese wurden vor gut 100 Jahren von einem sogenannten „Zuppinger-Wasserrad“ mit sechs Metern Durchmesser abgelöst. Eben dieses bestens erhaltene Wasserrad steht seit 2018 in der Nähe des angrenzenden Mühlenwanderwegs Eger, als Zeichen für die gelebte Müllertradition der Bruckmühle. Bald erhöhte ein Motor mit 26 PS die Antriebskapazität, bevor 1954 mit dem Einbau einer Saugrohrturbine die Elektrotechnik Einzug hielt. Die Mühlenprodukte wurden bis in das Jahr 1948 mit dem Pferdegespann an die Kunden ausgeliefert. Danach übernahm dies über 20 Jahre lang ein Unimog, bevor die ersten eigenen Lastwagen angeschafft wurden.

Mühlenladen eröffnet

Ab 1971 führte Hans Gerstmeyr den Betrieb und rüstete ihn über Jahrzehnte mit Umsicht und Tatkraft für die Zukunft. So wurde in den 70ern ein weiteres Standbein durch den Handel mit Futtermitteln aufgebaut und in den 90er Jahren ein Mühlenladen eröffnet. In den Jahren 2001 und 2002 wurde einer der größten Bauabschnitte in der Bruckmühle durchgeführt. Eine moderne Getreideerfassungsanlage mit Maschinen zur Getreideaufbereitung, eine Dammwandsiloanlage und ein technisches Büro sowie ein neuer Laborraum konnten in Betrieb genommen werden. Es folgten verschiedene Bauabschnitte mit Bodenwaage, Rundsilos und einer zweiten Getreideannahme, die sogenannte Gosse, um weiterhin bei der Be- und Entladung schlagkräftig zu sein. Auch die Getreidemühle wurde grundlegend modernisiert – zuletzt 2014. Wegen hoher Kundennachfrage war eine komplette Runderneuerung unausweichlich. Neuste Technik konnte bei dem Großumbau mit Energieeinsparungen und ökologischen Standards verbunden werden.