1. Januar 2021, 09:28

Regionalgespräch: Auf ein Tässchen mit... Petra Wagner

Seit 2014 ist Petra Wagner Oettingens Bürgermeisterin. Wir haben mit ihr unser Regionalgespräch geführt. Bild: Stadt Oettingen
Seit März 2014 ist Petra Wagner Oettingens Stadtoberhaupt aber bereits vorher war sie Kommunalpolitikerin mit Leib und Seele. In ihrem Amt als Bürgermeisterin setzt sie sich vor allem dafür ein, Oettingen zukunftsfähig zu machen. Auch im Kreistag arbeitet die gebürtige Oettingerin in mehreren Ausschüssen mit. Zudem ist sie im Kuratorium der Oettinger Residenzkonzerte tätig. Das Gespräch führte Diana Hahn.

1 Hallo Frau Wagner, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für unser Regionalgespräch genommen haben. Das Gespräch steht immer unter dem Motto "Auf ein Tässchen mit...". Was darf es für Sie sein: Ein Tässchen Tee oder ein Tässchen Kaffee?
Kaffee. Tee trinke ich nur, wenn ich richtig krank bin.

2 Haben Sie eine Lebensphilosophie oder ein Motto?
Zufrieden sein!

3 Lieber Hausmannskost oder exotische Küche?
Hausmannskost.

4 Telefon oder E-Mail?
Das Telefon. Da ist der persönliche Kontakt besser. Aber auch um das E-Mail schreiben komme ich nicht herum.

5 Morgenmuffel oder Frühaufsteher?
Frühaufsteher und Nachteule.

6 Morgens lieber Zeitung oder Radio?
Zeitung auf dem Tablet. Radio ist mir morgens noch zu viel.

7 Ihre liebste Jahreszeit?
Eindeutig Sommer. Da freue ich mich besonders, wenn die Sonne scheint, es heiß ist und die Abende lau sind.

8 Im Urlaub lieber in die Berge oder an den Strand?
Berge.

9 Beschreiben Sie sich mit drei Eigenschaften:
Optimistisch, nicht nachtragend, Menschenfreund

10 Tagmensch oder nachtaktiv?
Auf jeden Fall nachtaktiv.

11 Was machen Sie am liebsten in Ihrer Freizeit?
Sport. Laufen und walken.

12 Der Jakobsweg in Bayerisch Schwaben führt auch durch Oettingen? Sind Sie schon mal gepilgert?
Nein, gepilgert bin ich noch nicht. Aber ich mache in jedem Jahr die Wallfahrt von Oettingen nach Wemding mit. Es würde mich aber durchaus reizen, ein Stück auf dem Jakobsweg zu gehen.

13 Haben Sie einen Lieblingsort in Oettingen?
Sogar mehrere: Unter anderem das Freibad und auch das Roßfeld.

14 Sind Sie gebürtige Oettingerin?
Ja. Original-Oettingerin.

Lassen Sie uns über Ihren Beruf sprechen. Seit fast vier Jahren sind Sie Oettingens Bürgermeisterin.

15 Bürgermeisterin: Traumberuf oder Berufung?
Die Berufung wurde zum Traumberuf. Meine Arbeit macht mir einfach unheimlich viel Spaß. Obwohl es viel Arbeit ist. Aber ich bin in meinem Beruf absolut angekommen.

16 Wann beginnt Ihr Arbeitstag?
Eigentlich schon zu Hause wenn ich die Zeitung lese und E-Mails checke.

17 Wann endet Ihr Arbeitstag?
Das kommt darauf an, was alles ansteht. Eigentlich bin ich ja 24 Stunden im Dienst. Wenn ich nach dem offiziellen Feierabend noch etwas trinken gehe, kann es passieren, dass noch weiter politisiert wird. Aber auch zu Hause kann das schon vorkommen. Eigentlich gehe ich immer mit dem Blick der Bürgermeisterin durch die Stadt und habe ein Auge auf Bürgersteige oder Asphaltdecken. Jeder Gang durch die Stadt ist eigentlich eine ‚Betriebsbesichtigung‘.

18 Wie sieht ein normaler Arbeitstag im Leben der Oettinger Bürgermeisterin aus?
Das sind viele Aufgaben, die jeden Tag auf mich warten. Morgens checke ich zunächst meine Mails und bespreche mich mit dem Geschäftsführer. Natürlich schaue ich dann auch die Post durch und muss täglich viele Unterschriften leisten, damit Vorgänge vorangebracht werden können. Außerdem habe ich jeden Tag viele Besprechungstermine. Abends stehen dann natürlich auch noch Veranstaltungen oder Sitzungen auf dem Programm. Ich bin wirklich froh, dass ich Mitarbeiter habe, die mir viel abnehmen, ansonsten wäre das Arbeitspensum kaum zu schaffen.

19 Was ist das Beste am Beruf der Bürgermeisterin?
Die Nähe zum Bürger und, dass ich dort wirken kann, wo ich aufgewachsen bin.

20 Was ist das anstrengendste in Ihrem Job?
Wenn man angegriffen wird und es nicht konstruktiv ist, sondern emotional wird. Manche vergessen dann dabei, dass ich auch nur ein Mensch bin. Kritik und Austausch ist wichtig. Aber es darf dann nicht persönlich werden.

21 Wie sieht Oettingens Zukunft aus?
Wie viele Kommunen stehen auch wir vor dem Problem, dass der Einzelhandel ausstirbt. Das ist sehr schade und sorgt dafür, dass in der Stadt immer weniger Bewegung ist. Wir stellen uns natürlich die Frage, wie wir die Stadt wiederbeleben können. Eine große Möglichkeit sehen wir im kulturellen Bereich. Unsere Residenzkonzerte sind über das Ries hinaus bekannt. Den Namen, den wir uns hier gemacht haben, gilt es weiter auszubauen. Außerdem wollen wir auch verstärkt auf den naturnahen Tourismus setzen. Ein anderer Punkt ist, dass wir zwingend Schulden abbauen müssen. Das ist eine schwierige Aufgabe bei der Fülle an Anforderungen und der dadurch entstehenden finanziellen Belastung. Außerdem wollen wir unbedingt unsere gute Infrastruktur – wir haben im Moment noch eine sehr gute medizinische Versorgung und sind ein richtig guter Schulstandort – beibehalten und sogar verbessern. Ein weiteres wichtiges Thema, das wir voranbringen wollen, ist der Breitbandausbau. Gerade bei diesem Thema muss man aufpassen, dass man nicht abgehängt wird.

22 Seit fast vier Jahren sind Sie Oettingens Bürgermeisterin. Wie fällt Ihre Halbzeitbilanz aus?
Ich denke, dass sich meine Halbzeitbilanz ganz gut sehen lassen kann. Während meiner bisherigen Amtszeit konnte ich schon einiges an Missstand beseitigen. Wir konnten viele Gewerbeflächen verkaufen, und auch alle Bauplätze im Baugebiet Kelterfeld 1 sind mittlerweile verkauft. Auch ein neues Baugebiet konnten wir schon erschließen. Im Gewerbe gab es auch einige Neuansiedlungen während meiner bisherigen Amtszeit. Zudem konnten wir den Breitbandausbau an einigen Stellen bereits verwirklichen. Ein weiterer Erfolg ist, dass der Drogeriemarkt Roßmann nach Oettingen kommt. Für die Zeit haben wir schon gut was geschafft. Aber Luft nach oben ist immer.

23 Was reizt Sie generell an der Kommunalpolitik?
Als Bürgermeisterin sieht man direkt, was man umsetzen kann und man kann den Entstehungsprozess begleiten und sieht was daraus geworden ist. Besonders gefällt mir, dass man die Menschen direkt bei Problemen, Ideen und Wünschen unterstützen kann. Außerdem gefällt mir an der Kommunalpolitik, dass es ein großes Netzwerk ist und man Hilfe von vielen erfragen kann.

24 Auf was an der Kommunalpolitik könnten Sie hingegen verzichten?
Es gibt viel zu viel Papierkrieg. Außerdem werden manche Ideen durch verwaltungstechnische Auflagen derart beschnitten, dass von den Ideen kaum noch etwas übrig bleibt. Gerade in puncto Feste oder Naturschutz, gibt es so viele Auflagen, dass Impulse bereits im Keim erstickt werden.

25 Ein Blick in die Zukunft: Angenommen die nächste Kommunalwahl steht vor der Tür: Kandidieren Sie wieder?
Ja! Auf jeden Fall.

26 Wie sind Sie zur Politik gekommen?
Das kam eigentlich durch meinen Schwiegervater, der politisch aktiv war. Er war Stadtrat. Als er nicht mehr für den Stadtrat kandidierte, hat er zu meinem Mann und mir gesagt, dass einer von uns beiden nun an der Reihe sei. Da mein Mann nicht wollte, habe ich mich zur Wahl gestellt und wurde auch direkt in den Stadtrat gewählt. Aber das Amt der Bürgermeisterin hatte ich da nicht im Sinn. Irgendwann hat mich dann jemand angesprochen und gesagt, dass ich doch auch als Bürgermeisterin kandidieren könnte. Nach einem guten Wahlkampf wurde ich dann auch gewählt. Das war schon eine wahnsinnige Überraschung. Es schaffen ja nicht viele gegen einen amtierenden Bürgermeister zu gewinnen.

27 Sie sind auch Kreisrätin. Welche Aufgaben haben Sie als Kreisrätin?
Ich bin im Umweltausschuss, im Familienausschuss und im Verwaltungsrat des gKU (Gemeinsames Kommunalunternehmen Donau-Ries Kliniken und Seniorenheime, Anm. d. Red.)

28 Was sind im Moment die drei Topthemen auf der politischen Agenda aus Sicht der Kreisrätin?
Die Krankenhäuser und Seniorenheime, die Schulen und die Infrastruktur insgesamt. Bei der Infrastruktur ist auch der Straßenbau wahnsinnig wichtig.

29 Thema Pflegenotstand im gKU: Eine Million Euro mehr für die Pflege – was sagen Sie zu dieser Entscheidung?
Ich halte es für eine gute Entscheidung, dass man sofort reagiert und schnell eine Lösung gefunden hat.

30 Warum ist gerade die CSU ihre Partei?
Weil ich mich in den wichtigen Punkten am besten aufgehoben fühle.

31 Gibt es auch Punkte im Parteiprogramm mit denen Sie nicht zufrieden sind?
In letzter Zeit war ich von den Personaldiskussionen innerhalb der Partei genervt.

32 Wären Sie nicht Mitglied in der CSU, in welcher Partei wären Sie dann?
Wahrscheinlich in der FDP oder bei den Grünen.

33 Was raten Sie jungen Menschen, die sich politisch engagieren möchten?
Zunächst finde ich es ganz wichtig, dass sich junge Menschen politisch engagieren. So können sie Entscheidungen über ihre Zukunft mitbestimmen. Oft ist es für junge Menschen schwierig einer Partei anzugehören, weil sie sich dann meist rechtfertigen müssen, warum es gerade diese Partei ist. Es ist aber wichtig, dass junge Menschen sich einmischen, mitreden, informieren und Abläufe verstehen. Vor allem ist es wichtig, dass sie sich nicht davon abbringen lassen, sich einzumischen. Dabei ist es vollkommen egal, in welcher Partei man sich engagiert. Für uns als Politiker ist es wichtig zu hören, Gedanken die Jugend hat. Junge Menschen bringen außerdem eine andere Perspektive mit.

34 Vervollständigen Sie bitte den folgenden Satz: Typisch für Oettingen ist ...
... das Oettinger Bier.

35 Was mögen Sie mehr: einen Krimi lesen oder einen Krimi im TV sehen?
Weder noch. Ich bin kein Krimi-Fan. Ich lese lieber Belletristik oder schaue eine Dokumentation.

36 Welche Musik hören Sie gerne?
Eigentlich jede Art von Musik. Es gibt eigentlich keine Musikrichtung, die ich nicht mag.

37 Welchen Ort möchten Sie gerne bereisen?
Nach Jordanien in die Felsenstadt Petra würde ich gerne mal reisen. Wenn es die Zeit und die Situation in Jordanien zulässt. Aber auch Andalusien, dort vor allem die Alhambra, würde ich gerne einmal besuchen. (Anm. d. Red.: Die Alhambra in Granada ist eine bedeutende Stadtburg auf dem Sabikah-Hügel.)

38 Was war Ihr persönliches Highlight 2017?
Auf jeden Fall die Hochzeit von Nora Prinzessin zu Oettingen-Spielberg und Lord Max Percy. Wann sitzt man schon einmal mit Dukes und Duchesses an einem Tisch.

39 Sie sind aktiv an der Organisation der Oettinger Residenzkonzerte beteiligt. Warum engagieren Sie sich dafür?
Das ist für mich ein privates Anliegen. Seit über 30 Jahren gibt es die Residenzkonzerte mittlerweile und ich halte es einfach für eine tolle Idee. Mein Mann hat auch früher im Kammerorchester mitgewirkt, deshalb gibt es auch hier eine große Verbundenheit. Außerdem haben wir mit dem Residenzschloss den perfekten Rahmen für die Konzerte. Das ist ein perfektes Zusammenspiel.

40 Wieviel Arbeit steckt hinter der Organisation der Residenzkonzerte?
Ich bin ja nur die Schriftführerin und habe deshalb nicht so viel Arbeit damit. Aber Günther Simon (1. Vorsitzender) und Stefan Schneider (2. Vorsitzender) stecken sehr viel Arbeit in die Residenzkonzerte. Sie erarbeiten das Programm, organisieren, dass die Orchester nach Oettingen kommen und sprechen das alles auch mit dem Fürstlichen Haus ab. Da steckt schon sehr viel Arbeit dahinter.

Kommen wir zu unserem Self-Rating Test: Schätzen Sie Ihre Fähigkeiten von 0 Punkten (völlig unbegabt) bis 10 Punkten (maximale Begabung) ein:

41 Visionärin?
8 Punkte.

42 Diplomatin?
10 Punkte.

43 Kreativität?
9 Punkte.

44 Politikerin?
5 Punkte.

45 Feinschmeckerin?
10 Punkte.

46 Sportlerin?
Gefühlt 10 Punkte, aber in der Umsetzung 7.

Noch ein paar Abschlussfragen:

47 Mit welcher berühmten Persönlichkeit, tot oder lebendig, würden Sie sich gerne auf einen Kaffee treffen?
Konrad Adenauer.

48 Warum gerade diese Person?
Er war ein Mensch, der die Bundesrepublik geprägt hat wie kein Zweiter. Für mich immer noch faszinierend ist unser Grundgesetz. Diese Übersicht, diese Weitsicht und Nachhaltigkeit.

49 Welche Wünsche haben Sie persönlich für die Zukunft?
Gesund bleiben.

50 Das neue Jahr hat gerade begonnen. Haben Sie Neujahrswünsche für unsere Leser?
Darauf antworte ich mit einem Zitat von Ernst Weichert: „Nur wer die Herzen bewegt, bewegt die Welt.“

Vielen Dank Frau Wagner, dass Sie sich Zeit für das Regionalgespräch genommen haben.