30. Mai 2020, 09:00

Teil 4: Im Einsatz in der Corona-Krise - Jaqueline Trost, Pflegefach kraft bei der Diakonie Harburg

Jaqueline Trost arbeite als Pflegefachkraft in der Pflegeeinrichtung der Diakonie in Harburg. Bild: privat
Jaqueline Trost ist 22 Jahre alt und lebt in Marxheim. Seit sechs Jahren arbeitet sie in der Diakonie in Harburg und hat dort auch ihre Ausbildung absolviert. Da sie sich selbst mit dem Virus infiziert hat, arbeitet die junge Frau ausschließlich mit positiv getesteten Patienten in der Pflegeeinrichtung.

Arbeiten trotz und mit Corona

Jetzt, wenn langsam der Sommer kommt, würden in der Diakonie normalerweise viele Veranstaltungen anstehen. Grillfeste, gemeinsame Spaziergänge und mehr. Doch durch die aktuelle Corona-Krise ist nichts mehr, wie es vorher war. „Der komplette Alltag hat sich verändert“, erklärt Jacqueline Trost. Im Pflegeheim in Harburg haben sich besonders viele Senioren aber auch Mitarbeiter mit COVID-19 infiziert. Bis Ende April sind aufgrund der Virus-Infektion viele Senioren verstorben. „Die Bewohner wurden teilweise umquartiert und sind nun nach infiziert und nicht infiziert getrennt. Das gleiche gilt für uns Mitarbeiter auch. Für alle ist diese Situation nicht einfach und eine psychische Belastung“, sagt Jaqueline Trost. Vor allem die Todesfälle und die mediale
Berichterstattung haben ihre Spuren bei jedem Einzelnen hinterlassen. „Trotzdem geben wir alle jeden Tag unser Bestes. Das gilt nicht nur für uns als Pflegepersonal, sondern auch für viele andere Mitarbeiter der Heimleitung, der Verwaltung und der Reinigung. Es hat sich auch gezeigt, dass wir als Mitarbeiter noch enger zusammenhalten und auch Überstunden machen, um unsere Bewohner bestmöglichst zu versorgen“, so Trost.

Intensive Pflege und moderne Technik

Durch die aktuelle Situation hat sich auch die Art und Weise der Pflege verändert. „Die Bewohner sind alle isoliert und wurden aus ihren gewohnten Gruppen und Abläufen gerissen“, schildert die Pflegerin die Umstände. „Wir sind jetzt für die Bewohner, die teilweise auch stark dement sind, die einzige Kontaktperson. Und das auch nur mit entsprechender Schutzausrüstung“. Den einzigen Kontakt zur Außenwelt gibt es durch moderne Technik. Es wurde extra ein Tablet angeschafft, mit dem die Bewohner mit ihren Familien über Videochats Kontakt halten können. „Diese kurzen Gespräche sind für die Menschen in der Einrichtung ganz wichtig und sorgen immer wieder für ein Lächeln.“ Die Angehörigen der Bewohner halten intensiven Kontakt mit dem Personal und haben sich mehr als einmal für die intensive Pflege bedankt. Besonders ist der jungen Frau aber Ostern in Erinnerung geblieben.
„Fremde Kinder haben uns und den Bewohnern ganz viele Karten und Briefe zu Ostern geschickt. Das war ein besonderes Zeichen der Anerkennung.“

Positives Testergebnis

Jaqueline Trost hatte nicht erwartet, dass es die Einrichtung in Harburg so schwer treffen würde. „Erfreulicherweise geht es unseren 32 verbliebenen Bewohnern allen gut, auch denen, die positiv getestet sind. In unserem Beruf ist der Tod ein ständiger Begleiter. Das dieser Virus aber so zuschlägt, hat uns alle überrascht“. Sie selbst ist auch infiziert. Anfangs hatte sie grippeähnliche Symptome, diese hielten aber nur wenige Stunden an. Dass es COVID 19 sein könnte, hielt sie für ausgeschlossen. „Der positive Test war dann umso mehr ein Schock. Und durch den Verlust von Geschmack- und Geruchssinn war mir auch schnell klar, dass der Virus nicht spurlos an meinem Körper vorbei geht.“ Trotzdem geht sie weiterarbeiten, sie hat keine Symptome und fühlt sich soweit gut. „Ich darf zwar arbeiten gehen, muss mich aber privat komplett isolieren. In dieser schweren Situation hätte ich mir gewünscht, dass der Informationsaustausch mit dem Gesundheitsamt einfacher ist, das die Untersuchungen und Tests der Bewohner und Mitarbeiter zügiger durchgeführt werden und die Ergebnisse schneller vorliegen. Die Ungewissheit, wie lange ich noch positiv sein werde und wann das alles wieder vorbei ist macht mich wahnsinnig“. Ein großes Lob möchte sie hierbei an ihren Chef aussprechen. „Michael Kupke unterstützt uns weit über seine Grenzen und nimmt sich für alle Mitarbeiter Zeit. Aber auch das PSNV-Team unterstützt uns in dieser außergewöhnlichen Zeit.

Mehr Wertschätzung für unsere Arbeit

Für die Zukunft hofft die junge Frau, dass sich die Arbeitsbedingungen in den sozialen Berufen bessern werden. „Ich würde mir wünschen, dass Menschen in sozialen Berufen generell mehr Anerkennung bekommen und dass sie finanziell gerecht entlohnt werden. Für die Altenpflege würde ich mir wünschen, dass die aktuelle Aufmerksamkeit im positiven Sinn beibehalten wird und die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Die Ausbildung und der Berufsweg sollten attraktiver gestaltet werden.“