28. März 2020, 10:00

Von der kleinen Schuhwerkstatt in der Berger Straße...

Rundum erneuert zeigte sich das Schuhhaus Stark in der Drehergasse nach dem Umbau im Jahr 1980. Bild: privat
Die Geschichte des Schuhhaus Stark in Nördlingen ist eine Geschichte des Wiederaufstiegs. Im Jahr 1946 kommen Ernst und Maria Stark als Vertriebene nach Nördlingen. Im böhmischen Karlsbad führte Maria Stark ein großes Schuhhaus der Firma Bata, ihr Mann Ernst hatte sogar die Verantwortung für mehrere Filialen.Nach dem Krieg standen beide vor dem Nichts.

Ein großes Glück war es, als sie gleich nach ihrer Ankunft eine kleine Schuhreparaturwerkstatt im dritten Stock der Druckerei C.H. Beck einrichten konnten. Im Jahr 1950 zog das Geschäft dann um in die Berger Straße 4, wo eine Schuhhandlung mit Reparaturwerkstatt entstand. Karin Stark, die Tochter der Familie, erinnert sich noch: Damals kamen die Rieser Bauern mit ihren Stiefeln zu ihrem Vater, der das schwere Schuhwerk mit den genagelten Ledersohlen reparierte.
 

Die Schuhe wurden damals noch nicht gleich ersetzt, sondern gehegt und gepflegt. Wie sich die Zeiten doch ändern ...

In diesem Haus, das heute nicht mehr steht, war das Schuhhaus Stark zehn Jahre lang zu finden. 1960 erfolgte der Kauf des Anwesens Drehergasse 15, in dem das Familiengeschäft auch heute noch zu finden ist. Karin Stark war damals schon fest mit dem Geschäft verbunden: Nach der Schule hatte sie ihre Hausaufgaben zu machen, danach gab ihr Vater ihr einen Berg Schuhe zu putzen. 50 Pfennig Trinkgeld gab es dafür jeden Sonntag. „Ich hab’s gern gemacht und mache es heute noch gerne“, erzählt die heutige Senior-Chefin. Mit 14 Jahren war ihre Schulzeit vorbei, danach folgte gleich eine dreijährige Lehre zur Einzelhandelskauffrau. Die Geschäfte liefen gut, circa 1965 begann die Familie, Personal einzustellen und nicht mehr alles allein zu machen. 1975 übernahm Karin Stark schließlich die Leitung des Schuhhauses, das sie im Sinne ihres Vaters weiterführen wollte. Dennoch war es auch ihr Ziel, mit der Zeit und mit der Mode zu gehen. Einige Geschichten aus dieser Zeit sind bis heute unvergessen: Zum Beispiel war es lange üblich, dass Bräute ihre Hochzeitsschuhe mit jahrelang gesammelten Pfennigen bezahlten, die sie in einer großen Flasche Asbach Uralt ins Geschäft brachten. Einmal hielt sogar ein Brautpaar kurz vor der Hochzeit direkt vor dem Laden, um in letzter Sekunde ein neues Paar Schuhe für den Bräutigam einzukaufen – danach ging es direkt vor den Altar. 1979 verstarb Firmengründer Ernst Stark, das Schuhhaus in die Zukunft zu führen blieb Tochter Karin überlassen. Ihre Mutter Maria Stark unterstützte sie natürlich, sie war fast bis zu ihrem Lebensende 2002 mit im Geschäft. 1980 wurden das Haus und der Laden umfassend umgebaut. Im Jahr 1994 eröffnete Karin Starks Sohn Jochen eine Orthopädie-Werkstätte im benachbarten Koppenhof, wo er nach wie vor auch medizinische Fußpflege sowie Lederwaren anbietet. Die Weiterführung des Schuhgeschäfts blieb in den Händen seines Bruders Marko Stark, der das Schuhhaus Stark seit 2017 führt.

Hier stehen Karin Stark (links) und Nachbarstochter Loni vor dem Laden in der Berger Straße, in dem das Schuhhaus zwischen 1950 und 1960 zu finden war. Bild: Fotohaus Hirsch