7. Januar 2020, 14:27

Nach 40 Jahren ist nun Schluss

Bild: Manfred Arloth
Erna Dirschinger und ihre Mutter Maria Eisenwinter standen gemeinsam als "Buchdorfer Zweigesang" vier Jahrzehnte auf der Bühne. Nun mussten beide alle Auftritte absagen und ihren Abschied verkünden.

Bereits am 2. Januar diesen Jahres sagte Erna Dirschinger im Namen des "Buchdorfer Zweigesang" alle  Konzerte ab. Dabei auch auch das traditionelle Dreikönigskonzert in der Wallfahrtskirche Hl. Kreuz in Donauwörth sowie das Neujahrskonzert in der Stadtpfarrkirche in Höchstädt. Sie schreibt. "Nachdem Mama und ich mit großer Freude immerhin nun 40 Jahre öffentlich aufgetreten sind und in vielen Gegenden und Ortschaften im weiten Umkreis stets willkommen gewesen sind, ist diese Zeit nun zu Ende."

Der Grund für den Abschied ist der gesundheitliche Zustand von Mutter Maria Eisenwinter. Seit Anfang diesen Jahres sei sie besonders schwach und des Öfteren im Krankenhaus. Abschließend schreibt Erna Dirschinger: "Die Zeit des gemeinsamen Singens von Mama und mir, die Zeit des Buchdorfer Zweigesangs ist nun zu Ende. Wir werden hoffentlich noch eine gute gemeinsame Zeit daheim verbringen können, angefüllt mit schönen und dankbaren Erinnerungen."

Erna Dirschinger zusammen mit ihrer Mutter Maria Eisenwinter Bild: Peter Popanda

Interview mit Erna Dirschinger

Zu Beginn des Jahres 2019 haben wir mit Erna Dirschinger in ihrem Zuhause in Buchdorf über ihr Ehrenamt und ihre Leidenschaft für die Musik gesprochen. 

Liebe Frau Dirschinger, schön, dass Sie sich die Zeit nehmen. 

Wo sind sie geboren und wie sind Sie aufgewachsen?

Ich wurde 1956 in Donauwörth geboren und bin in Buchdorf auf dem elterlichen Bauernhof aufgewachsen. Bäuerin zu werden war damals auch immer mein Berufswunsch. Aber der Pfarrer hat gesagt, dass ich was im Köpfchen hätte. Deshalb wurde ich aufs musische Internat nach Dillingen geschickt.

Welchen Stellenwert hatte Musik in Ihrer Kindheit?

Musik war immer präsent. Meine Eltern haben beide musiziert, mein Vater hat im Chor gesungen und meine Mama hat Zither gespielt. Sie hat viel mit uns gesungen. Als ich mit 11 Jahren in Dillingen im Internat war, hatte ich großes Heimweh. Mein Vater hat mir da die erste Gitarre geschenkt. Die habe ich bis heute.

Seit 40 Jahren stehen Sie gemeinsam mit Ihrer Mutter als „Buchdorfer Zwoigsang“ auf der Bühne. Können Sie sich noch an Ihren ersten Auftritt erinnern?

Ja, das kann ich. Außerhalb unseres Dorfes war das im März 1979 bei einer Wallfahrergruppe in Wemding und im Oktober 1979 bei einer Hochzeit in der Heilig Kreuz Kirche in Donauwörth.

Wie würden Sie jemandem, der ihn noch nicht kennt, den „Buchdorfer Zwoigsang“ beschreiben?

Ich singe mit meiner Mama alte Schlager, die echten Volkslieder, Operetten, Klassik und am allerliebsten in der Kirche. Da fühlen wir uns wohl. Es reicht von einfachen Kirchenliedern bis hin zu den alten Liedern, die schon fast in Vergessenheit geraten sind.

Über die Jahre haben Sie unzählige Auftritte gespielt. Welcher ist Ihnen bis heute in Erinnerung geblieben?

Da gibt es einen, bei dem mir heute noch die Tränen kommen. Eine Schülerin der Heilerziehungspflegeschule hat mich einmal gefragt, ob ich für eine Frau am Sterbebett singen könnte. Die Dame hat sich mitten im Sommer „Stille Nacht“ gewünscht. Das Lied singe ich sonst nur an Heilig Abend, aber sie sagte, das Lied würde sie sonst nicht mehr hören, weil sie Weihnachten nicht mehr erleben wird. Für sie beginne bald die stille Nacht. Da wurde mir klar, wie tief die ganz einfache Musik die Menschen berühren kann. Am nächsten Tag schlief die Frau für immer ein.

Was ist das Erfolgsgeheimnis des „Buchdorfer Zwoigsangs“?

Ich gehe auf die Menschen zu und nehme sie ernst. Wenn jemand Seemannslieder hören will, dann singe ich eben die. Und wenn sich mal jemand den Anton aus Tirol wünschen würde, dann lache ich ihn nicht aus, sondern sage: Mensch, das habe ich ja schon ewig nicht mehr gehört und beginne zu singen – auch wenn ich dieses Lied sonst sicher nicht singen würde.

Wer alle 40 Fragen des Regionalgesprächs mit Erna Dirschinger lesen möchte, sollte einen Blick in die 25. Ausgabe des "blättle" werfen. (pm/mk/jw)