Frau Ferber, Sie sind bereits seit längerer Zeit stellvertretende Bürgermeisterin und haben eng mit Amtsinhaber Günther Pfeffer zusammengearbeitet. Wo sehen Sie bei einer möglichen Amtsübernahme Unterschiede zu Ihrem Vorgänger?
Der größte Unterschied liegt für mich im Faktor Zeit. Als hauptamtliche Erste Bürgermeisterin kann ich mich vollständig auf dieses Amt konzentrieren. Als Stellvertreterin übernimmt man häufig Vertretungsaufgaben, kann aber weniger selbst gestalten. Als Bürgermeisterin hätte ich die Möglichkeit, Themen aktiv voranzubringen. Außerdem bringe ich viel Erfahrung aus meiner Tätigkeit als Personalratsvorsitzende im Finanzamt Nördlingen sowie als Gesamtpersonalratsvorsitzende in Donauwörth mit. Dort vertrete ich über 300 Beschäftigte und bin Konfliktgespräche gewohnt. Diese Erfahrung hilft mir, Entscheidungen verantwortungsvoll zu treffen.
Ein zentrales Thema in Kommunen ist immer die finanzielle Situation. Monheim steht grundsätzlich solide da, zuletzt gab es jedoch Kreditermächtigungen in Millionenhöhe. Wie bewerten Sie die Lage?
Monheim ist finanziell gut aufgestellt. Von der Kreditermächtigung im vergangenen Jahr mussten wir tatsächlich nur rund 1,2 Millionen Euro in Anspruch nehmen, da die Einnahmen – etwa aus Gewerbe- und Einkommensteuer sowie staatlichen Zuweisungen – besser ausgefallen sind als geplant. Wichtig ist für mich, dass wir uns künftig konsequent an den Haushaltsplan halten und zusätzliche Projekte sehr sorgfältig prüfen. Wenn wir das konsequent umsetzen, sehe ich die finanzielle Zukunft der Stadt positiv.
War dieser disziplinierte Umgang mit dem Haushalt in der Vergangenheit nicht immer gegeben?
In Zeiten hoher Einnahmen fällt es Kommunen schwer, schnell umzusteuern. Aber diesen Schritt haben wir 2025 bereits eingeleitet und ich halte das für sehr wichtig.
Ein großer Posten im Haushalt sind öffentliche Einrichtungen wie Kindertagesstätten, Bäder oder die Stadthalle. Wie stehen Sie zu deren Unterstützung?
Wir haben den großen Vorteil, dass es bei diesen Einrichtungen aktuell keinen Sanierungsstau gibt. Die Kindertagesstätte wurde neu gebaut und das JuraBad umfassend saniert. Gleichzeitig haben wir die Gebühren in den letzten Jahren moderat angepasst. Diese Einrichtungen sind Aushängeschilder für Monheim – besonders das JuraBad und die Stadthalle, die auch von auswärtigen Betrieben und Schulen genutzt wird. Diese Angebote werden weiterhin Unterstützung erhalten. Eine Schließung der Stadthalle steht für mich beispielsweise außer Frage.
Gibt es Projekte oder Themenbereiche, die für Sie als Bürgermeisterin oberste Priorität hätten?
Ein Schwerpunkt sind familienfreundliche Kindergartengebühren. Das ist ein zentraler Beitrag der Kommune für Familien. Ebenso wichtig sind unsere Bäder. Wir haben sowohl ein Hallenbad als auch ein Freibad. Hier müssen wir regelmäßig prüfen, wo Optimierungen möglich sind – etwa bei Angeboten oder Öffnungszeiten. Das Ziel ist jedoch klar: Diese Einrichtungen sollen erhalten bleiben. Ein weiteres wichtiges Projekt ist die Umsetzung des Sturzflutmanagements, um die Schäden durch Starkregen zu reduzieren.
Wo würden Bürgerinnen und Bürger konkret Vorteile durch Ihre Amtsführung spüren?
Das zeigt sich vor allem bei der Lebensqualität. Neubürger entscheiden sich bewusst für Monheim, und das hat Gründe. Dazu zählen Einkaufsmöglichkeiten, medizinische Versorgung, Kinderbetreuung und vielfältige Freizeitangebote. Besonders wichtig ist mir auch die starke Vereinsförderung. Vereine erhalten häufig Zuschüsse von rund 30 Prozent, bei Bauprojekten teilweise mehr. Gerade diese freiwilligen Leistungen tragen erheblich zur Lebensqualität bei.
Welche Rolle spielen Vereine und Ehrenamt für Sie persönlich?
Eine sehr große. Vereine sind ein wichtiger sozialer Kitt unserer Gesellschaft. Für mich ist es ideal, wenn Vereine Projekte in Eigenleistung umsetzen und die Stadt sie beispielsweise durch Materialkosten unterstützt. Viele erfolgreiche Bauprojekte im Stadtgebiet zeigen, wie stark das Engagement vor Ort ist – etwa bei Feuerwehrhäusern oder Vereinsanlagen.
Ihr Wahlkampfmotto lautet „Herz, Verstand, klare Ziele“. Was steckt dahinter?
„Herz“ bedeutet für mich, mich voll und ganz für das Wohl der Stadt einzusetzen und immer ein offenes Ohr für die Bürger zu haben. Ich möchte ansprechbar sein und nehme auch Kritik ernst. „Verstand“ bedeutet, Entscheidungen verantwortungsvoll und realistisch zu treffen. Wenn Wünsche nicht umsetzbar sind, sage ich das auch offen. „Klare Ziele“ heißt, langfristig zu denken. Viele kommunale Projekte brauchen Zeit und Ausdauer – das weiß ich aus meiner langjährigen Stadtratstätigkeit.
Es ist bereits Ihre dritte Kandidatur für das Bürgermeisteramt. Was motiviert Sie, erneut anzutreten?
Ich bin überzeugt, dass jetzt die richtige Zeit ist. Wir stehen vor herausfordernden Jahren, und ich kenne die Strukturen und Aufgaben sehr gut. Außerdem nehme ich im Vergleich zu früher deutlich mehr Unterstützung und Aufmerksamkeit wahr. Ich werde häufiger angesprochen und die Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern haben deutlich zugenommen. Das motiviert mich und bestärkt mich in meiner Entscheidung.