14. Januar 2016, 19:17

Felix – der große Bruder in Tansania

Felix kümmerte sich um die Schulkinder am Nachmittag Bild: privat
Sozialarbeit am Fuße des Kilimandscharo 
Abi in der Tasche – und dann? Felix Stahl (19) aus Donauwörth wollte erst mal weg! Vor dem Studium war er neun Monate in Tansania und hat sich dort für Straßenkinder und hilfsbedürftige Jugendliche eingesetzt.
Donauwörth/Arusha - Als Felix Stahl in Tansania am Flughafen der 300.000 Einwohner Stadt Arusha ankam, erlebte er im wahrsten Sinne des Wortes einen Kulturschock. Das afrikanische Land liegt nicht nur geografisch tausende Kilometer weg von seiner Heimat Donauwörth, sondern ist auch kulturell weit entfernt  on Deutschland. „Die Straßen gehen über Stock und Stein, die Pflanzenwelt ist atemberaubend, die Menschen sind wahnsinnig gastfreundlich und reden sehr offen miteinander. Nur die Lebensqualität ist in Deutschland natürlich besser. Viele Menschen in Tansania leben in erbärmlichen Verhältnissen“, beschreibt Felix das Land.
In Tansania arbeitete Felix zunächst ehrenamtlich bei der Organisation Shika. Die britische Hilfsorganisation hilft den Ärmsten der Armen in Tansania. Über Sponsorship Programs will Shika Kindern einen Zugang zur Schulbildung ermöglichen. Spenden und Patenschaften fi nanzieren Waisenhäuser, Internate und Schulen. Als freiwilliger Helfer hat Felix vor allem die Schulkinder nachmittags betreut, mit ihnen gespielt und ein offenes Ohr für die Probleme und Sorgen der Kinder gehabt.
Später lernte er über zwei befreundete Musiker, die früher selbst auf der Straße lebten, die beiden Straßenjungs Abduli und Mandizi kennen. „Für die beiden war ich wie ein großer Bruder“, erzählt Felix. Die Jugendlichen hatten es schwer in ihrem Leben in Tansania. Drogen, Hunger und unhygienische Lebensumstände beherrschten ihren Alltag. Über Spenden konnten die beiden in einem Zimmer, in einer der für Tansania typischen Lehmhütten untergebracht werden. Felix hat durch weitere Spenden, die er gesammelt hatte, die Miete bezahlt und den Jungs Essen, Klamotten und ärztliche Versorgung ermöglicht. „Manchmal kamen sie zu mir und brauchten ein Pflaster oder Seife, ein anderes Mal war etwas am Fahrrad kaputt oder sie hatten Streit und wollten meine Hilfe“, berichtet Felix.
Weil Abduli und Mandizi nie zur Schule gingen und fast ihr Leben lang auf der Straße lebten, sprechen sie hauptsächlich ein stark von Jugendsprache und Slang geprägtes Suaheli. „Die Sprache der beiden unterscheidet sich extrem von dem eigentlichen Suaheli, das ich ziemlich schnell selbst gelernt hatte“, sagt Felix. Nach ca. vier Monaten pauken und gemeinsamem Englisch lernen mit Felix konnte dann Adbuli mit 16 Jahren das erste Mal die Schule besuchen. „Das war ein großer Erfolg für meinen kleinen Bruder“, erzählt Felix stolz.
Nach 9 Monaten musste Felix dann aber plötzlich das Land verlassen. Er war gerade, wie so oft unterwegs in Pangani, in der Nähe der Trauminsel Sansibar, als er schwer erkrankte. „Von heute auf morgen musste ich meine Zelte in Arusha abbrechen. Das tat mir schon ziemlich weh“, so Felix. Er ist sich aber sicher, wieder in das Land am Fuße des Kilimandscharo zurückzukehren: „Meine Eltern wollten mich immer besuchen, haben es aber dann doch nicht geschafft. Eine gemeinsame Reise mit meiner Familie steht also noch aus“. Mit Abduli und Mandizi Kontakt zu halten, ist für Felix aber schwer, da beide kein Telefon besitzen. Über die gemeinsamen Freunde erfährt er aber immer regelmäßig, wie es den zweien geht. Seine Familie und er unterstützen die Jungs noch immer mit einer Spende von 5 Euro wöchentlich. „In Tansania kann man damit ganz gut leben“, erklärt Felix, „Luxus ist einfach überall etwas anderes, das merkt man aber oft erst dann, wenn man mal in andere Ecken der Welt blickt.“