16. September 2020, 12:00

"Hilf mir, es selbst zu tun"

Die Schulfamilie der Motessori-Schule Oettingen Bild: Montessori-Schule Oettingen
Dreizehn Jahre war die Gemeinde Deiningen das Zuhause der Montessori-Schule. Auf Initiative von mehreren Eltern wurde im Jahr 2004 mit der Gründung der Fördergemeinschaft Nördlingen e.V. der Grundstein für die Schule gelegt. 2020 ist für die Schulfamilie ein besonderes Jahr, denn die Schule zieht in ihr neues Schulgebäude in Oettingen.

Lichtdurchflutete Räume, natürliche Rohstoffe und moderne Klassenzimmer – die neu gebaute Montessori-Schule in Oettingen wartet darauf, mit Leben gefüllt zu werden. Zum Start des neuen Schuljahres 2020/2021 im September werden die Schüler und Schülerinnen dann zum ersten Mal in Oettingen unterrichtet – nach dem pädagogischen Bildungskonzept von Maria Montessori. Seit 2007 befand sich die Montessori-Schule in der Schulstraße in Deiningen. „Die Räumlichkeiten waren einfach für unsere Bedürfnisse nicht optimal“, berichtet Schulleiterin Annika Groß. Vor allem der Vorstand der Montessori Fördergemeinschaft Nördlingen e.V. hat sich sehr stark für den Neubau in Oettingen eingesetzt. In einem ruhigen und grünen Eckchen, nämlich in der Lange-Mauer- Straße, hat nun die Schule ein neues Zuhause gefunden. Für die Kinder gibt es innen sowie außen viel Platz zum Lernen, Spielen und Entdecken.

Viel Skepsis zu Beginn
Es sei nicht immer einfach für die Schulfamilie gewesen, erzählt Rektorin Annika Groß. „In den ersten Jahren gab es sehr viele Vorurteile gegenüber der Montessori-Schule. Es hat sehr lange gedauert, bis wir akzeptiert wurden“. Seit einigen Jahren, so Groß, stoße die alternative Schulform aber auf Offenheit in der Gesellschaft. Genau 108 Schüler und Schülerinnen werden ab September dieses Jahres in die neue Schule in Oettingen gehen. Mittlerweile sei die Nachfrage so stark angestiegen, dass Schüler abgewiesen werden müssen. „Das tut natürlich weh und ist keine schöne Sache, aber wir wollen eine kleine Schulfamilie bleiben. Jeder soll hier jeden kennen“, erzählt die Schulleiterin und führt weiter an: „Bei uns wird der Begriff Schulfamilie gelebt. Schüler und Lehrer duzen sich untereinander und haben großen Respekt voreinander.“

„Hilf mir, es selbst zu tun. Zeig mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld, meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir Fehler zu, denn aus ihnen kann ich lernen.“
– Maria Montessori –

Tag der offenen Tür an der Montessori-Schule - damals noch in Deiningen. Bild: Montessori-Schule Oettingen

Wert legt die Schule vor allem auf das soziale Miteinander, die Ausbildung zur Selbstständigkeit und eine ausgeprägte Friedenserziehung. „Kinder können sich Dinge viel leichter merken, wenn sie es sich selbst beibringen. Man muss ihnen nur zeigen, wie es geht“, erzählt Annika Groß. Unterrichtet werden Schüler der 1. bis 4. Klasse gemeinsam, in der Sekundarstufe teilen sich jeweils zwei Jahrgangsstufen einen Klassenraum. Der Vorteil: Ältere Kinder können sich mit ihrem Wissensvorsprung als Lehrer betätigen und lernen durch Lehren. „Wenn sich Schüler gegenseitig Sachverhalte erklären, dann festigt sich das Wissen umso mehr“, so die Schulleiterin.

Kinder müssen tun, was sie wollen
Frontalunterricht, wie ihn vielleicht der ein oder andere noch aus der eigenen Schulzeit kennt, wird man in der Montessori-Schule kaum finden. Der Klassenraum wird nicht von einer Tafel und einer festen Sitzordnung dominiert, sondern bietet den Kindern ausreichend Platz und eine angenehme Lernatmosphäre. Getreu dem Gedanken von Maria Montessori, findet der zentrale Teil des Unterrichts als Freiarbeit in altersgemischten Gruppen statt. Nach ihren eigenen Bedürfnissen dürfen die Kinder selbst entscheiden, woran sie arbeiten, wie lange, wie oft oder mit wem. Natürlich gibt es, ebenso wie an Regelschulen, einen vorgegebenen Lehrplan. Jedoch muss dieser nicht jahrgangsorientiert erledigt werden. Jedes Kind bekommt so viel Zeit, neue Dinge zu erlernen, wie es benötigt. Höhepunkt für die Schüler der 9. Klasse ist dann die sogenannte „Große Arbeit“. Die Schüler wählen ihr Thema hierzu frei aus allen denkbaren Bereichen aus. Jeder Schüler stellt ein praktisches Projekt her, dokumentiert den Herstellungsprozess in einer Mappe und erläutert diese am Präsentationstag vor der Schulfamilie. Dass die Erfolge der Schüler nicht versteckt werden müssen, zeigen die durchweg positiven Erfahrungen in der Vergangenheit. „Erst kürzlich hat eine ehemalige Montessori-Schülerin ein sehr gutes Abitur geschrieben und begonnen zu studieren“, erzählt Annika Groß.