Jahresthema

Namenspaten aus dem Donau-Ries Teil 6: Oettingen, Maihingen, Auhausen und Lehmingen

Bild: Robert Kaußler
In unserem Jahresthema 2022 beschäftigen wir uns damit, warum Straßen, Plätze und Gebäude heißen, wie sie heißen, und nach wem sie benannt wurden. Welche berühmten Persönlichkeiten, Geschichten und Schicksale stecken dahinter? Im letzten von sechs Teilen haben wir uns in Oettingen, Maihingen, Auhausen und Lehmingen nach interessanten Namenspaten umgeschaut.

Begründer des bekannten Orgelbauunternehmens: Georg Friedrich Steinmeyer

Wer den Namen Steinmeyer hört, denkt meist direkt an das bekannte Orgelbauunternehmen aus Oettingen, das im Jahr 1847 von Georg Friedrich Steinmeyer als Orgelbauwerkstatt in Oettingen gegründet wurde, die ganze Zeit über in Familienbesitz war und schließlich 2001 die Fertigung von Orgeln einstellte. Steinmeyer war einst die größte Orgelbauwerkstatt in Bayern und eine der größten in der Welt. In 154 Jahren Familientradition und unter vier Generationen entstanden rund 2 400 Orgeln aller Größen, sowie 6 000 Harmonien, die überall auf der Welt zu fi nden sind. Georg Friedrich Steinmeyer wurde am 21. Oktober 1819 in Walxheim (Gemeinde Unterschneidheim) geboren und begann mit 15 Jahren eine Schreinerlehre in Oettingen. Den Beruf des Orgelbauers erlernte er nach Abschluss seiner Schreinerlehre in der Werkstatt von Aloys Thoma. Nach seiner anschließenden Wanderschaft mit Arbeitsaufenthalten in Augsburg und Ulm, fand er eine Anstellung beim Orgelbauer Eberhard Friedrich Walcker in Ludwigsburg. Die erste Orgel, die er 1848 in seiner eigenen Orgelbaufi rma baute, war für die evangelische Kirche in Frankenhofen (bei Dinkelsbühl). Seine Firma expandierte schnell – 1860 hatte er bereits 15 Mitarbeiter, in den 1880er Jahren 50 und in den 1890er Jahren über 70.

Auch ehrenamtlich war Steinmeyer sehr aktiv. Er engagierte sich in seiner evangelischen Kirche und im Kirchenvorstand, er war ehrenamtlich in der Verwaltung des Krankenhauses und der Witwenanstalt tätig und gründete 1888 den „Krankenunterstützungsverein der Gehilfen in der Hof-Orgel- und Harmonium Fabrik von G.F. Steinmeyer & Co.“. Auch im Gemeindekollegium und im Magistrat der Stadt engagierte er sich 40 Jahre lang. 


Im Jahr 1899 wurde Steinmeyer zum Ehrenbürger der Stadt Oettingen ernannt. Am 22. Februar 1901 verstarb er in Oettingen, nach ihm ist die Georg-Friedrich-Steinmeyer-Straße in Oettingen benannt.

Bild: Bild: Familie Steinmeyer

Komponist der Spätromantik: Joseph Haas

Die Joseph-Haas-Straße ist gleich in zwei Rieser Ortschaften vertreten – Oettingen und Maihingen. Benannt wurde die Straße nach Joseph Haas, der am 19. März 1879 in Maihingen geboren wurde und dort auch aufgewachsen ist. Schon in Haas’ Kindheit fiel auf, dass er ein großes musikalisches Talent besaß, doch vorerst wurde Joseph Haas, wie auch sein Vater, Lehrer.


1904 lernte er Max Reger, der Universitätsdirektor und Professor am Königlichen Konservatorium im Leipzig war, kennen und folgte ihm für das Musikstudium nach Leipzig, das er 1909 abschloss und ab 1911 arbeitete Haas als Kompositionslehrer am Konservatorium in Stuttgart. Hier wurde er auch fünf Jahre später zum Professor ernannt. Ab 1919 war er zwei Jahre lang Leiter der Singakademie zu Glogau und gründete zusammen mit Paul Hindemith und Heinrich Burkard die „Donaueschinger Kammermusikfeste für Neue Musik“. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Haas zum Präsidenten der Hochschule für Musik und Theater in München und leitete dort den Wiederaufbau der Schule bis 1950. Sein letztes Werk war die Hymne für den Eucharistischen Weltkongreß in München. Der Komponist starb am 30. März 1960, bevor er sie komplett fertig stellen konnte.

Ein Zitat von Joseph Haas drückt aus, wie sehr er für die Musik brannte: „Die Musik soll erfreuen, nicht beleidigen; sie soll erschüttern, nicht zerschmettern; sie soll veredeln, nicht banalisieren.“

Bild: Bild: Herder Verlag

Techniker, Künstler und Heimatdichter: Dr. Otto Meyer

Dr. Otto Meyer wurde am 1883 in Auhausen geboren und verstarb ebenda im Alter von 77 Jahren, am 4. August 1970. Er ist der bisher einzige Bürger der Gemeinde Auhausen, nach dem eine Straße benannt wurde. Geboren als drittes von acht Kindern in der weithin bekannten Auhausener Mühle, verlor er 1915, im Alter von 22 Jahren bei einem Jagdunfall während eines Fronturlaubs sein Augenlicht. Aufgrund dessen absolvierte er 1916 bis 1918 eine blindentechnische Ausbildung in der Blindenanstalt Nürnberg sowie im Anschluss ein neuphilologisches Studium an der Universität Marburg. In dieser Zeit sollte er seine spätere Ehefrau Margarethe Vogt aus Hamburg kennenlernen. Bereits zum Wintersemester 1919 wechselten beide an die für ihn heimatnähere Universität Erlangen, um im Sommersemester 1922 zum Dr. phil. zu promovieren. Der wirtschaftlich schwierigen Zeit geschuldet, kehrte Otto Meyer in das vertraute Auhausen zurück, um den ursprünglich zur Mühle gehörenden Holzsägebetrieb zu übernehmen. Nicht zuletzt durch die maßgebliche Unterstützung seiner künftigen Ehefrau konnte ein Holzwarenbetrieb aufgebaut werden. Mit dieser Existenzgründung im Jahr 1924 war Otto Meyer in der Lage, seine herausragende technische Begabung zu entfalten. Neben aller handwerklicher und kaufmännischer Entwicklung in der kommenden politisch und wirtschaftlich wechselhaften Zeit, war es ihm stets ein hohes Anliegen, erblindeten Leidensgenossen zu helfen.                 

Meyer trat so als Erfinder mehrerer Maschinen auf und erachtete es als nichts Ungefähres, wenn unter den Sehbehinderten eine ganze Anzahl von Erfinder*innen sind. So erfand er beispielsweise eine Maschine zum Zusammensetzen von Federwäscheklammern, welches eine Steigerung der Leistung von 300 auf 800 Stück in der Stunde ermöglichte. Um dem Nichtsehenden nun den Vorsprung, der ihm hierdurch gewonnen war, zu erhalten, behielt Meyer diese Maschine ausschließlich der Blindenbeschäftigung vor und brachte sie nur mit dieser Bestimmung in den Handel. Im Juli 1958 erhielt Dr. Meyer das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Das Nürnberger Institut für Erfindungswesen verlieh ihm 1971 posthum die Dieselmedaille in Bronze.


Otto Meyer besaß auch eine ausgeprägte künstlerische Ader. So war ihm ein erstaunlich sicheres Gespür für Farbe und Stimmung in den damals durch seinen Pinsel entstandenen Aquarellen nachgesagt. Die dritte Begabung Otto Meyers, das literarische Schaffen, beschränkte sich bekanntermaßen über Jahrzehnte fast ausschließlich auf Beiträge zur Problematik des Blindenwesens. Erst mit dem 1963 erschienenen Buch „Als das Dorf noch meine Welt war“ beschritt er „neue Wege“. Der bodenständige Auhausener erzählt darin von seiner Kindheit und Jugendzeit in der heimischen Mühle und von seinem Dorf samt der Menschen.

Bild: Robert Kaußler

Rieser Heimatdichter aus Lehmingen: Friedrich Völklein

Im Oettinger Ortsteil Lehmingen wurde am 12. Juni 1880 Friedrich Völklein geboren. Er wuchs auf einem landwirtschaftlichen Betrieb als ältester Sohn in einer sechsköpfi gen Familie auf. Seinen im Königlichen Schullehrer-Seminar Altdorf erlernten Beruf als Lehrer übte er einige Jahre im Ries und dann 40 Jahre lang in Würzburg aus. Als es in der Nacht vom 16. März 1945 einen Luftbombenangriff auf Würzburg gab, wurde Völklein seiner Lebensgrundlage beraubt, dies veranlasste ihn dazu zurück in seine Heimat Lehmingen zu kehren. In sieben Nachtmärschen schlug er sich in seine Rieser Heimat durch und kam bei seinem Bruder auf dem väterlichen Hof unter. Die Nachricht über seine Versetzung in den Ruhestand erreichte ihn eben dort. 1946 zog er in die Herlinstraße nach Nördlingen und widmete seiner neuen Heimat und ehemaligen Schulstadt fortan Texte und Gedichte. Er versuchte und hoffte durch seine Gedichte und Texte die Liebe zu seinem Zuhause in der Oettinger Gegend an andere weitergeben zu können. Am 7. Juli 1960 verstarb er in Nördlingen. Die Stadt Oettingen widmete ihm die Friedrich-Völklein-Straße. An seinem Geburtshaus wurde eine Gedenktafel für ihn angebracht.

Von König Maximilian in den Ritterstand erhoben: Karl Heinrich von Lang

Eine Straße, benannt nach einem echten Ritter gibt es in Oettingen: Für die Ritter-von-Lang-Straße ist Karl Heinrich von Lang der Namenspate. Besonders bekannt ist der am 7. Juni 1764 in Balgheim bei Nördlingen geborene Karl Heinrich von Lang für seine polemischen und satirischen Schriften, unter denen vor allem eine heraussticht: „Memoiren“. In dieser kritisierte er die politischen Zustände seiner Zeit und seine Zeitgenossen stark. Lang wuchs als Waisenkind bei seinen Verwandten im Ries auf. Nachdem er sein Jura-Studium an der Universität Altdorf abgebrochen hatte, arbeitete er erst in der Verwaltung und nach einem zweijährigen Aufenthalt in Wien als Geheimsekretär der Familie Oettingen-Spielberg bzw. Oettingen- Wallerstein. Da Karl nicht mit der Politik seines Dienstherren übereinstimmte, verließ er seine Stelle und studierte in Göttingen Kameralwissenschaften. Unter Kameralwissenschaft verstand man im 18. und 19. Jahrhundert jene Wissenschaften, die den Kammerbeamtendie notwendigen Kenntnisse für die Tätigkeit in der Verwaltung im absolutistischen Staat vermittelten. Dieses Studium beendete er 1793 ebenfalls ohne Abschluss. Da er jedoch Preisträger der Uni war, erhielt er durch Karl August von Hardenberg, mit dem er sich gut verstand, eine Anstellung im preußischen Staatsdienst. Zwei Jahre später wurde er zum Ersten Archivar in Bayreuth und nahm 1797 als Legationssekretär zusammen mit Hardenberg am Rastatter Kongress teil. Ein Jahr später wurde ihm als Kriegs- und Domänenrat in Ansbach die Bearbeitung der Lehens- und kirchlichen Belange übertragen. Nachdem 1806 das Fürstentum Ansbach auf Wunsch Napoleons gefallen war, trat Karl in den Bayerischen Staatsdienst ein und stieg als Direktor der Regierungskammer unddes Konsistoriums zum leitenden Verwaltungsbeamten im Rezatkreis auf. Zwei Jahre später wurde ihm vom bayerischen König Maximilian I. Joseph das Ritterkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone verliehen und somit wurde Karl Heinrich von Lang zu „Ritter von Lang“. Im Jahre 1810 wurde von Lang zum Leiter des neu errichteten Allgemeinen Reichsarchiv in München berufen und zwei Jahre darauf übernahm er den Vorsitz des Reichsheroldsamtes. Da er nicht zufrieden mit der politischen Lage in Bayern war und durch seine neue Arbeit Anfeindungen aus dem Adel erfuhr, verließ er die Stelle und die Stadt und kehrte als Regierungsdirektor in den Rezatkreis zurück. Hier gründete er schließlich mit dem Historischen Verein des Rezatkreises den ersten regionalen Geschichtsverein in Bayern. 1817 verließ er den bayerischen Staatsdienst und beschäftigte sich die nächsten Jahre mit historischen Untersuchungen. Im Jahre 1835 am 26. März starb Karl Heinrich von Lang in Ansbach.

Bild: www.badw.de/bilder/mitglieder/Lang_GG.jpg

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