25. März 2021, 08:00
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Unsere Welt mit anderen Augen sehen

Der Autor Xaver Herb. Bild: Maximilian Bosch
Ein Mann entdeckt die Natur – und er teilt sie mit uns: Xaver Herb aus Donauwörth hat aus seiner Leidenschaft für Naturfotografie in langwieriger Kleinarbeit ein Buch gemacht, in dem man viel über die Flora, Fauna und Landschaft im Donau-Ries und darüber hinaus lernen kann.

Xaver Herb, 67, fotografiert für sein Leben gern, bereits seit 1979. Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb, war ihm die Natur schon immer wichtig. Bei Spaziergängen störte ihn aber stets, dass er zu wenig wusste über die Pflanzen und Tiere am Wegesrand: Wie heißt dieses Kraut, was ist das für ein Schmetterling? Das interessierte ihn. Nach seinem BWL-Studium kam er mit dem Berufseinstieg über Arbeitskollegen zur Fotografie. Sein erstes Motiv war ein Schmetterling, ein Kohlweißling. Das Thema sollte ihn 15 Jahre lang begleiten, denn zunächst fotografierte Herb nichts anderes als die hübschen Falter. Wer jedoch seltene Schmetterlinge fotografieren möchte, muss wissen, wo man sie finden kann. Also beschäftigte Xaver Herb sich intensiv mit deren Futterpflanzen und kam so zur Botanik. Im Jahr 1987 begann der Autor, alle seine Erkenntnisse und Erfahrungen aufzuschreiben und Tagebuch zu führen. „Wann kann ich wo etwas finden“, war die Fragestellung, auf die er nach und nach die Antworten fand.

Draußen gibt es keinen langweiligen Schritt

In seinem 530 Seiten starken Buch „Streifzug durch die Jahreszeiten: Die Natur im Spannungsfeld zwischen Faszination und Gefährdung“ hat Herb seine Erfahrungen zusammengetragen und veröffentlicht. Über 1 000 Pflanzenarten, alle mit Abbildungen, sowie 220 Tierarten, die meisten davon Schmetterlinge und Käfer, sind im Buch dargestellt. Fotografiert hat Xaver Herb sie hauptsächlich im Donau-Ries, aber auch in den Alpen und entlang des Lechwegs. „Die Natürlichkeit dort hat mich stark fasziniert“, sagt Herb. Einen hohen Stellenwert nimmt im Buch auch die Phänologie, die Lehre vom Einfluss der Witterung und des Klimas auf die jahreszeitliche Entwicklung der Pflanzen und Tiere, ein. Hierbei werden die uns bekannten vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter noch weiter unterteilt. Der Wechsel der Jahreszeiten wird durch genannte Zeigerereignisse bei Pflanzen markiert, wie zum Beispiel den Blütenbeginn bestimmter Arten – im Buch werden diese Sachverhalte für das Donau-Ries genau erklärt. Leser*innen wissen damit, wann und wo sie nach welchen Tier- und Pflanzenarten suchen können. Darüber hinaus findet man in dem Werk auch Hinweise zum Wetter, das sich gut über die Wolken bestimmen lässt.

Nicht nur Orchideen sind schützenswert

Besonders wichtig ist es Xaver Herb zu betonen, dass alle Pflanzen in der Natur gleich wichtig sind. „Nicht nur Orchideen sind schützenswert, sondern auch jedes gemeine Gras“, so der Autor, der den Allerweltspflanzen im Buch daher genauso einen Platz einräumt, wie seltenen Arten. Allgemein möchte Herb mit dem Buch auch mahnen und daran erinnern, dass die Natur und ihre Artenvielfalt geschützt werden müssen. Denn viele einst im Donau-Ries heimische Arten sind selten geworden oder gar nicht mehr zu finden.

In sein Buch hat Xaver Herb seit August 2019 in eineinhalb Jahren circa 2 300 Stunden Arbeit gesteckt. Er veröffentlicht seinen „Streifzug durch die Jahreszeiten“ im Eigenverlag und hat es selbst geschrieben, gesetzt und korrigiert. Unabhängig zu sein war ihm sehr wichtig. Das Buch soll seine Meinung und seine Erfahrung zur Natur darstellen. Hilfe und Unterstützung hatte er dabei von Hans-Jürgen Franke, Josef Luff, Franz Xaver Meier und seiner Familie. Besonders jetzt während der Corona-Pandemie, kann man viel in die Natur gehen. „Man muss nicht in Trübsal verfallen“, so Herb. Wer dann beim Spaziergang mehr über seine Umgebung erfahren möchte, hat mit dem „Streifzug durch die Jahreszeiten“ ein hervorragendes Nachschlagewerk zur Verfügung.