25. Februar 2019, 08:00

Von der traditionellen Wirtsbrauerei ...

Die Brauerei von Balthasar Reiter. Das älteste existierende Bild der Brauerei um das Jahr 1901. Bild: Gemeindearchiv Mertingen
Zu Recht trägt bis heute die Alte Brauerei in Mertingen ihren Namen. Denn bereits im Jahr 1665 wurde die Brauerei zum ersten Mal erwähnt. Im ersten Mertinger Pfarrbuch wurde die Hochzeit eines Mathias Buechele vermerkt. Er wurde als „Bürger, Gastwirt und oberer Wirt“ bezeichnet.

Der damalige Wirt hatte zusammen mit seiner ersten Frau Maria Eva vier Kinder. Als die Wirtin starb, war die jüngste Tochter gerade einmal drei Monate alt. Buechele heiratete erneut und aus seiner zweiten Ehe gehen insgesamt neun Kinder hervor. Am 2. Oktober 1677 kommt Tochter Afra zur Welt. Sie heiratet mit genau 20 Jahren Michael Schimpp, den Sohn eines Müllers aus Pfaffenhofen. In den kommenden Jahrzehnten gehörte das Wirtshaus der Familie
Schimpp und wurde mehrere Generationen weitergegeben. Am 28. Januar 1816 stirbt die Wirtin Maria Josefa mit 65 Jahren, nur knapp zwei Monate später folgt ihr ihr Mann, „der Weißrösslewirt“, in den Tod.

In den kommenden Jahren wechselte das Anwesen häufig seinen Besitzer, bis im Jahr 1848 Familie Schimpfle dieses erwarb. Unter Andreas Schimpfle fanden am Anwesen zahlreiche Umbaumaßnahmen statt, unter anderem wurde im Jahr 1875 ein neues Bräuhaus errichtet. Nachdem Vater Andreas mit nur 43 Jahren verstarb, übernahm seine Tochter Philomena mit ihrem Bräutigam Balthasar Reiter die Geschäfte. Der neue Brauereibesitzer begann zügig mit der Modernisierung seines Betriebes, in dem 1895 stattliche 820 Hektoliter Bier gebraut wurden. Im Alter von nur 36 Jahren verstarb auch Balthasar Reiter und ließ seine 29-jährige Witwe mit vier kleinen Kinder zurück − nicht zuletzt deswegen heiratete sie  am 10. April 1904 Ludwig Miller, den Sohn eines Bierbrauers aus Nordendorf. Die Brauerei, die nun den Namen Miller trug, wurde durch den neuen Besitzer stark modernisiert. Doch die harten Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs brachten auch die Brauerei Miller in enorme Schwierigkeiten.

„Die Brauerei Miller in Mertingen suchte in diesen Jahren verstärkt nach neuen Absatzmöglichkeiten. Doch auch die Geschäftsbeziehungen zu langjährigen Kunden mussten gepflegt werden, damit nicht eine andere Brauerei sie abwerben könnte. Deshalb übernahmen auch die Reitersöhne Bierausfuhr und Verhandlungen mit den Gastwirten“, erklärt Gemeindearchivar Dr. Franz Xaver Ries.

Am 31. Dezember 1931 stirbt Wirtin Philomena Miller. Vom ganzen Dorf betrauert, stiften ihre Angehörigen 1932 die Philomena-Glocke. Eigentümer der Brauerei sind nun der verwitwete Ehemann Ludwig und seine fünf Kinder. Nach dem Tod von Ludwig und der zwei Kinder Philomena und Karl wurde Xaver Miller im Jahr 1966 Besitzer der Brauerei. Sein Bruder Adolf bekam die übrigen Besitzungen, darunter mehr als 100 Hektar Äcker, Wiesen und Wald. Zwölf Jahre später wurde das Anwesen von Xaver Miller an den Diplom-Braumeister Karl Liebl verkauft, fortan nannte sich die Brauerei „Mertingerbräu Karl Liebl“. „Die Entwicklung ging immer mehr in eine negative Richtung. Letztendlich verließ Karl Liebl im November 1984 Mertingen“, erzählt Dr. Franz Xaver Ries.