26. Februar 2019, 08:00

... zur modernen Traditionsgaststätte

Seit 2014 leitet Franz Nosalski die Alte Brauerei in Mertingen. Bild: Franz Nosalski
Ein neues Kapitel in der Geschichte der Alten Brauerei wurde aufgeschlagen, als im Jahr 1996 die Gemeinde Mertingen das Anwesen kaufte. Im April 2012 begannen die Sanierungsarbeiten auf dem Areal, die nach nicht einmal zwei Jahren vollendet wurden. Im März 2014 konnte Franz Nosalski zusammen mit seinen „Brauereigeistern“ die Alte Brauerei eröffnen.

Die Erfolgsgeschichte von Franz Nosalski und seiner Alten Brauerei begann eigentlich kurios. Durch Zufall hat Nosalski, der zum damaligen Zeitpunkt ein Restaurant in Nördlingen führte, erfahren, dass die Gemeinde Mertingen einen Pächter für die Alte Brauerei sucht. „Nur zwei Wochen später habe ich mich mit Bürgermeister Albert Lohner getroffen“, erzählt Franz Nosalski und führt weiter an: „Im weiteren Verlauf hat mich dann der Gemeinderat in meinem damaligen Restaurant in Nördlingen besucht. Danach gingen dann die Verhandlungen mit dem Gaststättenverband los.“


Doch die Entscheidung des Gemeinderats, die Alte Brauerei zu sanieren, stieß im Jahr 2011 nicht bei allen Bürgern auf Begeisterung. In einem Ratsbegehren, das von der Gemeinde initiiert wurde, sprach sich aber dann doch die deutliche Mehrheit für den Erhalt des Gebäudes aus. „Durch das Ratsbegehren hat sich der Beginn der Bauarbeiten um ein Jahr verzögert“, erklärt Franz Nosalski. „Im Nachhinein war die Bauverzögerung für mich und wahrscheinlich auch für die Gemeinde Mertingen großes Glück. Hätten die Bauarbeiten schon ein Jahr früher begonnen, säße ich wohl jetzt nicht hier“, schmunzelt der Pächter.


Wie schwer der Druck damals auf Nosalski lastete, das spürte der Vollblut-Gastronom am eigenen Leib. Nur wenige Tage nach der Eröffnung der Alten Brauerei im März 2014 erlitt der 44-Jährige einen Herzinfarkt. Nach mehreren Wochen der Rehabilitation kehrte Nosalski zurück in die Brauerei. „Ohne die Unterstützung meiner Schwester, meines Vaters und meiner ‚Geister‘ wäre das alles nicht möglich gewesen“, erzählt Franz Nosalski nachdenklich. Mittlerweile hat er insgesamt 70 Mitarbeiter, die der Chef liebevoll Brauereigeister nennt. „Der Name entstand bereits vor der Eröffnung. Im Alltag wird Personal auch als solches behandelt und oftmals als Kostenfaktor gesehen. Doch gerade in der Gastronomie, wo im Verhältnis wenige Maschinen zum Einsatz kommen und Dienstleistung mit Menschen stattfi ndet, soll diese liebevolle Bezeichnung Gäste, Kollegen und Kolleginnen, aber auch den Chef daran erinnern, dass es Menschen sind, mit individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten“, erzählt Franz Nosalski.

 

Gastlichkeit mit Herz

Besonders Regionalität, Nachhaltigkeit und Ehrlichkeit stehen bei Franz Nosalski und seinen Brauereigeistern ganz oben. „Unsere Kartoffeln zum Beispiel stammen vom Hofl aden Link gleich um die Ecke“, erzählt Nosalski und zeigt auf den Biohofl aden, der direkt gegenüber der Alten Brauerei liegt. Selbst das Hausbier wird regional erzeugt: „Unser Mertinger Zwickl wird in der Brauerei Fürst Wallerstein gebraut und abgefüllt“. Auch bei der Auswahl des Fleisches legt Nosalski großen Wert auf Regionalität. „Jeden Monat züchten wir zwei bis drei Bentheimer Schweine. Sie werden ohne Antibiotika aufgezogen und leben in einem Freiluftstall auf einem Bauernhof in Ellgau. Wir wollen den Gästen eine nachvollziehbare und ehrliche Qualität anbieten“, erzählt der Gastronom. Sogar die Kissen im Gastraum der Alten Brauerei stammen aus einem regionalen Betrieb.