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Die Stadt, die sich an den Fels schmiegt

Spaziergänge durch Städte oder Gemeinden in unserem wunderschönen Landkreis stehen für jedes blättle auf dem Redaktionsplan. Der Spaziergang in diesem blättle war etwas ganz besonderes. Zum einen war diesmal Heimvorteil angesagt, denn seit mittlerweile zwei Jahren haben wir unseren Redaktionssitz in Harburg. Zum anderen war das komplette Team beim Spaziergang mit von der Partie. Wolfgang Köster, einer der Harburger Stadtführer, hat sich die Zeit genommen, unsere kleine Reisegruppe durch Harburg zu führen und uns so die Geschichte der Stadt näherzubringen:

Der Spaziergang beginnt direkt im Büro, dort holt uns unser Stadtführer Wolfgang Köster ab. Er kommt nicht allein, sondern hat seine Stadtführerkollegen Gabi Steger und Dieter Thiel mit dabei. Da dieser Termin nicht nur für uns, sondern auch für die Harburger Stadtführer ein besonderer ist, soll er auch gleich für einen Fototermin mit der Harburg im Hintergrund genutzt werden. Außerdem befindet sich unser Büro genau dort, wo auch sonst die historischen Stadtführungen beginnen: An der Steinernen Brücke (1). Bis zum Bau der neuen Brücke an der südlichen Stadteinfahrt führte der gesamte Verkehr in Richtung Wemding über eben diese Brücke. Begibt man sich auf die Brücke, steht man auch fast schon im Büro von Donau-Ries-Aktuell: Unser Zuhause ist das Nebengebäude der Bruckmühle (2). Dort, wo heute die Inhalte für das blättle entstehen, befand sich früher eine Sägerei. Die Bruckmühle selbst wird bereits 1461 als Mahl- und Walkmühle zum ersten Mal erwähnt. Wir treten aus dem Schatten der Mühle heraus und gehen die ersten Meter über die Steinerne Brücke. Von hier aus hat man den besten Blick auf die Harburg, das Wahrzeichen, das der Stadt ihren Namen gegeben hat. Erhaben thront sie auf dem Fels. Was die Mauern der Burg alles erlebt haben, lässt sich nur erahnen. Aber auch nach all den Jahrhunderten wacht sie immer noch über die Stadt. Kurz lassen wir das alles auf uns wirken.                                                                                                                                                                                                        

Jeden Tag arbeiten wir hier, aber Zeit, den tollen Ausblick zu genießen und alles genau zu betrachten, bleibt dabei selten. Umso schöner ist es, dass wir es heute mit dem gesamten Team erleben dürfen.

Während wir unseren Weg über die Brücke fortsetzen, fließt unter uns die Wörnitz vor sich hin. Unseren nächsten Halt legen wir mitten auf der Brücke ein. Hier erzählt uns unser Stadtführer, wie weit die Geschichte der Stadt zurückgeht. Uns lässt er natürlich zunächst unsere Tipps abgeben. Leider liegen wir weit daneben. Selbst unser Tipp, der am weitesten zurückliegt, der Einschlag vor 14,5 Millionen Jahren, ist noch nicht einmal nah dran. Prägend für Harburg ist die Landschaft . Diese entstand bereits vor circa 300 Mio. Jahren. Entscheidend für die Landschaft war die Bildung der Kalkschichten und die anschließende Auffaltung dieser Schichten durch die Kontinentalverschiebung. Dadurch bildeten sich die Mittelgebirge und die Alpen vor über 200 Mio. Jahren. Der Meteoriteneinschlag formte dann noch das Ries vor 14,5 Millionen Jahren. „Das war schon ein Großereignis. Da kam etwas flott daher, es gab einen riesigen Schlag und zack, war da ein Loch in der Erde“, erzählt Wolfgang Köster schmunzelnd. Damals entstand auch der Rieskratersee, von diesem aus suchte sich die Wörnitz nach und nach wieder ihr ursprüngliches Flussbett. Auch das trug dazu bei, dass die Landschaft so ist, wie wir sie heute kennen. „Einige Millionen Jahre passierte dann nichts weltbewegendes – zumindest soweit wir wissen“, fährt unser Stadtführer fort und fügt hinzu: „Vor 70000 Jahren fanden sich dann in der Nähe von Hoppingen die ersten Spuren von Besiedlung. Erste primitive Werkzeuge und Keile wurden dort gefunden“, so Köster. Um 4000 vor Christus haben sich dann die Kelten am Südrand des Rieses niedergelassen. „Das war wohl damals schon eine nette Ecke, um dort zu wohnen. Vielleicht waren dort die Grundstückspreise auch nicht so hoch“, setzt Wolfgang Köster seine launigen Ausführungen fort. Auch die Römer haben in Harburg ihre Spuren hinterlassen. So haben diese vermutlich schon Fundamente in der Wörnitz errichtet, um eine Brücke über die Wörnitz zu bauen. Bevor wir unseren Weg in Richtung Altstadt fortsetzen erfahren wir auch noch einiges über das mittelalterliche Harburg und die Gewohnheiten der damaligen Bewohner.    Wir gehen ein Stück weiter und erreichen das ehemalige Badehaus (3) und die ehemalige Fleischbank (4). Die Häuser stammen aus dem 15.–16. Jahrhundert. Von Wolfgang Köster erfahren wir, dass das Badehaus damals an einen Bader verpachtet war. „Gegen Gebühr konnten die Menschen hier baden. Der Preis betrug ungefähr einen halben Tageslohn. Es war also eine teure Geschichte und deswegen wurde nicht so oft gebadet. In der ehemaligen Fleischbank mussten alle Metzger ihre Waren verkaufen. Die Fleischqualität wurde festgestellt und die Preise wurden festgesetzt“, so die Ausführungen von Wolfgang Köster. Kurz bevor wir die Brücke verlassen halten wir noch mal kurz an. „Wir stehen jetzt an der Stelle, an der sich früher das Brucktor (5) befunden hat. Das Brucktor war eines von fünf Stadttoren. Im 19. Jahrhundert wurden die Tore als Ärgernis empfunden und abgerissen. „Um die Erlaubnis zum Abriss zu erhalten, schrieben die Bürger der Stadt unter einem Vorwand an den König. Ihren Abriss-Wunsch begründeten die Harburger damit, dass die Tore ihnen die frische Luft nehmen würden“, erzählt uns der Stadtführer schmunzelnd. Neben dem Brucktor gab es das Grießtor (Donauwörther Straße), das Egelseetor (Egelseestraße), das Tiefe Tor oder Nördlinger Tor (Nördlinger Straße) und das Vesttor (Schloßstraße). Wir biegen links in die Donauwörther Straße ab und nach wenigen Metern gehen wir gleich wieder nach rechts zur Adresse Am Bogen 6. Dort wo sich heute die Raiffeisenbank befindet, war früher die Gastwirtschaft Adler. Gleich daneben befindet sich im Strölinhaus (6) Harburgs Stadtbibliothek. Ursprünglich stand an diesem Platz die Behausung des Tagelöhners Leonhard Schuster. In den 1580er Jahren erwarb Christopherus Strölin, einer der reichsten Harburger seiner Zeit, Adlerwirt und mehrfacher Bürgermeister, das Gebäude, ließ es abreißen und errichtete dort ein komfortables Wohnhaus. Wir gehen die schmale Straße die am Strölinhaus vorbeiführt weiter und erreichen den ehemaligen Friedhof von Harburg, das Kirchhöfle (7). „Auf diesem wurden einst alle Verstorbenen begraben. Aber der harte Untergrund machte Beerdigungen mühsam. Deshalb wurden später nur noch Mitglieder des Adels auf diesem Friedhof beigesetzt. Noch später wurden auch englische Offiziere, Opfer der Schlacht am Schellenberg vom 2. Juli 1704, auf diesem Friedhof begraben“, erzählt uns Wolfgang Köster.

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