6. Februar 2019, 09:52

Wie Donauwörth geschützt werden soll

Ein bekanntes Bild in Donauwörth. Die Unterführung bei Airbus ist überflutet. Bild: Matthias Stark
Mit Donau und Wörnitz treffen sich in Donauwörth zwei Flüsse. Und wo Flüsse sind, besteht auch immer die Gefahr von Hochwasser. Das Wasserwirtschaftsamt ist bereits seit Jahren dabei, die Stadt vor einem 100-jährlichen Hochwasser zu schützen. Denn dafür reichen die Maßnahmen im Moment nicht aus. Allein die Planungen kosten 1,3 Millionen Euro.

Statistisch gesehen erreicht die Donau am Messpunkt Donauwörth alle einhundert Jahre einen Stand von 5,80 Metern. Dann tritt ein sogenanntes 100-jähriges Hochwasser ein. Den Aufzeichnungen nach, wurde dies jedoch noch nie erreicht. Der höchste Wert wurde 1994 mit 5,77 Metern gemessen. Sollte ein solches Hochwasser wieder eintreten, reichen die Bauwerke nicht aus, um das Stadtgebiet davor zu schützen. Die Folge wären Hochwasser im Ried, im Pappelweg und den Ortsteilen Nordheim, Zusum und Auchsesheim. Sollte es zu einem solchen Hochwasser kommen, geht der Schaden allein in Donauwörth in einen Millionenbereich. Das will das Wasserwirtschaftsamt verhindern und arbeitet seit 2011 daran, Donauwörth und seine Ortsteile zu schützen. 

Nachdem in den vergangenen Jahren viele Planungen und Messungen durchgeführt wurden, geht es nun an die konkreten Maßnahmen. Diese wurden vom Wasserwirtschaftsamt gemeinsam mit einem Planungsbüro erarbeitet. Vorgesehen ist die Ertüchtigung der Deichbauwerke, der Hochwassermauern und die Anlegung von neuen Überflutungsbereichen und Deichbauwerken. 

Diese Karte verdeutlicht, welche Flächen in Donauwörth von einem 100-jährlichen Hochwasser (dunkelblaue Flächen) und einem extremen Hochwasser (hellblaue Flächen) betroffen wären. Bild: Wasserwirtschaftsamt Donauwörth

Hochwasserschutz birgt Rest-Risiken

Fabian Tschauner ist im Wasserwirtschaftsamt für den Hochwasserschutz in Donauwörth zuständig. Der Umweltingenieur ist Projektleiter und macht klar, dass der Begriff "Hochwasserfreilegung", wie man ihn vor 15 bis 20 Jahren benutzt hat, heute nicht mehr zeitgemäß ist. "Wir rechnen mittlerweile mit deutlich höheren Pegelständen. Dafür reichen die bestehenden Bauwerke nicht mehr aus. Deshalb sprechen wir nun von Hochwasserschutz."

Für die Voruntersuchungen wurden in den letzten Tagen auch Bohrungen, unter anderem im Pappelweg, durchgeführt. Diese werden jetzt untersucht - die Ergebnisse werden Ende Februar vorliegen. Ebenso werden im Frühjahr die Bauwerke bewertet und analysiert. "Unser Ziel ist es, überlastbare Systeme zu entwickeln. Darunter verstehen wir Hochwassersysteme, die nicht mehr versagen. Beispielsweise Hochwassermauern, die nicht mehr brechen können. Es bringt nichts, wenn Mauern halten, aber an anderer Stelle Deiche brechen. Hier müssen wir auf jeden Fall nochmal Hand anlegen," so Tschauner. "Deiche versagen einfach sehr schnell, wenn diese überströmt werden. Das birgt ein hohes Schadenspotenzial. Wenn ein Deich bricht, entsteht eine Flutwelle, die hohe Schäden mit sich bringt. Deshalb setzten wir inzwischen in Bayern auf überlastbare Systeme. Das kann auch ein überströmbarer Deich sein."

Im Moment investiert das Wasserwirtschaftsamt allein rund 1,3 Millionen Euro in die Planung. Die genauen Kosten stehen erst mit der abgeschlossenen Vorplanung Ende 2019 bzw. mit der Entwurfsplanung 2020 fest, dürften aber im zweistelligen Millionenbereich liegen. Die Kosten werden vom Freistaat Bayern und der Kommune geteilt. 

Diese Variante wird im Moment im Wasserwirtschaftsamt diskutiert. Der Rückhalteraum könnte rund 1,9 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. Bild: Wasserwirtschaftsamt Donauwörth

Rückhalteraum an der Donau

Neben dem Hochwasserschutz in Donauwörth plant das Wasserwirtschaftsamt auch ein Projekt unter dem Titel "Hochwasserschutz Aktionsprogramm Schwäbische Donau - Rückhalte-Projekt." Darunter verstehen sich mehrere Rückhalteräume, die bei extremen Hochwassersituationen geflutet werden können. Ein solcher Raum ist zwischen Tapfheim und Donauwörth an der B16 vorgesehen. Diese werden durch bestehende Deiche und neue Deiche abgegrenzt. So könnte in einer Variante der Rückhalteraum bis an den Riedlinger Baggersee reichen.

Marion Keyl arbeitet diese Pläne im Wassewirtschaftsamt aus. "Auf der 140 Hektar großen Fläche können rund 1,9 Millionen Kubikmeter Wasser bei einem extremen Hochwasser abgeleitet werden. Ist das Hochwasser durch, wird das Wasser wieder abgelassen" so Keyl weiter. Ein Rückschlagventil soll verhindern, dass das Wasser unkontrolliert zurück in die Donau fließt. Für den Fall der Nutzung würden die Landwirte, deren Flächen geflutet werden müssen, entschädigt.

Bei einem extremen Hochwasser wären nicht nur die bisher regelmäßig betroffenen Flächen überflutet, sondern auch Flächen, welche bislang verschont blieben. Darunter der gesamte Bahnhofsbereich, das Areal von Airbus Helicopters aber auch die Dillinger Straße und die der Härpfer-Park. Sogar das Industriegebiet entlang der Bahnlinie in Riedlingen könnte betroffen sein. "Um die Stadt vor solchen extremen Hochwasserlagen zu schützen, planen wir eine Vielzahl von Maßnahmen. Dazu gehört eben auch ein Rückhalteraum, damit es nicht soweit kommt," so Keyl abschließend. 

Als Umsetzungszeitraum wird frühestens 2024 angenommen. 

Matthias Stark
Matthias Stark , Donau-Ries-Aktuell

Geschäftsführer und Gründer. Immer direkt vor Ort wenn etwas passiert, auch in der Nacht. Verantwortlich für den Anzeigenvertrieb. Bespricht dienstliches gerne bei einem Arbeitsessen. Katzenliebhaber. Hat ein Faible für antike Holzmöbel. Bringt Tochter und Hund gerne mit ins Büro.

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