Interview

Albert Riedelsheimer (Grüne) im KommunalWAHLcheck

Landratskandidat Albert Riedelsheimer im Interview mit unserer Redaktion. Bild: FOTOSTUDiO-Donauwörth | Fotograf Elmar Bschorer
Albert Riedelsheimer tritt bei der Kommunalwahl 2026 als Landratsamtskandidat für Bündnis90/Die Grünen an. Der 59-jährige Sozialarbeiter ist verheiratet und Vater zweier Kinder.

Sie formulieren auf der Homepage der Grünen ihr Ziel, den Landkreis Donau-Ries zukunftsfähig zu machen – vor allem ökologisch, sozial und gerecht. Was wäre Ihre erste Maßnahme, wenn Sie zum Landrat gewählt werden würden?

Als Erstes würden wir einen Transformationsplan aufstellen, wie wir den Landkreis treibhausgasneutral gestalten können. Dafür bräuchte es aus meiner Sicht einen Zehnjahresplan, aus dem klar ersichtlich wird, welche Maßnahmen in welchem Jahr ergriffen werden sollen. Das gilt insbesondere für die Bereiche, die der Landkreis selbst gestalten kann: Gebäude, Mobilität, eigene Liegenschaften. Es geht also nicht um Bereiche wie die Bundesstraßen. 

Wie wollen Sie Ihr Ziel eines treibhausneutralen Landkreises umsetzen und gleichzeitig den Wohlstand in der Region erhalten?

Diese Schlagzeile wünscht sich Albert Riedelsheimer im Wahlkampf. Bild: FOTOSTUDiO-Donauwörth | Fotograf Elmar Bschorer

Klimaschutz kostet Geld, das ist unbestritten. Aber: Kein Klimaschutz kostet noch mehr Geld. Das Hochwasser im vergangenen Jahr zeigt, welche Schäden dadurch entstehen können. Aber natürlich muss das global angegangen werden. Der Landkreis allein kann das nicht stemmen. Dennoch kann man etwas Positives daraus machen. Ich will Gewinne machen mit Energieerzeugung. Da geht es um die Regionalwerke. Das wäre ein Wirtschaftsunternehmen des Landkreises mit interessierten Kommunen, wo Energie erzeugt werden soll und verkauft wird. Wenn ich sehe, wie viele Unternehmen – von Biogasanlagen, über Wartungsunternehmen bis hin zu Photovoltaik - wir haben, die mit der Energieerzeugung verbunden sind, ist das ein großer Industriezweig. Das sind keine Hirngespinste, da kann man auch Gewinn damit machen.

Welche Botschaft hätte dann ein Landrat Albert Riedelsheimer an die regionale Wirtschaft?

Wir wollen die Arbeitsplätze hier in der Region erhalten. Der Landkreis kann nur begleiten, fordern und moderieren. Aber natürlich muss etwas passieren, dass die benötigte Energie hierher transportiert werden kann.

Die Bezirksumlage droht für 2026 auf 28 Prozent zu steigen, die Kreisumlage liegt bei 50 Prozent. Welche Unterstützung im Bereich Finanzen dürfen die Gemeinden erwarten?

Das Bestreben muss klar sein, bei 50 Prozent Kreisumlage zu bleiben. Der Landkreis hat viele Aufgaben, die finanziert werden müssen. Bei den Sozialaufgaben, die vom Bezirk kommen, ist relativ wenig zu sparen. Da ist die Frage, wie man effektiver werden kann. Und natürlich gibt es auch Bereiche, wo der Bund zuschießen muss. Bundesteilhabegesetz und Angehörigenentlastungsgesetz sind da Stichworte. Zum Beispiel braucht es neue Ansätze bei der Pflege zu Hause, Tagespflege und qualifizierten Migration. Noch geht es einigermaßen mit der Gesundheitsversorgung, aber wir wissen auch, wo die Lücken sind. Gerade im nördlichen Landkreis ist es schon eng. 

Sehen Sie aktuell Ungerechtigkeit im Landkreis und wenn ja, in welchen Bereichen?

Ich sehe, dass die Aufteilung der Hausärzte ungerecht ist. Aber es geht nicht darum zu sagen, wo die Hausärzte hinmüssen. Es geht darum, dass die Erreichbarkeit der Hausärzte gerecht ist und da ist der Nahverkehr ein Thema. Die Realität ist nicht mehr wie früher, dass die Kinder die Eltern zum Hausarzt fahren. Die Kinder sind oft nicht mehr vor Ort oder berufstätig. Daher müssen wir dafür sorgen, dass wir die Mobilität stärken. Es geht also nicht um finanzielle Ungerechtigkeiten, sondern um die Sicherung der Lebensgrundlagen auch im ländlichen Bereich. Dazu zählt auch bezahlbarer Wohnraum.

Digitalisierung und Entbürokratisierung sind Kernthemen der heutigen Zeit. Wie wollen Sie dies umsetzen?

Ich sehe es positiv, dass sich die Bundesregierung in dem Punkt Gedanken macht. Es gibt Maßnahmen, die müssen zentral geregelt werden. Die An- und Abmeldung eines Kfz wäre so ein Beispiel. Es ist aber auch immer noch schwer, hier Onlinetermine auszumachen. Da muss was getan werden. Auch die E-Akte muss vorangetrieben werden. Da ist aber der Staat gefragt, entsprechende Programme aufzulegen. Mit der entsprechenden Digitalisierung wäre auch eine Entbürokratisierung möglich, wenn möglichst viel online zu machen wäre. Aber der Landkreis hat nicht so viele Verwaltungswege im eigenen Bereich, die meisten laufen im staatlichen Bereich. Da unterscheide ich ganz stark. Im staatlichen Bereich macht es keinen Sinn, wenn sich jeder Landkreis etwas Eigenes ausdenkt. Es braucht ein zentrales System, sonst wird es noch komplizierter. 

Was unterscheidet Sie von den anderen Kandidaten um das Amt des Landrats?

Ich bringe durch meine Tätigkeiten viel Erfahrung in der Verwaltung mit. Zudem kann ich aufgrund meiner Arbeit als Sozialarbeiter sehr gut zuhören. Und ich kenne die Probleme der Menschen vor Ort - auch die Probleme der Menschen in schwierigen Lebenssituationen.

Persönlicher Gegenstand

Bild: FOTOSTUDiO-Donauwörth | Fotograf Elmar Bschorer

Tau-Kreuz 

Es ist das Kreuz des HL. Franziskus. Für mich symbolisiert es zwei wichtige Elemente. Einmal die sozialen Werte, die es vertritt. Da steht für mich auf für einen solidarischen Landkreis, in dem alle Platz haben, aber auch um eine funktionierende Gesundheitsversorgung. Zum anderen ist Franziskus auch der Patron von Natur und Tieren. Dazu haben wir die Enzyklika Laudato si‘ von Papst Franziskus, in der es darum geht, den Klimaschutz voranzubringen. Daher ist das für mich ein gutes Miteinander dieser beiden Säulen, die für mich persönlich sehr wichtig sind. 

Redakteur. Unterwegs für blättle und online. Geboren in Augsburg ist er über Freiburg, Wien und München endlich im schönen Donau-Ries angekommen. Hier hat er besonders die Themen Kunst, Kultur, Geschichte und Sport im Blick.

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