8. Januar 2019, 09:21

Das bewegt Nördlingen: Im Gespräch mit David Wittner

David Wittner will ins Nördlinger Rathaus einziehen und 2020 Oberbürgermeister der Riesmetropole werden. Bild: Ina Wagner/Foto Hirsch
Nachdem David Wittner am vergangenen Freitag seinen Fahrplan ins Nördlinger Rathaus vorgestellt hat, treffen wir den Kandidaten in der Blauen Glocke Nördlingen. Im Interview wollen wir von David Wittner wissen, wie er zu den Themen steht, die Nördlingen bewegen.

Wohnraum in Nördlingen ist knapp, ebenso Bauland. Immer wieder wird das ehemalige Döderlein-Areal als Bauland ins Spiel gebracht. Wie stehen Sie dazu?

David Wittner: "Das ehemalige Döderlein-Areal ist in absoluter Nähe zur Innenstadt der ideale Parkplatz. Angesichts der Knappheit an verfügbarem Bauland sollten wir es perspektivisch aber auch als Entwicklungsfläche nicht gänzlich aus den Augen verlieren. Zuvor muss jedoch die Parkproblematik gelöst werden. Auf der anderen Seite braucht auch die Feuerwehr mittelfristig eine neue Heimat, die auf dem Döderlein-Gelände gut zu schaffen wäre. Stattdessen könnte dann anschließend an das Egerviertel im freiwerdenden Spitalhof weiterer Wohnraum geschaffen werden. Von den Planungen zum Egerviertel bin ich übrigens begeistert.“

Die Sparkassen Dillingen und Nördlingen wollen fusionieren. Welche Lösung bevorzugen Sie? 

D. W.: "Ich hätte eine Fusion im Gebiet Nordschwaben bevorzugt. Das wäre für alle Seiten die beste Lösung gewesen. Unter den aktuellen Voraussetzungen war leider nur der Zusammenschluss mit Dillingen möglich. Ich sehe das aber auch nur als Zwischenschritt zur größeren Einheit.“

Seit vielen Jahren wird über die Zukunft des Hallenbads diskutiert. Welchen Weg soll Nördlingen hier gehen?

D. W.: "Es ist wichtig, dass die Diskussion sachlich und ehrlich geführt wird. Es darf im Wahlkampf keinen Wettstreit um das tollste Hallenbad geben, welches am Ende nicht kommt. Das wäre der falsche Weg. Wir müssen nun eine Entscheidung zwischen Sanierung und Neubau treffen. Und wenn saniert wird, muss so saniert werden, dass wir für die nächsten 20 bis 30 Jahre gut aufgestellt sind. Für mich ist das Hallenbad ein wichtiger Bestandteil der Nördlinger Infrastruktur und kein unnötiger Luxus. Nicht zuletzt müssen unsere Kinder auch irgendwo schwimmen lernen. Außerdem gibt es im Ries den Bedarf an einem weiteren Hallenbad. Ich bin ein Fan des Almarins und würde mich über die Reaktivierung freuen.“

Bei der Sanierung des alten Bahnhofs laufen die Kosten aus dem Ruder. Hätten Sie das Gebäude auch gekauft?

D. W.: "Hier hat die Stadt damals in großer Eile und ohne konkreten Plan das Objekt erworben. Wie sich nun zeigt, ist der Zustand schlechter als gedacht und die Kosten steigen. Das ist selbst bei einem Mieter wie dem Landratsamt dann nicht mehr wirtschaftlich. Auch wenn der Kauf an sich richtig war, ist der Ablauf kritisch zu sehen. Über kurz oder lang wäre der Bahnhof wieder auf den Markt gekommen und man hätte nach entsprechender Planung und Prüfung kaufen können.“

Immer noch gibt es "Gräben" zwischen Donauwörth und Nördlingen. Wie stehen Sie zu dem Thema?

D. W.: "Der Landkreis hat nun mal zwei Zentren. Wir müssen hier aber endlich die alten Gräben zuschütten und gemeinsam an der erfolgreichen Zukunft der Region arbeiten. Die Gebietsreform ist über 40 Jahre her. Damals war ich noch nicht auf der Welt. Für mich steht ein gutes Miteinander im Vordergrund. Wir müssen lernen, dass wir von der positiven Entwicklung des jeweils anderen profitieren können, ohne uns gegenseitig etwas wegnehmen zu müssen. Hier will ich ebenfalls den Fokus auf die Kommunikation legen und gut mit meinem Amtskollegen in Donauwörth zusammenarbeiten.“

Viele Städte haben damit Probleme ihre Innenstädte zu beleben. Warum ist das in Nördlingen anders?

D. W.: "Unsere Altstadt ist einzigartig und die Rieser haben eine ganz eigene Mentalität. Die Altstadt ist ein Identitätsort für unsere Bevölkerung. So wird sich auch der Handel und die Gastronomie in Zukunft halten können und Kunden haben. Es gehört einfach dazu, dass die Nördlinger am Samstag über den Wochenmarkt gehen. Das ist wichtiger Bestandteil der Nördlinger Lebensqualität.“

Welches Thema wird Sie und Nördlingen in den nächsten zehn Jahren am meisten bewegen?

D. W.: "Das elementare Zukunftsthema für Nördlingen ist in meinen Augen die Mobilität. Dazu gehören Parken, Radfahren, Reaktivierung von Bahnstrecken und Ausbau der EMobility. Dazu gehören alle Fragen wie Parkraumüberwachung, Parkplätze und Verkehrsberuhigung in der Innenstadt. Das Thema wird uns über die nächsten Jahre begleiten und für viele Herausforderungen sorgen. Wie schaffen wir es, dass die Kinder in Kindergarten und Schule kommen? Wie können wir älteren Mitbürgern ohne Auto helfen zum Einkaufen und zum Arzt zu kommen. Die Antworten auf diese Fragen müssen wir erarbeiten. Aber ich bin mir sicher, dass wir in Nördlingen die ganzen Herausforderungen meistern."

Herzlichen Dank für das Interview